Sechs Jahre nach dem ersten Teil von Silent Hill wagt ein neuer Regisseur eine Fortsetzung. Sharon ist inzwischen 18 Jahre alt und wird immer wieder von Albträumen geplagt. Irgendetwas zieht sie zurück nach Silent Hill. Fiese Monster, wilde Action und groteske Szenerien in 3D sollen überzeugen. Doch darunter leidet die Geschichte und trotz des Schweinsgalopps durch den Horror tut sich eigentlich nicht viel. Angesichts der stilisierten Animationen geraten die Schauspieler in den Hintergrund - sowohl die alten Bekannten wie Sean Bean als auch neue Gesichter wie das von Matrix-Amazone Carrie-Ann Moss.
Gerade erst sind Sharon und ihr Vater Harry in den neuen Ort gezogen. Unter dem Namen Heather soll die inzwischen 18-Jährige wie jede andere in ihrem Alter in die Schule gehen und ein unauffälliges, aber friedliches Leben führen. Doch so einfach ist das nicht: Sharon plagen Albträume und düstere Visionen, in denen sie an furchteinflößende Orte geführt und von skurrilen Figuren verfolgt wird. Als dann auch noch Harry verschwindet und die blutige Aufschrift an der Wand sie dazu auffordert, nach Silent Hill zu kommen, beschließt Sharon, sich ihrem Schicksal zu stellen. Mithilfe ihres neuen Mitschülers Vincent macht sie sich auf den Weg in das unheilvolle Städtchen, in das es sie schon so lange zieht. Dort muss sie sich Dingen stellen, die ihre bisherigen Albträume noch übersteigen.
Die ascheberieselten Straßen, der daraus entstehende Nebel, die gespenstische Stille und schließlich die Unheil verkündende Sirene, bevor sich die Welt verändert - wer einmal das gruselige Videospiel "Silent Hill" von Konami gespielt hat, der vergisst das einmalige Setting nicht mehr. Umso gemischter waren die allgemeinen Fangefühle, als 2006 eine Verfilmung der inzwischen zehn Teile umfassenden Survival-Horror-Videospielreihe ins Kino kam. Konnte das was werden? Die Meinungen gingen auseinander, doch angesichts des zweiten Teils, der nun auf der großen Leinwand startet, kommt der sechs Jahre alte Versuch, das Spiel adäquat abzubilden, zu neuen Ehren. Als "ganz ordentlich" und "respektabel" wird er bezeichnet, um ihn von Silent Hill Revelation 3D abzugrenzen. Was das für den Nachfolger bedeutet, ist leicht zu erraten: Er fällt größtenteils durch beim Videospiel-geprägten und Horror-erfahrenen Publikum.
Ist das gerechtfertigt? Zunächst zur Handlung: Der zweite Teil knüpft zunächst nahtlos an Teil 1 an, gleichzeitig bedient er sich einer Menge Motiven aus dem 3. Teil der Videospiele. Sharon ist fast erwachsen und heißt nun Heather. Im Spiel ist eine junge Frau mit gleichem Namen die Protagonistin, mit der es natürlich auch hier etwas auf sich hat. Im Film hat Harry alles versucht, seine Adoptiv-Tochter von allem fernzuhalten, was mit Silent Hill zu tun hat, dennoch zieht es sie dorthin - dass es darauf hinauslaufen muss, ist auch nicht schwer zu erraten. Auch wenn im Filmverlauf einige Dinge geklärt oder zumindest näher behandelt werden, die im 1. Teil von Silent Hill noch unklar oder offen blieben, muss die Geschichte der Fortsetzung doch als ziemlich dünn bezeichnet werden. Dieser Eindruck entsteht auch dadurch, dass Hauptdarstellerin Adelaide Clemens vorwiegend verschreckt durch Flure und Gänge läuft. Dabei begegnen ihr allerhand Monster und Kreaturen, die zwar schauerlich sind, aber auch so skurril, künstlich und stilisiert, dass sie mit gewisser Distanz beobachtet werden können. Besonders stark kommt das beim Puppenmonster zum Tragen, einem verdrehten Etwas, das sich aus Teilen von Schaufensterpuppen zusammensetzt und so animiert aussieht, dass der Gruselfaktor flöten geht und einem Schmunzeln Platz macht.
Obwohl dem Film ein bedrohliches und unheimliches Flair anhaftet, gibt es dennoch wenige Momente, in denen man sich ernsthaft erschreckt. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Macher - mit Regisseur Michael J. Bassett an der Spitze, der 2009 das Fantasy-Abenteuer Solomon Kane vorlegte - oftmals eine Schippe zu viel drauflegen. Die Kreaturen - von der messerschwingenden gesichtslosen Krankenschwester bis zum mächtigen Pyramid Head - haben vorwiegend kurze Gastauftritte und werden von den beiden jungen und teenager-kompatiblen Helden regelrecht abgeklappert. Manchmal sind die Monster sogar nur schmückendes Beiwerk. Dabei kommen die realen Darsteller unweigerlich zu kurz. Entweder sie sind verschreckte Unterlegene oder hinterhältige Silent-Hill-Angehörige. Carrie-Anne Moss als Ordensanführerin (eine Protagonistin aus Videospiel Teil 3) ist wie die Karikatur einer Hexe. Besser trifft es da noch Malcom McDowell (der seinen Durchbruch mit einer Rolle im Film Uhrwerk Orange hatte), der als blinde Schlüsselfigur in seinen wenigen Filmminuten noch die meiste Gänsehaut verursachen kann. Man merkt, dass Bassett und seine Crew nah an den Spielen bleiben wollten. Das ist vom Prinzip her auch gut gelungen, aber einer wirklich durchdachten und überraschenden Handlung steht dieses Konzept im Wege. Um viele Kreaturen zu zeigen, entsteht eine Rastlosigkeit, die auch Sharon befällt, und sie von einem Szenario ins Nächste versetzt. Dennoch ergeben sich gewisse Wiederholungen, und das alles macht Silent Hill Revelation 3D etwas lieb- und einfallslos.
Dass der Film in 3D gedreht wurde, scheint auf den ersten Blick durchaus Sinn zu machen. Es gibt auch immer mal wieder Einstellungen, in denen die Tiefe gut zur Wirkung kommt. Aber dann gibt es auch gelegentlich Szenen, in denen übertrieben 3D-Effekte gestellt werden, nach dem Motto "Schaut mal her, die Klinge eines Messers kommt direkt auf euch zu." Das erinnert irgendwie an die ersten 3D-Realstreifen wie My Bloody Valentine, in denen noch sichtbar stolz auf den Effekt hingewiesen wurde. So etwas sollte inzwischen nicht mehr nötig sein. Der Nachfolger ist eindeutig für Silent-Hill-Fans ausgelegt. Auch wenn er Neulingen ebenso viel schaurige Unterhaltung bieten soll, ist er ohne Vorwissen ziemlich undurchsichtig. Dass Backflashs mit Bildern aus Teil 1 erst nach der Hälfte des Filmverlaufs eingeblendet werden, macht ebenso deutlich, dass nur Insider hier mitkommen. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Film für Fans eher enttäuschend. Die Liebe zur Spiel-Vorlage ist erkennbar und der Wunsch, mittels vieler Monster zu erschrecken, ebenfalls, aber das Gruseln lehrt der Film nicht. Die Hommage an die Erfolgsspiele gleicht eher einem grotesken Kunstwerk, triefend vor Künstlichkeit. Ein flüssig verlaufendes und überzeugendes Horrormeisterwerk ist aber nicht entstanden.