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Chicago

(Chicago, 2002)

Dt.Start: 27. Februar 2003 Premiere: 10. Dezember 2002 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Komödie, Krimi, Musical
Länge: 113 min Land: USA, Kanada
Darsteller: Renee Zellweger (Roxie Hart), Catherine Zeta-Jones (Velma Kelley), Richard Gere (Billy Flynn), Queen Latifah (Matron Morton), John C. Reilly (Amos Hart), Christine Baranski (Mary Sunshine), Taye Diggs (Bandleader), Dominic West (Fred Casely), Lucy Liu (Go-to-Hell Kitty), Deirdre Goodwin (June), Denise Faye (Annie), Mya (Mona), Susan Misner (Liz), Colm Feore (Martin Harrison), Sebastian Lacause (Wilbur), Marc Calamia (Hunyanks Ehemann), Patrick Salvagna (Zeitungsjunge), Joseph Scoren (Harry), Mike Haddad (Alvin Lipschitz)
Regie: Rob Marshall
Drehbuch: Bill Condon, Fred Ebb, Bob Fosse


Inhalt

Das naive Blondchen Roxie Hart erschießt ihren Liebhaber und kommt in den Knast. Ihr großer Traum ist es, als Showstar berühmt zu werden. Doch derzeit führt eine ganz andere die Schlagzeilen der Chicagoer Presse an: Velma Kelley - gefeierter Bühnenstar und zweifache Mörderin. Da kann nur noch einer weiterhelfen: der charmante Anwalt Billy Flynn.
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Kritik

Chicago hat eine Wertung von 92%
Sex, Crime und "All that Jazz" ist das Motto von Chicago. Um die Erwartungen zu erfüllen, geben Zellweger und Zeta-Jones mehr als nur ihr Bestes.

Bild aus Chicago Ladies and Gentlemen, you are about to see a story of murder, greed, corruption, violence, exploitation, adultery and treachery - mit diesen vielversprechenden Worten beginnt eines der temporeichsten Musicals der Filmgeschichte. Was den Zuschauer in den folgenden zwei Stunden erwartet, ist ein Meer aus Sex, Crime und jeder Menge Swing. Alles, was er dafür tun muss, ist sich zurücklehnen und genießen.

Rob Marshall hatte es gewiss nicht leicht, ein so erfolgreiches und einzigartiges Bühnenstück auf Zelluloid zu bannen. Doch das Resultat ist durchweg sehenswert und steht dem Vorbild in nichts nach. Dass ein paar der besten Songs weggelassen wurden, verzeiht man Marshall bereits nach dem berauschenden Einstieg mitten in "All that Jazz". Ein Feuerwerk an Sexappeal lässt den Funken bereits zu Beginn von der Leinwand überspringen. Natürlich wäre ein Musical ohne Musik nicht mal halb so gut. Deshalb haben sich John Kander und Fred Ebb schon vor fast drei Jahrzehnten aufgemacht, jazzig swingende Rhythmen zu komponieren, die eine ganze Lebenseinstellung verkörpern und da kann sich das Publikum nur sehr widerwillig auf den Kinositzen zurückhalten.

Bühne ist Bühne - und da muss man auch im Film mit begrenzten Mittel arbeiten. Was Marshall sich diesbezüglich alles hat einfallen lassen, sollte jeder live entdecken. Kann man einen Film komplett in rot-schwarz halten, ohne dass es aufdringlich wirkt? Marshall kann es auf jeden Fall. Die glamourös schillernden Kostüme vereinen sich mit grandiosen Lichteffekten zu einem surrealen Gesamtbild. Und das ist gut so. Die Grenze zwischen Sein und Schein verschwindet fast komplett. Denn das Fazit des Filmes lautet: Das ganze Leben ist ein Zirkus und alles nur Show. Rob Marshall inszeniert das Stück geschickt auf zwei Ebenen - der Realität und der Bühne. Hört sich vielleicht komisch an, ist aber eine hervorragende Taktik, die rasanten Musikstücke in eine szenische Handlung einzubetten. Durch großartig gewählte Übergänge verfließen beide Welten ineinander und was bleibt, ist ein temporeicher, atemberaubender Ausflug in das Chicago der 20er Jahre. Auf der Bühne können die Figuren nach Herzenslust ihre Träume von einem Dasein als Star ausleben, bevor sie das wahre Leben wieder einholt.

Renée rules! Davon ist man schon bald überzeugt. Spätestens aber, wenn sie Catherine Zeta-Jones nicht nur im Knast die Show stielt. Verheiratet mit "Mr. Cellophane" John C. Reilly träumt sie von einer Karriere als Showstar. Dafür geht sie auch gerne über Leichen. Obwohl Renée Zellweger mit Musical bisher wenig am Hut hatte, fühlt sie sich ungewöhnlich wohl in ihrer Rolle als männermordendes Knastpüppchen Roxie Hart. Wen stört es da, dass die ein oder andere Pirouette ein wenig aus der Achse gerät. Mit einem umwerfenden Solo à la Marilyn Monroe und einem köstlich komischen Repertoire an dümmlichen Gesichtsausdrücken ist sie einfach die Queen im Hause Cook County Jail. Aber da hat Catherine Zeta-Jones alias Velma "Ich bring mal eben meinen Mann und meine Schwester um" Kelly ein gewaltiges Wörtchen mitzureden. Mit geballter Weiblichkeit, einer hervorragenden Stimme und lasziver Bewegungskunst hat sie - zumindest in der ersten Hälfte des Filmes - die Nase vorn. Beim berauschend schön inszenierten "Cellblock Tango" zeigt die Waliserin, dass sie bei weitem mehr kann, als im knappen Kostümchen gut - und sogar verdammt gut - auszusehen. Als schillernder Vamp lässt sie nun endlich auch das Kinopublikum an ihren Tanz- und Gesangskünsten teilhaben, die bisher nur Gatte Michael Douglas bewundern durfte. Mindestens ebenso dankbar ist man Grauhaarcasanova Richard Gere für seine überraschend amüsante Leistung. In ihm ruht also doch eine wahre Rampensau, die sich jahrelang hinter meist eindimensionalen Rollen versteckte. Mit einem ironischen Augenzwinkern und viel, viel Charme legt er eine Showeinlage nach der nächsten hin. Als Staranwalt Billy Flynn razzled und dazzled er sich durch den Gerichtssaal, immer darauf bedacht, den Zuschauern eine gute Show zu bieten. Wer hätte erwartet, dass Richard Gere so dermaßen die Puppen tanzen lassen kann?

Für Musicalfreunde ist Chicago ein definitives Muss. Für alle, die sich nicht sicher sind, auch. Und sogar diejenigen, die sich mit dem Genre nicht so recht anfreunden wollen, können problemlos einen Blick riskieren. Denn Chicago ist wirklich mörderisch gut.

von Bettina Friemel


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