Als die Beziehung zu seiner Freundin und Mutter der gemeinsamen Tochter in die Brüche geht, sucht der Verlierer Alex (Sverrir Gudnason, in zwölf Folgen der Serie Mankells Wallander zu sehen) Unterschlupf bei seinem Bruder und findet einen Job als Betreuer einer Gruppe geistig Behinderter. Als er versucht, verkrusteten Methoden frischen Wind entgegenzusetzen, stößt er auf Widerstände. Die schwedische Komödie war im eigenen Land ein Sommerhit, doch einige kuriose Aussagen sorgen beim Zusehen für Kopfschütteln.
Es läuft nicht viel zusammen im Leben des Schauspielers Alex. Sein Regisseur schmeißt ihn aus dem Ensemble, weil er zum wiederholten Mal seinen Einsatz versaut und seinen Text vergisst. Kurz darauf wirft ihn seine Freundin aus der von ihr finanzierten gemeinsamen Wohnung, weil sie ihn für verantwortungslos hält und die gemeinsame Tochter darunter leiden sieht. Vorrübergehend am Tiefpunkt angelangt, sucht Alex Unterschlupf bei seinem Bruder in Hudiksvall, einem Provinzstädtchen 300 Kilometer nördlich von Stockholm. Aber auch der bärbeißige Barbesitzer hat wenig Interesse an einer Dauerbeherbergung. Alex ist gezwungen, sich einen Job und eine Wohnung zu suchen. Fündig wird er im sogenannten Paradies, einer Einrichtung für geistig behinderte Menschen.
In dem Moment wird das Hauptproblem des Films erstmals offenbar. Der Balanceakt, komisch und respektvoll zu sein, misslingt der Regisseurin Lena Koppel und ihrer dänischen Co-Autorin Trine Piil Christensen gewaltig. Ihr Hauptcharakter Alex wirkt zeitweise wie ein Autist, in sich gekehrt und ohne Kontakt zur Außenwelt. Er streift das erst ab, als er eine Aufgabe übernimmt, die ihn fordert und in der er seine Berufung findet. Denn eine Begabung hat jeder, das ist die Hauptaussage von Die Kunst, sich die Schuhe zu binden. Dass er überhaupt einen Job bekommt, gleicht einem Wunder. "Für Menschen ohne Qualifikation haben wir nichts", sagt der Berater im Arbeitsamt - und schickt ihn dann ins Paradies. Als Betreuer geistig Behinderter ist also keinerlei Qualifikation vonnöten? Eine seltsame Aussage.
Vielleicht ließe sich darüber hinwegsehen, sie als komödiantisches Element akzeptieren, wären da nicht die antiquierten Ansichten der etablierten Sozialarbeiter sowie der Eltern seiner Patienten, mit denen sich Alex im Folgenden konfrontiert sieht. "Geduld und Struktur sorgt für Ordnung", lautet ein Motto. Soll heißen: bloß kein Abweichen von der Routine, bloß keine zu große Aufregung riskieren, indem man die allesamt erwachsenen Dahinvegetierenden aus ihrem Alltag reißt, der Arbeit in einer Holzwerkstatt und ewige Lektionen im Binden von Schuhen.
Alex kämpft gegen diese Strukturen an. Er entdeckt das musikalische Potenzial der Gruppe, lässt sie auf einer Theaterbühne herumtollen und setzt sich dafür ein, mit seinen Schützlingen zum Casting einer Talentshow nach Stockholm fahren zu dürfen. Nur selten kommt beim Zuseher in den daraus resultierenden Konflikten so etwas wie Verständnis auf für die Eltern, die aus Sorge vor einer Zurschaustellung ihrer Sprösslinge seine prompte Entlassung fordern. Die feinfühligen Momente dieser Komödie kommen zu kurz.
Gerettet wird die Geschichte, die lose auf der Gründung des in Hudiksvall ansässigen und unter anderem bereits am Broadway gefeierten Glada Hudik-teatern geistig Behinderter basiert, einzig von ihren Darstellern. Bei ihrem Umzug von der Bühne auf die Leinwand gelingt es den Ensemblemitgliedern, das mitzunehmen, was die Handlung vermissen lässt: ein großes Stück Herz.