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Die Wand

(Die Wand, 2012)

Dt.Start: 11. Oktober 2012 Premiere: 12. Februar 2012 (Berlinale, Deutschland)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 108 min Land: Österreich, Deutschland
Darsteller: Martina Gedeck (Frau), Wolfgang M. Bauer (Mann), Ulrike Beimpold (Luise), Julia Gschnitzer (Keuschlerin), Karlheinz Hackl (Hugo), Hans-Michael Rehberg (Keuschler)
Regie: Julian Pölsler
Drehbuch: Julian Pölsler


Inhalt

Eine Frau fährt mit einem befreundeten Paar übers Wochenende auf eine Jagdhütte. Als die beiden von einem Spaziergang ins Dorf nicht zurückkehren, macht sie sich auf die Suche. Dabei stößt sie auf eine unsichtbare Wand, die sie vom Rest der Welt trennt. Auf sich allein gestellt, beginnt der Kampf ums Überleben.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Die Wand hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 25%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Die Wand hat eine Wertung von 25%
Aus einem Kurzurlaub in die Berge wurde ein Endlostrip in die totale Isolation. Gefangen hinter einer unsichtbaren Wand lebt eine junge Frau als möglicherweise letzter Mensch auf Erden. Die Literaturadaption des gleichnamigen Romans gibt sich weitaus aufregender, als sie tatsächlich ist. Die Handlung ist viel zu tiefenberuhigt, um ernstlich existenzielle Fragen anzugehen oder den Zuschauer zu packen. Außer mit schönen Bergweltbildern verwöhnt Die Wand das Oberstübchen des Cineasten wenig. Dafür allein lohnt kein Kinogang.

Bild aus Die Wand Drama oder Komödie. Das sind die Genres, in denen sich die deutschen Filmemacher am liebsten bewegen. Auf dem Feld der Phantastik bleiben deutsche Produktionen hingegen weitestgehend exotische Gewächse, wie beispielsweise Die Tür oder Hell. Irgendwie lässt sich auch das österreichisch-deutsche Drama Die Wand zu diesen rechnen, das unter der Regie von Julian Roman Pölsler entstand.

Sie wollte einen Kurzurlaub in den Bergen mit einem befreundeten Paar verbringen. Gleich nach der Ankunft in der Jagdhütte brechen die beiden auf, um im Tal die im Dorf gelegene Schänke zu besuchen. Die Frau entscheidet sich, in der Hütte zu bleiben. Der Hund des Ehepaars leistet ihr Gesellschaft. Als sie am nächsten Morgen erwacht, stellt sie überrascht fest, dass das Paar von seinem Ausflug nicht zurückgekehrt ist. Begleitet von dem treuen Vierbeiner bricht sie auf, um ins Dorf zu gehen und nach dem Verbleib des Paars zu forschen. Auf dem Weg dorthin macht sie dann eine mehr als verblüffende Entdeckung: ein Hindernis, wie sie es sich in ihren bizarrsten Träumen nicht hätte ausmalen können.

Unvermittelt rennt sie gegen eine unsichtbare Wand. Eine Art Kraftfeld, das - wie sie später herausfindet - einen großen Teil der Bergwelt einschließt. Alles Leben dahinter - wie sie bei einem Blick durch ein Fernglas feststellt - scheint erstarrt. Sie nimmt an, dass in der "Außenwelt" eine merkwürdige Katastrophe alle Menschen getötet hat, schließlich sieht es danach aus, als wäre sie die einzige Überlebende hinter dem undurchdringlichen Kraftfeld, das immer, wenn etwas dagegen stößt, einen seltsamen Klang von sich gibt. Unfähig ihre Situation zu ändern, beginnt sie sich in ihrer Isolation einzurichten. Zu ihren Gefährten werden, neben dem Hund des Ehepaars, eine Kuh, die bald ein Kalb bekommt, eine Katze und ihr Junges sowie eine weiße Krähe. Sie lebt von den Vorräten in der Hütte und von den reichen Wildvorkommen in dem eingeschlossenen Areal. Irgendwann beginnt sie dann ihre Erfahrungen und Erlebnisse in einer Art Tagebuch aufzuzeichnen, auch wenn es wohl keinen geben wird, der dies jemals wird lesen können.

Pölslers Mystery-Drama - oder skurrile Robinsonade - ist die Adaption des gleichnamigen Romans der Schriftstellerin Marlen Haushofer aus dem Jahre 1963. Der Roman kann auf viele Weisen interpretiert werden, gleiches gilt sicherlich für den Film. Cineastisches und literarisches Werk sind dennoch zwei Paar Schuhe. Es gelten unterschiedliche Kriterien für die Beurteilung, und letzten Endes muss sich der Film allein schon dem Faktum beugen, dass er als eigenständiges Werk vor einem Publikum überzeugen können muss, auch ohne Kenntnis der Vorlage. Und genau das stellt das große Dilemma dar, in dem dieser Streifen gefangen ist.

Die Grundprämisse der plötzlichen Isolation als Katalysator für die Geschehnisse ist so gut oder so schlecht wie jede andere. Es ist nicht mehr als ein Kniff, die Protagonistin in eine kafkaeske Situation zu befördern. Wie allerdings damit umgegangen wird, lässt reichlich Irritationen aufkommen: Viel zu schnell arrangiert sich die namenlose Frau mit ihrer Ausweglosigkeit. Da ist wenig Aufbegehren, kein verzweifeltes Hämmern gegen dieses Nichts, dass sie eingesperrt hat und viel zu wenig ernst zu nehmender Versuch, einen Ausweg zu finden. Wer sich daran nicht stört und sich auf die weitgehend unspektakuläre Geschichte einlässt, den könnten vielleicht die Gedankengänge der Frau in den Wahnsinn treiben, die aus dem Off die Szenen kommentieren. Man könnte annehmen, dass ihr in ihrer Situation essentielle Fragen über die Welt, das Leben, das Universum und das Warum ihr das widerfahren ist, durch den Kopf gehen. Aber weit gefehlt: Man wird von naturromantischem Kitsch und Banalitäten, die mittels gequält sülziger Metaphern aufgebläht sind, geradezu zugetextet, dass man zuweilen am liebsten den Tonregler ganz herunterdrehen würde.

Wirklich gefällig zeigt sich Die Wand letztlich nur in ihren Bildern alpenländischer Panoramen. Postkartenidyllen taugen allein aber kaum, um einen Film zu legitimieren. Als existentialistisches Drama versagt der Film hingegen nahezu völlig, wobei die Ausgangsprämisse durchaus Potenzial in sich barg. Das liegt vor allem auch daran, dass ein zentrales, sich geradezu aufdrängendes Motiv kaum angetastet wird: die Frage danach, wie viel man einem Menschen nehmen kann, respektive auf wie wenig er reduziert werden kann, ohne seine Menschlichkeit einzubüßen. Ohne nennenswerte Erhellung oder Denkanstöße für spätere Diskussionen bleibt unterm Strich dann letztlich nicht mehr als ein ebenso zähes wie verlabbertes Machwerk, das während seiner gefühlt mehreren Stunden Spielzeit Depersonalisierungstendenzen höchstens beim Publikum in Gang setzen könnte.



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