Er ist die Mutter aller Männerkomödien: Doris Dörries Film Männer aus dem Jahr 1985. Jetzt ist der Klassiker mit Heiner Lauterbach, Uwe Ochsenknecht und Ulrike Kriener auf Blu-ray-Disc erschienen. Eine gute Gelegenheit, sich auf eine Zeitreise zu den filmischen Anfängen des deutschen Geschlechterkriegs zu begeben.
Die Handlung ist schnell erzählt: Zwei Typen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, buhlen um die gleiche Frau. Erfolgsmensch Julius (Heiner Lauterbach) ist (noch) mit ihr verheiratet, Künstler Stefan (Uwe Ochsenknecht) schläft mit ihr. Dabei will Julius nicht tatenlos zusehen. Um die Affäre seiner Frau zu zerstören, zieht er unter falschem Namen in Stefans WG ein, in der zufällig ein Zimmer freigeworden ist. Er gaukelt ihm Freundschaft vor und macht seinem Rivalen so hinterrücks das geordnete Business- und Luxusleben schmackhaft, besorgt ihm einen Job in seiner Branche, überredet ihn zu Anzug und Kurzhaarschnitt. Es dauert nicht lang - und Stefan ist zum Yuppie geworden und erinnert Paula (Ulrike Kriener) an ihren Ex-Mann.
Regisseurin Doris Dörrie machte sich mit dem Film in der Szene als die "Männer-Frau" einen Namen, Lauterbach und Ochsenknecht gelang der Sprung vom Fernseher auf die Kinoleinwand. Männer war damals DIE Sensation für das Genre der deutschen Komödie und sorgte zeitlich noch vor Der bewegte Mann für Aufsehen. Was im Sex an the City-Zeitalter nicht der Rede wert wäre, muss damals ein kleiner Skandal gewesen sein: Lauterbach und Ochsenknecht (in ihren besten Jahren) ließen für ihre Rollen gänzlich die Hüllen fallen.
Heute würde es wohl nicht mehr gelingen, fünf Millionen Zuschauer mit einem so einfach gestrickten Plot und einem TV-Cast ins Kino zu locken. Da muss es schon ein Großaufgebot an Größen wie Til Schweiger, Christian Ulmen und Florian David Fitz sein, damit ein Film wie Männerherzen zum Kassenschlager wird. Auch die erfolgreiche Komödie von Simon Verhoeven spielt mit typischen Klischees wie dem erfolgreichen Musikproduzenten, der reihenweise Frauen abschleppt, bis hin zum unsicheren Beamten-Nerd, der sich zum ersten Mal verliebt.
In Doris Dörries Klassiker geht es allerdings um etwas mehr als den Vergleich von zwei Stereotypen: Hinter den Klischees Business-Yuppie und (Lebens-)Künstler stecken zwei unterschiedliche Lebenskonzepte, die am deutlichsten in den Dialogen der beiden zur Geltung kommen.
Für Julius ist Stefan "ein Abräumer". "Männer wie du riskieren nichts - weder im Beruf noch privat", sagt er. "Sie vernaschen verheiratete Frauen, die in einer Krise stecken." Ja, auf den ersten Blick ist Stefan ein beneidenswerter Kerl. Er macht sein Ding, hat keine Verpflichtungen, muss sich nicht anpassen - und kommt gut an bei den Frauen an. Doch schnell muss er feststellen, dass er für Paula nur "der Clown" ist, "der Mann vom anderen Stern". "Sie kommt zu mir, so wie ins Kino", sagt er und heult sich bei Julius aus, der heimlich triumphiert, aber Mitgefühl heuchelt. Für Paula ist Stefan die Erholung von dem Leben, das sie angeödet hat. Er ist eine willkommene Abwechslung, aber nicht der Kerl, mit dem sie ihr Leben verbringen möchte.
Schnell zeigt sich, dass Stefan diese Rolle nicht auf Dauer beibehalten kann, wenn er Paula fest an sich binden will. Die Rollen werden getauscht: Auftakt ist die Schlüsselszene, in der sich Julius eine Gorilla-Maske aufsetzt, weil er als neuer Mitbewohner unter falschem Namen nicht von seiner Frau enttarnt werden will. Albern hüpft er mit der Maske um den Frühstückstisch herum - zum Ärger von Stefan und zum Vergnügen von Paula. Julius' Plan geht auf: Er selbst wird zum alternativen "Clown" mit Dreitagebart, der plötzlich Bilder malt und die Frauen begeistert, während Stefan zum spießigen Workaholic avanciert, frei nach dem von Julius geprägten Motto "Ein Mann ist, was er macht." Angepasst sind am Ende beide und jeder bekommt sein Fett weg - ist ja klar. Auch wenn die Handlung vorhersehbar ist, so ist der Film seiner Zeit doch deutlich voraus.
Wer sich also für die Geschichte der deutschen Filmkomödie interessiert und wissen will, an welchem Film sich all die Schweiger- und Schweighöfer-Filme von heute orientieren, der sollte den Klassiker Männer gesehen haben.