Kennen Sie Tim Sander? Nein? Dieser Film zeigt, warum das so ist und noch viel mehr, warum das auch so bleiben wird. Er erzählt die Geschichte einer Wette, in der es darum geht, ob Sander es schafft, in vier Wochen eine Rolle in einem Hollywoodstreifen zu bekommen. Dabei wird dem Zuschauer schnell deutlich, dass man Tim Sander auch in Zukunft nicht allzu häufig in Film und Fernsehen zu Gesicht bekommen wird. Denn mit Sympathie und viel Talent kann der Berliner nicht aufwarten.
"Hey Tim, weißt du was cool wäre? Wenn wir alle zusammen mal einen super Urlaub in L.A. machen würden. Da waren wir doch alle noch nie. Aber blöd ist halt, dass keiner von uns Kohle hat. Da habe ich mir was ausgedacht: Du kennst doch diesen Schweighöfer. Du wettest einfach mit dem, dass du innerhalb von einem Monat eine Rolle in Hollywood bekommst und wir drehen einen Film darüber. Dann haben wir alle einen 4-wöchigen Urlaub, und die Produktionsfirma zahlt! Was für eine geile Idee, oder?"
So oder so ähnlich stellt man sich die Entstehungsgeschichte zu Tim Sander Goes to Hollywood vor. Aber wer ist eigentlich dieser Tim Sander? Sander ist Schauspieler, der seine Karriere mit einer Rolle in der Daily Soap "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" begann und damit auch gleich den Höhepunkt seines Schaffens erreicht hatte. Nach dem Ausscheiden aus der Soap tingelte er noch eine Zeit lang durch so namhafte Fernsehfilme wie Tote Hose - Kann nicht, gibt's nicht, bevor er schließlich fast vollständig von der medialen Bildfläche verschwand. Jetzt machte er sich also auf den Weg nach Los Angeles, um dort eine Wette zu gewinnen und eine Rolle in einem Hollywood-Film zu ergattern. Im Gepäck natürlich seine kettenrauchenden Freibierkumpels.
In L.A. eingetroffen, treffen sich Sander und seine Gefolgschaft erstmal mit einer Reihe halbbekannten und brutal unsympathischen Leuten. Der Grund für diese Treffen bleibt weitestgehend verborgen. Und so wird man nie erfahren, warum z. B. Ariane Sommer (laut Wikipedia angeblich Autorin, Moderatorin, Kolumnistin, Model und Schauspielerin) ihr Gesicht in die Handkamera halten darf. Natürlich darf auch der für das Thema "Deutsche in Hollywood" unvermeidliche Ralf Möller nicht fehlen, der mit ein paar unverständlich gestammelten Sätzen noch seinen Senf dazu geben darf. Weitere Highlights des Films: Das Mietauto der Jungs wird abgeschleppt, weil sie im Halteverbot standen, und sie dürfen nicht in einem Hotel übernachten, weil einer der Crew in ein Parkhaus gepinkelt hat.
An sich beschäftigt sich der Film mit einer interessanten Frage: Kann man es in 4 Wochen schaffen, eine Rolle in Hollywood zu bekommen? Aber die Aufgabe, diese Frage in einen aussagekräftigen Streifen umzusetzen, ist absolut nicht gelungen. Der Film geht nämlich schon nach 5 Minuten derart auf die Nerven, dass man am liebsten abschalten möchte. Denn aus irgendeinem Grund hat man sich eingebildet, den Streifen mit einer peinlichen und absolut unnötigen Gesangseinlage beginnen zu müssen. Anschließend geht es durch 90 spannungsfreie und wenig aufschlussreiche Minuten. Hatte man sich zumindest einige Einblicke hinter die Kulissen der amerikanischen Filmbranche erhofft, dient der Film scheinbar nur dazu, der deutschen D-Prominenz in L.A. mal wieder das Gefühl zu geben, auch wichtig zu sein. Tim Sander, der im Mittelpunkt des Geschehens steht, wirkt dabei öfter wie ein Hauptschüler auf Abschlussfahrt, als das man ihn als ernsthaften Schauspieler wahrnehmen würde. Man muss also kein großer Prophet sein, um vorherzusagen, dass man auch in Zukunft nicht mehr viel von Sander hören wird. Es sei denn, er hat noch weitere lustige Wetten in der Hinterhand. Zum Ende, damit sich jeder Tim Sander Goes to Hollywood komplett ersparen kann, noch die Antwort auf die Frage, ob Sander die Wette gewonnen hat: Ja.