Der Film von Robert Altman gibt sich auf den ersten Blick als reine Militärklamotte, entpuppt sich jedoch durch seine hintergründige Zurschaustellung der Absurdität des Krieges als einer der vielleicht intelligentesten Antikriegsfilme schlechthin. Der Cast um die beiden Topstars Elliot Gould und Donald Sutherland spielt seine Rollen ebenfalls nahezu perfekt. Doch leider verhindert die nicht ganz rund wirkende Dramaturgie letztlich doch, dass Altmans Werk vollends überzeugen kann.
Für 100.000 Dollar verkaufte Autor Richard Hooker die Filmrechte an seinem vier Jahre zuvor erschienenen Roman M.A.S.H. an den Produzenten Ingo Preminger. Preminger sah in dem umstrittenen Buch und der Tatsache, dass sich Militärkomödien in dieser Zeit einer hohen Beliebtheit erfreuten, die Chance auf einen Kassenschlager. Sehr problematisch entpuppte sich für Preminger dabei allerdings die Suche nach einem Regisseur, der das Ganze in Szene setzen sollte.
Nachdem 15 Regisseure (!) das Drehbuch wegen der nicht zu übersehenden bissigen Anspielungen auf den Vietnam-Krieg "zu heiß" fanden und daher ablehnten, konnte mit dem damals noch relativ unbekannten Robert Altman letztlich doch noch ein geeigneter Filmemacher unter Vertrag genommen werden. Dieser unübersehbare Biss entsteht hier jedoch nicht durch einen direkten Angriff auf die Kriegspolitik der Vereinigten Staaten, sondern gerade dadurch, dass jegliche direkte Attacke strikt vermieden wird.
Die Schrecken des Kriegs werden nur am Rande thematisiert. Zerrissene Leiber auf dem Operationstisch und blutende Soldaten sind immer nur als kurze Unterbrechung des Partyspaßes eingeflochten. Gerade durch dieses latente Vorhandensein von Schrecken und Tod entfaltet M.A.S.H. seine wirkliche Wirkung, welche den Krieg als rein selbstzerstörerischen Prozess, in dem es nichts zu gewinnen gibt, und den Partyspaß als einen tragischen Versuch, die Situation zu ertragen, entlarvt.
Doch so sehr dieses Konzept zu Anfang aufgeht und so sehr die Gags die Spielzeit über auch immer wieder zünden mögen, so sehr krankt der Film auch gerade an selbigem. Denn leider nutzt sich das Ganze irgendwann, spätestens jedoch nach der ersten Hälfte ab und es gibt nicht wirklich eine einsetzende Haupthandlung, die dieser Abnutzung etwas entgegensetzten könnte. Dazu kommt noch, dass das in einem Football-Spiel kumulierende Ende ebenfalls nicht wirklich befriedigend ausfällt.
Die Inszenierung Altmans hingegen kann man nur als Gelungen bezeichnen. Altman, immerhin die 16. Wahl für den Regieposten, entpuppt sich als Glücksgriff. Er setzt die gesamte Handlung in einer bedrückenden Atmosphäre in Szene und zeigt die Kriegsbrutalität abseits der rosa Brille, damit sie ihre volle schockierende Wirkung entfalten kann. Dazu lässt er keine einzige Länge aufkommen. Jede Szene sitzt hier exakt, nichts wirkt überflüssig, nichts stört den Filmfluss. Doch nicht nur Altman selbst wirkt wie die optimale Wahl, auch seine Darsteller machen ihre Sache sehr gut und erweisen sich als erstklassig ausgewählte Besetzung.
Elliot Gould (Contagion), der hier nach Die Nacht, als Minsky aufflog in einer seiner ersten Hauptrollen zu sehen ist, spielt seine Rolle als Captain John Francis Xavier "Trapper John" McIntyre, ebenso überzeugend wie seine Partner Donald Sutherland (Die Tribute von Panem - The Hunger Games) und Robert Duvall (Jayne Mansfield's Car). Man nimmt ihnen ihre nicht immer leicht zu spielenden Rollen, die zwischen Humor und Ernsthaftigkeit hin und her schwanken, hier vollends ab.
Die Highlights des Films stellen - nicht ausschließlich aus optischer Sicht - allerdings die Auftritte von Sally Kellerman (Der Preis der Schönheit) dar. Kellerman, die sich für ihren Auftritt als doppelmoralige Krankenschwester Major Margaret "Hot Lips Houlih" O'Houlihan sowohl über eine Nominierung als beste Nebendarstellerin für den Oscar als auch einen Golden Globe Award freuen durfte, merkt man ihre Spielfreude in jeder Szene mehr als deutlich an.
Letztlich ist M.A.S.H. in erster Linie ein Film geworden, der nicht jedermanns Sache sein dürfte. Doch dies soll und will er wohl auch nicht sein. Wer sich allerdings auf den derben Humor einlassen kann und hinter die vordergründig klamottige Fassade sieht, erkennt in Altmans Film einen erstklassigen Antikriegsfilm. Denn der beißende Zynismus und die bedrückende visuelle Umsetzung machen den Film zu einem einzigartigen, herrlich respektlosen Kriegsdrama. Und wäre da nicht die nicht immer rund wirkende Dramaturgie und der nur bedingt zufriedenstellende Schluss, hätte das Werk durchaus die Chance gehabt, zum besten Antikriegsfilm der Filmgeschichte zu werden.