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Violeta Parra

(Violeta se fue a los cielos, 2011)

Dt.Start: 29. November 2012 Premiere: 11. August 2011 (Chile)
FSK: ab 12 Genre: Biografie
Länge: 110 min Land: Chile, Argentinien, Brasilien
Darsteller: Francisca Gavilan (Violeta Parra), Thomas Durand (Gilbert Favre), Christian Quevedo (Nicanor Parra), Gabriela Aguilera (Hilda Parra), Roberto Farias (Luis Arce), Marcial Tagle (Alcalde Fernando Castillo), Juan Quezada (Don Guillermo), Sergio Pina (Mario), Daniel Antivilo (Sr. Meyer), Pedro Salinas (Don Gabriel), Stephania Barbagelata (Carmen Luisa)
Regie: Andrés Wood
Drehbuch: Eliseo Altunaga


Inhalt

Die Geschichte der chilenischen Folkloresängerin Violeta Parra: Mit ihrem Lied "Gracias a la vida" hat sie einen Grundstein für die Nueva Cancion gelegt. In den Sechzigern ist Parra als Begründerin dieser neuen Musikbewegung bekannt geworden und hat im Rahmen ihrer Tournée unter anderem Länder wie die UdSSR, Deutschland, Italien und Frankreich bereist. Im Jahr 1967 beging die Musikerin aus nicht gänzlich geklärten Gründen Selbstmord.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Violeta Parra hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 72%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Violeta Parra hat eine Wertung von 72%
Sie stammte aus ärmsten Verhältnissen. Ihr Leben war immerfort begleitet von vielen Kämpfen, inneren und äußeren. Die chilenische Musikerin Violeta Parra, deren Leben und künstlerisches Schaffen nun von Andrés Wood im gleichnamigen Biopic porträtiert wurde. Getragen von starken Bildern und der schauspielerischen Leistung der Protagonistin entwickelt sich eine dichte, aber chronologisch nicht immer gut durchschaubare Geschichte, die zuweilen auch den zeitgenössischen soziopolitischen Zusammenhang nicht ausführlich genug herstellt.

Bild aus Violeta Parra Biopics von Musikern befassen sich meist mit unsterblichen Legenden, die sich für alle Zeiten untrennbar im Weltgedächtnis verankert haben. Die chilenische Folkloresängerin Violeta Parra ist in ihrem Heimatland eine Ikone, wie auch in ganz Südamerika eine Berühmtheit und Leitfigur, sowohl als Künstlerin wie auch als Aktivistin in ihrem Engagement gegen soziale Ungerechtigkeiten. Hierzulande dürfte sie allerdings eher Musikexperten, Zeitgenossen und jenen ein Begriff sein, welche die Zeit vor und um die 68er-Revolution herum bewusst miterlebten. Andrés Woods Film Violeta Parra setzt sich in eindrucksvollen Bildern mit einer vielschichtigen wie auch komplizierten Persönlichkeit auseinander und porträtiert eine überaus leidenschaftliche Frau, deren Kunst niemals ein Preisetikett trug.

Geboren in ärmsten Verhältnissen 1917 im rauen Süden Chiles ist Violeta eines von neun Geschwistern. Ihr Vater ist Musiklehrer. Wegen seiner Gewerkschaftszugehörigkeit verliert er aber seine Stelle und versucht in der Folge, die Familie alleine als Kneipenmusiker über Wasser zu halten. Frustriert über seine Situation gibt er sich jedoch zusehend dem Alkohol hin. Nach seinem frühen Tod sind die Kinder auf sich selbst gestellt. Violeta hat sich allein durchs Abschauen autodidaktisch das Gitarrespielen beigebracht. Bereits mit zwölf Jahren ist sie in der Lage, eigene Stücke zu komponieren, und verdient sich damit für sich und ihre Geschwister etwas Geld fürs Überleben.

Die Härten in der Kindheit Violetas, die Armut, Entbehrungen und die Perspektivlosigkeit liefert der Film in Rückblenden, verpackt in rauschhaft verträumten Bildern nach, die es dem Publikum jedoch nicht immer gerade leicht machen, die einzelnen Handlungselemente zeitlich sauber einzuordnen. Und auch wenn es in der Folge nicht ganz so durcheinander weitergeht, folgt die Inszenierung niemals streng einem linearen Muster. An Vor- wie Rückwärtssprünge und auch an Szenen, die sich beinahe wie magisch gar nicht so recht in das Gesamtgefüge einfügen wollen, muss sich der Zuschauer gewöhnen.

Selbst die Biografie bleibt Bruchstückhaft. Der Film fokussiert sich auf wichtige Stationen im Leben Violetas, die Aufenthalte in Polen und Paris und auf ihre leidenschaftlichen Liebschaften. Im Vordergrund steht aber immer die Künstlerin mit ihrem unverkennbar durch Pocken vernarbten Gesicht: Dichterin, Malerin und Musikerin, die sich der Bewahrung des folkloristischen Erbes ihrer Heimat verschrieb, wie sie auch gegen gesellschaftliche Missstände und Klassendenken zu Felde zog. Bezeichnend hierfür die Szene im Louvre in Paris, in dem sie ihre Bilder ausstellte und ihre Musik präsentierte, zum anschließenden Empfang aber nicht eingeladen war und zum Essen in die Küche geschickt wurde.

In solchen Momenten ist es die Hauptdarstellerin Francisca Gavilan, die den Film beinahe im Alleingang trägt; unvergleichlich gelingt es ihr, das Manische, das Kämpferische und das Getriebene in Violetas Seele abzubilden, wie ihre Wünsche und Hoffnungen und zuletzt auch ihre Ängste, Abgründe und Komplexe. Mit solchen schauspielerischen Qualitäten ausgestattet, vermag der Film von Andrés Woods sowohl mit seinen kraftvollen visuellen Eindrücken als auch in den emotionalen Augenblicken zu punkten. Sein Manko bleibt aber leider das, was er zwischendrin an Information auslässt oder möglicherweise einfach als bekannt voraussetzt.

Es ist dann auch weniger der Eindruck, dass man die Figur der Violeta Parra in ihrem Streben und Trachten nicht verstehen könnte, sondern vielmehr, dass nicht jeder die gesellschaftlichen und politischen Zusammenhänge einer Ära, die viele Umwälzungen mit sich brachte, ohne weiteres entschlüsseln kann. Das mag insbesondere für Menschen einer jüngeren Generation gelten, welche diese Zeit lediglich aus den Geschichtsbüchern kennen. Ein emotional bewegendes, zuweilen irritierendes wie auch aufwühlendes Biopic bleibt Violeta Parra dennoch, das sich insbesondere all jene, die sich für diese Künstlerin und ihr Werk interessieren, nicht entgehen lassen sollten.



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