Colin Farrell zeigt in Nicht Auflegen! sein ganzes Können und brilliert als Stu Sheperd, der von Kiefer Sutherland in einer Telefonzelle gefangen gehalten wird.
Als ich Anfang diesen Jahres den Trailer zu Nicht Auflegen! sah, war mir klar: Das wird ein Film ganz nach meinen Geschmack! Joel Schumacher, der uns mit Filmen wie Flatliners - Heute ist ein schöner Tag zum Sterben, Falling Down und vielen anderen, bereits mehrmals sein Können unter Beweis gestellt hat, sollte auch hier wieder die Fäden ziehen und so freute ich mich umso mehr, als es dann endlich soweit war. Der Film beginnt recht hektisch und im Nachhinein betrachtet, kommen die ersten 10 Minuten ein Geniestreich gleich, denn einen solchen Geschwindigkeitswechsel wie in diesem Film habe ich noch nie gesehen.
Der Möchtegern-Medien-Consultant Stu Sheperd (Colin Farrell) hetzt - wie jeden Tag - durch die Stadt und spielt seine Klienten gegeneinander aus, ohne Rücksicht auf Ethik und Moral. Er lügt und betrügt, so auch als er an der Telefonzelle ankommt, von der aus er jeden Tag seine Geliebte - Stu ist verheiratet und hat eine Affäre mit einer jungen Schauspielerin (Katie Holmes) - anruft. Kurz nach seinem Telefonat klingelt das Telefon in der Zelle, als Stu abnimmt, sieht er sich mit einem Verrückten konfrontiert, der mit einem Scharfschützengewehr auf seinen Kopf zielt - wenn Stu auflegt stirbt er!
Ich empfehle jedem, der nur irgendwie die Möglichkeit dazu hat, diesen Film in der Originalversion zu sehen, denn wenn die Stimme von Kiefer Sutherland aus dem Off ertönt, kann man seine Begeisterung kaum zurückhalten. Ab diesem Zeitpunkt spielt der komplette Film nur noch in der Strasse rund um die Telefonzelle - wenn man das so liest, könnte man meinen, dass es stinklangweilig sein muss und doch schaffen es Regisseur und Darsteller eine ungeheure Spannung aufzubauen: Wird Stu überleben? Was wird er tun? Legt er auf? Wird der Scharfschütze schießen? Warum ausgerechnet Stu? Warum auf diese Art und Weise?
Der Film kommt ohne große Special Effects aus und schafft es, allein durch die Kameraperspektiven und einem grandiosen Colin Farrell die Angst von Stu Sheperd auf den Zuschauer zu übertragen. Man fühlt sich regelrecht selbst in diese kleine enge Telefonzelle versetzt, den Verrückten am Telefon und den roten Punkt des Laserzielfernrohres auf seinem Anzug wandernd. Diese hochbrisante Situation wird in dem Film voll ausgereizt und so unterhält sich der Unbekannte übers Telefon mehrere Stunden mit Stu über dessen Leben und vor allem dessen Lügen und Betrügereien. Natürlich werde ich hier nicht verraten, ob irgendjemand erschossen wird oder ob Stu es schafft. Aber diese 60 Minuten des Films kommen einem wie 60 Sekunden vor, denn obwohl jegliche Hektik und Geschwindigkeit jetzt auf einmal aus dem Film gewichen ist, erscheint es dennoch so, als würde alles Schlag auf Schlag gehen.
Nochmals besonders erwähnt sei Colin Farrell, denn ohne ihn wäre diese Film nur halb so gut. Er verkörpert den anfänglich hochnäsigen und pseudo-wichtigen Medienberater mehr als glamourös! Auch als die komplette Souveränität dann von ihm weicht, sieht man in Colins Gesichtszügen und Gestiken mehr als deutlich, was Stu denkt und fühlt. Es braucht keine großen Dialoge - die großartige schauspielerische Leistung zeigt alle Gefühle und Emotionen des auf einmal zur Marionette degradierten Stu. Für mich ist Nicht Auflegen! einer der großen Filme dieses Jahres und ich kann nur jedem empfehlen, sich an der Kinokasse für ihn zu entscheiden.