Mit Die Hochzeit unserer dicksten Freundin erreicht die Hochzeitskomödie einen neuen Tiefpunkt. Entgegen der aufgrund des grauenvollen deutschen Titels aufkommenden Erwartung, hält sich zwar nicht der ganze Film mit platten Witzen über adipöse Frauen auf, dafür aber mit platten Witzen über dünne Frauen, Sex und Belanglosigkeiten. Tatsächlich ist dieses Machwerk eine der humorlosesten Komödien aller Zeiten und in jeder Minute stupide und gähnend langweilig. Was hat sich nur Kirsten Dunst dabei gedacht, bei diesem Mist mitzuspielen?
Hochzeitskomödien gibt es wie Sand am Meer. Oft liegt der Fokus dabei auf dem Tag, beziehungsweise der Nacht vor der großen Zeremonie. Fernab von vergleichsweise bescheidenen deutschen Hochzeitsritualen sind amerikanische Hochzeiten in der Hollywood-Darstellung nicht selten mit dem Organisationsaufwand von Festivals verbunden. Natürlich kann dabei einiges schieflaufen. Damit das noch irgendjemanden interessiert, müssen natürlich schwere Geschütze originellen Wahnsinns aufgefahren werden, und so konnte beispielsweise Hangover überraschen und ein kultiger Streifen werden. Auch eine deutsche Produktion, Sönke Wortmanns Das Hochzeitsvideo nahm sich des Themas an und erfand zwar trotz seinem pseudodokumentarischen Stil das Rad nicht neu, hatte aber Charme und war unterhaltsam. Es gibt also definitiv Möglichkeiten, selbst ein so banales und ausgelutschtes Thema wie Junggesellenabschiede interessant umzusetzen. Und dann gibt es da Die Hochzeit unserer dicksten Freundin.
Der Aufhänger der Geschichte ist schnell zusammengefasst: Eine Frau heiratet - und sie ist dick. Zu ihrer Hochzeit kommen Bekannte von ihr - und die sind dünn. Reicht das für eine gelungene Komödie? Mit Sicherheit nicht! Also wird noch ein bisschen Sex und Drogenkonsum dazu konstruiert, der Gesamtklumpen mit einer Prise flacher Gesellschaftskritik und Seitenhieben auf Schönheitsideale und Bulimie garniert und eine erstaunlich alt aussehende Kirsten Dunst (Spider-Man) hinzu geworfen. Es beschleicht einen zuweilen das Gefühl, dass die Macher mit Koks, Joints und Geschlechtsakten auf Teeniefilm-Niveau eine schmutzig-freche Note einbringen wollten, doch leider ging das absolut nach hinten los und wirkt eher peinlich; da hilft auch die ziemlich blöde Sexszene mit Kisten Dunst nichts.
Die dicke Freundin steht bei all dem eigentlich nicht im Mittelpunkt. Sie ist nur der Aufhänger für eine Geschichte, die so blöd, so platt, so belanglos und an den Haaren herbeigezogen ist, dass es eigentlich keinen Aufhänger braucht. Tatsächlich ist der fast ausschließlich aus flachen, zotigen und streckenweise pseudosentimentalen Dialogen bestehende Film in keiner Sekunde witzig oder bewegend. Jeder Gag und jede Handlungsentwicklung ist vorhersehbar, und dabei wird der Streifen tatsächlich mit jeder Minute schlechter und ist vor allem eines: stinklangweilig. Quälende Minuten unerträglicher Geistlosigkeit vergehen bis zum erlösenden Abspann, nach dem man sich nicht einmal so richtig aufregen kann, weil dieses Machwerk nichts als absolute Leere hinterlässt. Man fühlt sich, als hätte man eineinhalb Stunden lang eine in einer Toilette ertrinkende Fliege beobachtet, bis jemand kommt und spült - wobei das deutlich spannender wäre.
Im Grunde versucht Regiedebütantin Leslye Headland eine Art abgespeckte Hangover-Version mit Frauen im Mittelpunkt, um so ein vergleichbares Chaos vom Stapel zu lassen, und scheitert dabei sensationell - man möchte fast schon sagen historisch. Der deutsche Titel bereitet den unschuldigen Zuschauer scheinbar schon auf das Schlimmste vor, wobei der Film im Original mit Bachelorette noch besser wegkommt, doch es kommt tatsächlich noch schlimmer! Der absolute Wahnsinn daran ist, dass hinter dem Ganzen tatsächlich so etwas wie Tiefgang stecken soll, denn Headland adaptiert mit Die Hochzeit unserer dicksten Freundin ein von ihr verfasstes Bühnenstück, das Teil einer Serie über die sieben Todsünden sein soll und Völlerei thematisiert! Das ist, als würde jemand behaupten, dass die Fliege im Klo Theologie studiert hat und dass es Kunst wäre, sie beim Ertrinken zu beobachten.
Was hat sich Kirsten Dunst eigentlich dabei gedacht, bei diesem Projekt zuzusagen? Ist sie eine Freundin der Regisseurin? Ist sie pleite? Ist ihr die Brautrolle in Melancholia nicht bekommen? Schon das Exposé muss klar gemacht haben, dass dieser Film nur schlecht werden kann und ein Schandfleck in ihrer Filmographie wird. Zumal die Schauspieler an ihrer Seite längst nicht mit ihr mithalten können, mit Ausnahme vielleicht von der durchaus charismatischen Lizzy Caplan (Cloverfield), die beinahe so etwas wie eine Entdeckung des Filmes ist, passen sich die Darsteller komplett der Qualität des Streifens an: Rebel Wilson (Brautalarm) konzentriert sich darauf fett zu sein, Isla Fisher (Vielleicht, vielleicht auch nicht) als drogenvernarrtes, nymphomanisches Flittchen besticht durch ein Höchstmaß an Overacting und der durchweg unsympathische männliche Cast rund um den missglückten Tom-Cruise-Clon Adam Scott (Piranha 3D) bleibt auch eher blass - und hat so natürlich keine Möglichkeit, die hundsmiserable Story zu retten.
Stundenlang könnte man sich als geneigter Filmfan mit wüster Polemik aufhalten, um das Gesehene in Worte zu fassen. Man könnte Flashmobs organisieren, um sich vor Kinos, die diesen Mist zeigen, zu treffen und das Filmplakat zu bespucken, aber helfen wird das auch nichts. Die Hochzeit unserer dicksten Freundin ist nun einmal passiert, und die Fliege ist ertrunken.