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Ang Lees Leinwandversion des Hulk-Comics setzt nicht nur auf Action und Spezialeffekte, sondern legt etwas mehr Tiefgang an den Tag.
Das Zusammentreffen von Regisseur Ang Lee und Marvels Comic-Figur Hulk ist gleichermaßen ungewöhnlich wie interessant. Denn obwohl der Regisseur mit seinen bisherigen Filmen Sense and Sensibility, The Ice Storm und Tiger & Dragon eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, dass er die unterschiedlichsten Themen und Genres nahezu problemlos wie eindrucksvoll verarbeiten kann, so schien er zumindest in gewisser Weise für dieses Projekt ungeeignet. Doch angesichts der Tatsache, dass es sich bei Hulk um einen eher atypischen Marvel-Helden handelt, scheint die Wahl eines vermeintlich ungeeigneten Regisseurs nur konsequent. Denn bei Hulk handelt es sich nicht um einen "klassischen" Superhelden, der seine übermenschlichen Kräfte oder Fähigkeiten bewusst für die gute oder gerechte Sache einsetzt (siehe Spider-Man oder Daredevil), sondern um eine tragische Figur, die zum unkontrollierbaren grünen Monster wird, sobald sie gereizt wird.
An der Länge von 138 Minuten lässt sich bereits erahnen, dass Ang Lee kein kurzweiliges und actionlastiges Popcornkino im Sinn hatte, sondern versuchte, etwas mehr aus der Thematik zu machen. Entsprechend lange lässt er das Publikum zappeln, ehe er seinen Hulk das erste Mal in Aktion zeigt. Davor beschäftigt er sich ausgiebig mit den beiden Hauptfiguren Bruce Banner (Eric Bana) und Betty Ross (Jennifer Connelly), sowie den anderen beteiligten Personen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei selbstverständlich auf Bruce Banner oder besser gesagt Hulk. Nachdem dessen Kindheit und Jugend im virtuos inszenierten Zeitraffer beleuchtet wurde, befinden wir uns in der Gegenwart und begleiten ihn und Betty Ross bei ihren Forschungsarbeiten mit Gammastrahlung. Im Zuge ihrer Forschungen kommt es dann zu einem folgenschweren Unfall, der Bruce Banner schließlich mit der zweifelhaften Gabe segnet, bei gereiztem Gemüt zum unkontrollierbaren grünen Monster zu werden.
Eine weitere tragende Rolle im Film nehmen die Väter der beiden Hauptfiguren ein. Sie arbeiteten auf einer Forschungsstation in der Wüste zusammen, als ihre Kinder noch kleiner waren. Außerdem zeichnen sich beide dadurch aus, dass sie ein gestörtes bzw. gar kein Verhältnis zu ihren Kindern haben. David Banner (Nick Nolte) war wie sein Sohn im Bereich der Genforschung tätig und führte einen verheerenden Selbstversuch durch, der Veränderungen hervorrief, die auf Bruce übertragen wurden. General Ross (Sam Elliott) steckte David Banner auf Grund der Versuche ins Gefängnis und beobachtet nun mit großer Sorge, dass seine Tochter mit dessen Sohn zusammenarbeitet. Die eben skizzierten Verhältnisse bzw. Konflikte zwischen den Vätern und Kindern spielen im Film eine zentrale Rolle und bilden das dramatische bzw. tiefgründige Gegengewicht zu den Actionsequenzen.
Diese übernehmen aber erst in der zweiten Filmhälfte die Oberhand und bieten ein paar beeindruckende Kampfszenen zwischen Hulk und ein paar Mutanten-Hunden sowie dem Militär. Letztgenanntes verschleppt den unter dem Codename "Angry Man" firmierenden Hulk aus Gründen nationaler Sicherheit auf eine Hochsicherheitsbasis in die Wüste, wo er selbstverständlich ausbüchst, um dann mit Panzern, Hubschraubern und Kampfjets gejagt zu werden. Für Kenner der TV Serie aus den 70er bzw. 80er Jahren, deren Hulk-Darsteller Lou Ferrigno ein Cameo spendiert bekam, dürfte bei den Wüstensequenzen überraschend sein, dass sich Hulk springend fortbewegen kann und nicht nur durch die Gegend watschelt.
Visuell ist Regisseur Ang Lee das gelungen, woran es den bisherigen Comic-Verfilmungen fehlte: dem Comic-Flair. Um diesen aufkommen zu lassen, benutzte er Split-Screen Techniken, bei denen er teilweise zwei Personen an unterschiedlichen Orten optisch zusammenbrachte oder verschiedene Einstellungen derselben Szene zeigte. Außerdem lies er des Öfteren scheinbar unpassende Vorder- und Hintergründe verschmelzen oder tauschte schlichtweg nur den Hintergrund aus. Für die akustische Untermalung von Ang Lees Bildern sorgte Tim Burtons Hofmusikant Danny Elfman, der wie gewohnt die passenden Töne anschlug. Alles in allem ist es Ang Lee mit seinem Hulk gelungen, einen sehenswerten und unterhaltenden Film zu schaffen, obwohl er auf Grund der Länge von 138 Minuten ein paar unnötige Durchhänger hat. Es bleibt abzuwarten, ob der Film auf Grund des Versuches eine tiefgründige Comic-Verfilmung zu schaffen, beim Zielpublikum Anklang finden wird. Denn dem jungen Publikum wird die Action im Vergleich zum dramatischen Teil definitiv zu kurz kommen. |