Es ist immer schade, wenn Werbewirksamkeit vor Qualität geht. Den ständig vor sich hinnuschelnden Sänger Jan Delay, den man hier als Stimme für die Hauptfigur verpflichtet hat kann man leider nur als Totalausfall bezeichnen. Dabei hätte der erste Ausflug des frechen Raben auf die große Leinwand gar kein prominentes Zugpferd gebraucht, denn das Regie-Tandem Sandor Jesse und Ute von Münchow-Pohl machen eigentlich alles Richtig und präsentiert einen der besten Kinderfilme der letzten Jahre.
1996 veröffentlichten Annet Rudolph und Nele Moost das Kinderbuch Alles meins! in dessen Mittelpunkt ein kleiner Rabe mit einer einzelnen rot-weiß geringelten Socke und einer Vielzahl an Charakterfehlern stand. Die sympathischen Figuren, die gelungen Illustrationen und die gut transportierte Botschaft machten das Buch sofort bei Kindern wie Eltern beliebt. So folgten noch unzählige weitere Abenteuer um den Raben Socke und seine Freunde.
Bereits zwei Jahre später war die Popularität der Kinderbücher so groß, dass auch das Fernsehen die Geschichten für sich entdeckte. Kurzerhand wurden die Bücher als Einspielfilme für das Flaggschiff der Kinderunterhaltung, das Sandmännchen, adaptiert. Nun folgt mit dem Sprung auf die große Leinwand also der nächste Schritt im Siegeszug des kleinen Raben in den deutschen Kinderzimmern.
Für die erfolgreiche Umsetzung wurden mit Sandor Jesse (Der kleine König Macius - Der Film) und Ute von Münchow-Pohl (Lauras Stern und die Traummonster) zwei Regisseure verpflichtet, die sich bereits mehrfach durch ihre gute Arbeit im Bereich des Kinderzeichentrickfilms ausgezeichnet haben. Und auch hier machen sie mit ihrer Inszenierung alles richtig.
Die Handlung wird gemäß der anvisierten Zielgruppe im Kindergartenalter und deren geringer Aufmerksamkeitsspanne entsprechend ohne Wendungen oder Überraschungen erzählt. Hier bleibt alles leicht verdaulich. Durch diese gute Klarheit der Kommunikation kann das Regie-Duo dennoch ein recht hohes Tempo an den Tag legen, weshalb Der kleine Rabe Socke auch für ältere Zuschauer unterhaltsam bleibt, die eigentliche Zielgruppe jedoch zu keinem Zeitpunkt überfordert wird.
Auch optisch kann das Werk vollends überzeugen. Die Szenarien sind liebevoll gestaltet und die Animationen in jeder Sekunde flüssig. Einmal mehr zeigt sich, dass es auch heutzutage nicht immer aufwändiger computeranimierter Produktionen bedarf, um einen guten Film für die jüngere Zielgruppe abzuliefern. Eine gelungene Geschichte mit liebevoll in Szene gesetzten Charakteren und einer unaufdringlichen Moral reichen vollkommen aus.
Ohne Frage kann man das Werk von Sandor Jesse und Ute von Münchow-Pohl nur jedem weiterempfehlen, denn die Geschichte vom kleinen Raben und seinen Freunden gehört ohne Zweifel zu den besten Kinderfilmen der letzten Jahre. Doch bei all dem überschwänglichen Lob hat Der kleine Rabe Socke leider einen nicht zu überhörenden Kritikpunkt: den werbewirksam verpflichteten Jan Delay, der hier nach Die Rotkäppchenverschwörung und Ich - Einfach Unverbesserlich erneut einer animierten Figur seine Stimme leiht.
Doch so gut seine einmalige Stimme auch bei diesen beiden Filmen funktioniert hat - hier geht es leider gar nicht auf. Der stellenweise furchtbar nuschelnde und weitgehend schlecht zu verstehende Musiker trübt den Filmspaß enorm. Hier hätte man, nicht nur wegen des Wiedererkennungswertes, besser auf den Originalsprecher der Sandmännchen-Episoden zurückgegriffenen. Doch so wird der Filmspaß leider am Ende doch noch ein wenig getrübt.