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Night on Earth

(Night on Earth, 1991)

Durchschnittliche Redaktionswertung

75%



Inhalt

In Los Angeles, New York, Paris, Rom und Helsinki spielen sich in einer Nacht in unterschiedlichen Taxis merkwürdige Szenen ab. So unterschiedlich die Menschen und die Orte auch sind, gibt es doch eine Gemeinsamkeit: Wenn sich nachts fremde Menschen auf engstem Raum begegnen, entstehen die eigentümlichsten Augenblicke.

Kritik

von Markus Mller

Wertung Kritik

75%

In fünf Episoden erzählt Jim Jarmusch Geschichten aus dem Leben von Taxifahrern in unterschiedlichen Städten und liefert damit einen sympathischen Film, der komplett von seinen Charakteren und den Dialogen lebt, inhaltlich jedoch eher flach bleibt. Night on Earth bleibt dabei aber dennoch angenehm kurzweilig und ist somit auch nicht so anstrengend wie einige andere Werke Jarmuschs.

Bild aus Night on Earth Im Grunde genommen lässt sich das Konzept des Filmes auf einen Satz herunterbrechen: Wenn sich fremde, unterschiedliche Menschen auf engem Raum begegnen, führt dies zu interessanten und ungewöhnlichen Situationen. Es gibt nur wenige Berufe, in denen dies so wunderbar exemplarisch der Fall ist, wie den des Taxifahrers. Besonders nachts ist das Spektrum an Fahrgästen oft ebenso vielfältig wie merkwürdig, und so sammeln sich einige wunderbare, teilweise sehr amüsante Geschichten an, von denen Jim Jarmusch in seinem Episodenfilm Night on Earth fünf selbst erdachte erzählt.

Im Vordergrund stehen daher offensichtlich nicht die Geschichten an sich, sondern die Interaktion der durchgehend skurrilen Charaktere. Bei der Zeichnung seiner Figuren schreckt Jarmusch dabei auch nicht vor Klischees zurück. Vielmehr sind die Figuren überzeichnete Archetypen ihres Menschenschlages. Ein wichtiges Stilmittel, um das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen und die Internationalität seines Themas zu untermauern, stellt dabei die Sprache dar: Der Film ist in den Episoden in den Originalsprachen der jeweiligen Länder beziehungsweise der Fahrgäste gehalten und nur durch Untertitel übersetzt, was eine hervorragende Entscheidung war. Wahrscheinlich würde der Film nahezu komplett seinen Reiz verlieren, wenn er durchgehend synchronisiert worden wäre. Ein weiteres, wichtiges gestalterisches Element ist die Musik von Tom Waits. Allerdings beschränkt sich diese während des Filmes auf ein immer wiederkehrendes Instrumental. "Komplette" Lieder sind nur im Vor- und im Abspann zu hören.

Die einzelnen Geschichten sind durchaus stimmig, wobei man jedoch feststellen muss, dass die Pointen nicht immer sitzen. Entweder sind diese zu vorhersehbar oder ein wenig zu konfus, selten aber wirklich treffend amüsant. Insgesamt am überzeugendsten ist sicherlich die Episode mit einem liebenswerten Armin Müller-Stahl als Taxifahrer, der weder Taxis fahren, noch fließend Englisch sprechen kann und seine Aussagen immer wieder mit deutschen Sätzen anreichert. Diese Episode ist natürlich besonders für das deutsche Publikum ein Highlight. Die restlichen Episoden sind ebenfalls gelungen, aber auch nicht unbedingt überwältigend. Sie sind mal eher minimalistisch und fast schon zu einfach und mal ein wenig zu überdreht und albern, wie die mit Roberto Benigni, bei dem man sich nicht entscheiden kann, ob sein Rumgezappel und sein ständiger euphorischer Redefluss noch ganz witzig oder doch schon nervig sind.

Am besten funktioniert Night on Earth, wenn man ihn bewusst als konstruierte Momentaufnahme sieht. Versuche, zwischen den Zeilen Tiefgründigkeit zu entdecken, werden auf kurz oder lang scheitern. Viel zu entdecken gibt es nicht, obwohl die Vermutung naheliegt, denn die vordergründigen Botschaften werden fast schon zu plakativ vorgetragen, um sie als einzige Botschaft Jarmuschs hinzunehmen. Wobei es recht typisch für den eigenwilligen Filmemacher ist, dass er seine Zuschauer auch gern über seine Intention rätseln lässt. Dennoch sind seine Filme immer wieder charakteristisch und trotz einiger Schwächen eigentümlich faszinierend, und so ist Night on Earth zwar lange kein Meisterwerk, aber ein netter kleiner Streifen und auf jeden Fall empfehlenswert.

Keine weitere Wertung


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