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Die Regeln des Spiels

(The Rules of Attraction, 2002)

Durchschnittliche Redaktionswertung

84%



Inhalt

Das Leben der Studenten am renommierten Camden College besteht aus nicht viel mehr, als wilde Partys zu feiern, jede Menge Drogen zu konsumieren und sich die Nächte in fremden Betten um die Ohren zu schlagen. Mittendrin befinden sich der oberflächliche Drogendealer Sean Batemen, die jungfräuliche Lauren und der zynische Paul, zwischen denen sich ein kompliziertes Gefühlschaos entwickelt, das für allerlei Turbulenzen sorgt.

Kritik

von Thomas Brendel

Wertung Kritik

84%

Killing Zoe-Regisseur Roger Avery liefert mit seiner Adaption von Die Regeln des Spiels die bisher beste Verfilmung eines Romans aus der Feder des kontroversen Schriftstellers Bret Easton Ellis ab.

Bild aus Die Regeln des Spiels Nun hat sich also wieder einmal ein Regisseur an die Verfilmung eines Bret Easton Ellis Romans gewagt. Wie die Vergangenheit bereits mehrfach gezeigt hat, sind dessen Geschichten aufgrund ihrer komplexen Struktur und des ungewöhnlichen Schreibstils schwer zu adaptieren. Marek Kanievska (Ein heißer Coup) unternahm 1987 einen ersten Versuch mit der filmischen Umsetzung von Less then Zero, Ellis Erstlingswerk, welches er zwei Jahre zuvor im Alter von 23 Jahren noch während seines Studiums am Bennington College vollendete. Trotz des Mitwirkens von solch hochkarätigen Schauspielern wie Robert Downey Jr. und James Spader entstand dabei ein Film, der seiner Vorlage nicht einmal ansatzweise gerecht wurde. Ganze 13 Jahre zogen ins Land bis sich erneut jemand dazu durchrang, ein Werk des ungewöhnlichen Schriftstellers als Ausgangsmaterial für einen Film zu verwenden. Die Regisseurin Mary Harron (I shot Andy Warhol) versuchte sich 2000 an der Adaption von American Psycho, einem Roman der aufgrund seiner expliziten Darstellung der sexuellen und gewalttätigen Exzesse seiner Hauptfigur bis zu diesem Zeitpunkt als absolut unverfilmbar galt. Das Ergebnis konnte zwar durch Christian Bales beeindruckende Darstellung des psychopathischen Yuppies Patrick Bateman überzeugen, hatte aber inhaltlich und formal nicht mehr allzu viel mit Ellis' Roman gemeinsam.

Für die Verfilmung von Die Regeln des Spiels zeichnete sich nun jedoch erstmals ein Regisseur verantwortlich, der ganz offensichtlich etwas mit dem Stoff anzufangen wusste und der den unkonventionellen Stil des Romans nicht nur zu schätzen schien, sondern diesen auch so gut wie möglich umzusetzen versuchte, anstatt ihn einfach zu ignorieren. Roger Avary, der 1994 mit Killing Zoe sein Regiedebüt ablieferte und im gleichen Jahr gemeinsam mit Quentin Tarantino das oscarprämierte Drehbuch zu Pulp Fiction verfasste, war allein schon durch seine bisherigen Arbeiten geradezu prädestiniert für eine Zusammenarbeit mit Bret Easton Ellis. Des weiteren kam es Avary auch zugute, dass er im Gegensatz zu seinen "Vorgängern" etwa im gleichen Alter ist, wie der provokative Schriftsteller, daher also ebenfalls in den 80er Jahren das College besuchte und die Zeit, in der der Roman angesiedelt ist und alles was damit in Zusammenhang steht, selbst durchlebt hat. Dies ermöglichte dem Filmemacher natürlich einen ganz anderen Zugang zu der in Die Regeln des Spiels erzählten Geschichte. Abgesehen davon war Avary dadurch in der Lage, bei der filmischen Umsetzung auch eigenen Erfahrungen mit einfließen zu lassen. Obwohl die Verfilmung von Die Regeln des Spiels mehr Abweichungen zu seiner Vorlage aufweist als alle bisherigen Adaptionen, gelang es Avary wie keinem anderen zuvor, dem Stil des zugrundeliegenden Romans treu zu bleiben und die Essenz der Geschichte erfolgreich auf die Leinwand zu transferieren.

Im Zentrum des Geschehens stehen verschiedene überprivilegierte Studenten eines renommierten Colleges, deren Leben im Grunde daraus besteht, wilde Partys zu feiern, jede Menge Drogen zu konsumieren und Nacht für Nacht einen Vertreter des anderen oder auch selben Geschlechts flachzulegen; verzweifelte Versuche, die allen innewohnende emotionale Leere zu füllen und dem Leben zumindest kurzfristig einen Inhalt zu geben. Hauptaugenmerk liegt auf den Beziehungen zwischen dem gewissenlosen Drogendealer Sean Batemen (James Van der Beek), dem homosexuellen Zyniker Paul (Ian Somerhalder) und der grazilen Noch-Jungfrau Lauren (Shannyn Sossamon), drei Personen zwischen denen sich im Lauf der Handlung ein kompliziertes Gefühlschaos entwickelt, das letzten Endes nicht zu ordnen ist. Bei der Besetzung dieser Figuren bewies Roger Avary ein äußerst glückliches Händchen, da jeder einzelne der drei optimal in seine Rolle passt und diese auch problemlos auszufüllen versteht. Vor allem das intensive Spiel von James van der Beek ist mehr als beeindruckend. Kannte man den jungen Mann bisher nur von seiner Darstellung des profillosen Dawson Leery in der TV-Serie Dawson's Creek und einigen belanglosen Auftritten in Filmen wie Varsity Blues und Texas Rangers, alles Rollen, die ihm nicht wirklich viel abverlangten, bekam der Schauspieler in The Rules of the Attraction nun endlich die Gelegenheit, der Welt zu zeigen, was er alles drauf hat und das ist überraschenderweise nicht gerade wenig. Man kann nur hoffen, dass dies nicht der letzte Film sein wird, in dem uns der junge Schauspieler so dermaßen zu verblüffen mag. Doch auch der Rest des Ensembles kann sich sehen lassen. In kleineren oder größeren Rollen sind hier nämlich unter anderem Jessica Biel (7th Heaven), Kip Pardue (Gegen jede Regel), Thomas Ian Nicholas (American Pie), Clifton Collins Jr. (Traffic - Macht des Kartels), Fred Savage (aus der legendären Fernsehserie The Wonder Years), Clare Kramer (Buffy the Vampire Slayer) und Kate Bosworth (Blue Crush), sowie die 80er Jahre Ikone Eric Stoltz als quarzender Dozent und die beiden Altstars Faye Dunaway und Swoosie Kurtz als heuchlerisches Müttergespann zu sehen. Besondere Erwähnung verdient bei dieser Aufzählung Newcomer Russell Sams, der mit seinem kurzen Auftritt als Pauls alte Liebe Dick Jared sämtliche Register zieht und eine dermaßen geniale Darbietung abliefert, dass man sich bei seinem dramatischen Abgang für einen Moment lang wünscht, die Kamera würde ihm folgen und uns noch ein wenig mehr Zeit mit dieser faszinierenden Figur verbringen lassen.

Was Bret Easton Ellis zweiten Roman auszeichnet, ist die Schilderung der Ereignisse aus den unterschiedlichen Perspektiven aller Haupt- und auch einiger Nebenfiguren, die sich mit der Erzählung der Geschichte alle paar Seiten abwechseln und dem Leser stets ihre persönliche Sicht der Dinge präsentieren, welche sich oftmals ganz entschieden von denen anderer beteiligter Personen unterscheidet. Damit gelingt es Ellis nicht nur das Dilemma der Protagonisten, die ohne es zu merken ständig aneinander vorbei reden, auf eine äußerst geschickte Art und Weise darzustellen, sondern versetzt den Leser schließlich in eine Position, in der er nicht mehr in der Lage ist, unter den sich widersprechenden Erzählungen das tatsächlich Geschehene auszumachen. Doch bereits nach wenigen Kapiteln in dieser verwirrenden Welt der Belanglosigkeit, in der Gesichter genau so schnell verschwinden wie sie gekommen sind, beginnt man sich daran nicht mehr zu stören und schon findet man sich als Leser selbst zu einem weiteren oberflächlichen Mitspieler degradiert, der viel mehr daran interessiert ist, die Bräute auf der nächsten "End of the World Party" abzuchecken, als sich auf irgendein sinnvolles Gespräch einzulassen, vor allem weil man, ähnlich den Hauptfiguren der Geschichte, oftmals gar nicht so genau weiß, ob man seinem Gegenüber im bisherigen Verlauf der Handlung schon mal begegnet ist oder nicht.

Dies auf filmischer Ebene umzusetzen ist natürlich ein äußerst schwieriges Unterfangen, das eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Leider hat Roger Avary gar nicht erst in aller Konsequenz versucht, die verschiedenen Erzählperspektiven konträr zueinander zu inszenieren, wodurch eine interessante Facette des Romans bei der Verfilmung quasi komplett wegfällt. Um die Ereignisse im Film für das Publikum etwas weniger verwirrend aufzubereiten, wurden einige Schlüsselszenen, die im Roman bewusst widersprüchlich beschrieben sind, kurzerhand zu Missverständnissen zwischen zwei Personen oder Tagträumen einzelner Figuren umgeschrieben, so dass zumindest der von außen beobachtende Zuschauer darüber im Bilde ist, was wirklich geschieht. Der Wechsel zwischen den unterschiedlichen Perspektiven wurde bei der Adaption allerdings beibehalten und hier muss man Roger Avary ein ganz großes Kompliment aussprechen, denn die erzählerischen Tricks, die der Regisseur hierfür dutzendweise aus dem Hut zog, sind wahrlich bemerkenswert. Da hält er einfach mal die Handlung an und bewegt sich anderen Figuren folgend rückwärts auf der Zeitachse, um sich einem anderen Geschehen zuzuwenden, dass parallel zum eben gezeigten stattfindet oder zeigt in einer minutenlangen Splitscreen den Tagesablauf zweier Personen, nur um die voneinander unabhängigen Bildhälften dann am Ende eines Gespräches zwischen den beiden schließlich zu einer einzigen Einstellung zu verschmelzen.

Ähnlich wie auch der Roman erzählt der Film die Geschichte aus einer beobachtenden, ironischen Distanz. Die Regeln des Spiels ist wie alle Werke von Bret Easton Ellis ein satirischer Blick auf eine von Oberflächlichkeit und Materialismus geprägte Generation, der sich wie gewohnt nicht nur durch den Inhalt, sondern auch durch die Form des Erzählten offenbart. Da fragt man sich natürlich zurecht, ob Filmkritiker wie Roger Ebert den Sinn des Films tatsächlich begriffen haben, wenn sie hier das Fehlen einer Identifikationsfigur bemängeln, da sich bei Ellis' Geschichten eine tiefgreifende Personalisierung der Protagonisten ja aus sich selbst heraus schon verbietet. Abgesehen davon fiel es mir persönlich auch ohne das Vorhandensein einer detailliert charakterisierten Figur nicht sonderlich schwer, den Geschehnissen des Films mit Freude zu folgen, fand es sogar äußerst beeindruckend, wie Avary es verstand brüllendkomische Szenen mit unendlich traurigen zu kombinieren, die dem Zuschauer wirklich nahe gehen. Gerade hat man noch ganze fünf Minuten lang durchgelacht, als Russell Sams seine überragende One Man Show zum Besten gab und plötzlich findet man sich in einer der intensivsten Selbstmordszenen der jüngeren Filmgeschichte wieder. Im direkten Vergleich zwischen Film und Roman ist letzterer zwar zweifelsohne vorzuziehen, doch darf Roger Avary mit Fug und Recht behaupten, die bisher beste Bret Easton Ellis Adaption abgeliefert zu haben. Das scheinen die beiden genau so zu sehen, schließlich arbeiten sie bereits fleißig an ihrem nächsten gemeinsamen Projekt, der Verfilmung von Glamorama, Ellis' aktuellem Roman, der sich stärker mit der hier noch von Kip Perdue verkörperten Figur des Victor Johnson befasst. Man darf gespannt sein.

Keine weitere Wertung


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