Bela Kiss: Prologue Poster

Film-Seite zu Bela Kiss: Prologue
Trailer zu Bela Kiss: Prologue
Poster zu Bela Kiss: Prologue
Deutsche offizielle Seite
PDF zu Bela Kiss: Prologue

Bela Kiss: Prologue

(Bela Kiss: Prologue, 2013)

Durchschnittliche Redaktionswertung

55%



Inhalt

Eine Gruppe von Twens sucht nach einem Bankraub Zuflucht in einem abgelegenen Hotel mitten im Wald, um vor der Polizei unterzutauchen. Nachdem ihnen das Verhalten des Personals merkwürdig vorkommt, beobachtet Julia einen Mord. Zunächst glaubt ihr keiner ihrer Freunde, doch dann verschwindet einer nach dem anderen. Steht entgegen aller Wahrscheinlichkeiten der Serienmörder Bela Kiss, der in den 1910er Jahren in der Nähe von Budapest wütete, damit in Zusammenhang?

Kritik

von Lutz Granert

Wertung Kritik

55%

Serienkiller-Horror aus deutschen Landen: wahrhaft selten. Und doch sieht Bela Kiss: Prologue zumeist aus wie seine US-amerikanischen Genrevorbilder. Eigentlich schade, verstellt dies doch weitgehend den Blick darauf, dass dieses Regiedebüt durchaus einige gute Ansätze zu bieten hat.

Bild aus Bela Kiss: Prologue Junge Filmemacher haben immer auch einen Kredit, wenn sie ihren ersten Lang-Spielfilm ins Kino hieven. Jüngst lief vom Filmverleih drei-freunde mit Puppe, Icke und der Dicke das Debüt von Felix Stienz im Kino, dessen eigenes Figuren-Universum er zuvor in zahlreichen kultigen Kurzfilmen etablierte. Zwar nicht perfekt, aber heiter und skurril kam sein erster 90-Minüter daher. Die cineastischen Vorbilder liegen irgendwo zwischen Aki Kaurismäki und Jim Jarmusch, wahrlich keine Leichtgewichte auf dem Regiestuhl und für Qualitätsfilme bekannt.

Ein solches Gütesiegel sucht man bei Bela Kiss: Prologue von Jung-Regisseur Lucien Förstner leider vergebens. In seinem Debüt nimmt er sich Backwood-Horror der Marke Texas Chainsaw Massacre zum Vorbild, nur um dann ihre Klischees protzig mit formalästhetischen Spielereien aufzupeppen. Die großen Vorbilder dieses Serienmörderhorrors kommen aus den USA und wurden inszeniert von John McNaughton oder eben Tobe Hooper, wirken jedoch in deutsch-ungarischem Setting reichlich lächerlich. Nicht zuletzt, weil die deutsche Kinematografie der Gegenwart gesäumt ist mit (Beziehungs-)Komödien oder Sozialrealismus, die sich entgegen des zugegebenermaßen auch unterrepräsentierten Genre-Films international einen guten Ruf erarbeitet haben.

So ist die mutigste Entscheidung, die Förstner getroffen hat, ein konsequentes Schwarz-Weiß, in das er seine auf "wahren Begebenheiten basierende" Massenmördermär getaucht hat. Das Filmmaterial steht dabei für ein zeitlich unklares Kontinuum, verströmt chronologischen Anspruch, scheitert aber abseits eines Schmalfilm-Prologs, der die historisch verbürgten Tatsachen um den titelgebenden ungarischen Massenmörder semidokumentarisch aufbereitet. Dem gegenüber stehen minutenlange Flashbacks aus den 1910er Jahren, basierend auf den fiktiven Tagebucheinträgen vom historischen Bela Kiss, der in der Nähe von Budapest heimisch und schließlich zum Mörder von 23 jungen Frauen wird, die er in mit Alkohol gefüllten Tonnen "entsorgte". Diese sind stilisiert in Superzeitlupe, zeichnen das ästhetisierte Bild eines Großstadt-Molochs, sind somit der "normalen" filmischen Erzählung, die sich noch entwickelt und entgegen dieser Ereignisse noch nicht abgeschlossen ist, enthoben. Nur wirken sie zu vollgestopft, zu sehr verliebt in sich selbst. Und trotzdem: Beide Szenenfolgen sind die Highlights von Bela Kiss: Prologue, weil sie tatsächlich einen originellen, ästhetischen Mehrwert aufweisen.

Die Haupthandlung spielt jedoch in einem Hotel mitten im Wald, wohin es unter Decknamen Fremdgeher oder - die eigentlichen Protagonisten - eine Handvoll Bankräuber auf der Flucht vor der Polizei verschlägt. Mit der Zeit häufen sich dort die rätselhaften Vorkommnisse, die Rezeptionistin Jakubec (Julia Horvath, Until Death) redet merkwürdiges Zeug und von den kriminellen Twens verschwindet einer nach dem anderen. Es stellt sich heraus, dass ein kannibalischer Metzgermeister am Werk ist, der - dem Erbe seines Vaters Bela Kiss entsprechend - stets nach frischem Blut giert, um zu überleben. Vom Hinfallen beim planlosen Wegrennen im Wald über ein final girl, welches hinter die Geheimnisse kommt, sind dabei alle US-amerikanischen Horrorfilm-Klischees mit am Start - inklusive Prüderie bei einer Dusch-Szene ohne Nacktheit und Sex mit angelassenem BH. Doch nicht nur dort, auch bei den sehr dezenten Gore-Szenen - obwohl ein Foltermeister wie aus Hostel entsprungen, Menschen zerlegt - wirkt Lucien Förstner in seinem Inszenierungsstil trotz ausgeprägten Stilwillens zurückhaltend, nahezu schüchtern, was deutsche Genre-Fans, die Freizügigeres gewohnt sind, eher enttäuscht.

Obwohl einige Holprigkeiten und Längen im Drehbuch den narrativen Fortgang von Bela Kiss: Prologue ausbremsen, trumpft Förstner in den letzten 10 Minuten mit einem gelungenen Schachzug auf. Der "echte" Bela Kiss mit der charmant-dämonischen Verführungskraft des Teufels wird eingeführt. Mehr von ihm gibt es dann in einem zweiten Teil zu sehen, worauf dieser Titel angelegt ist. Wenn Förstner darin mehr auf Suspense und den zuweilen durchschimmernden schwarzen Humor setzt, könnte dieses Projekt sehr interessant werden. Seinen Kredit hat er mit Bela Kiss: Prologue noch nicht verspielt, wenn er nun etwas weniger in der Grabbelkiste der US-amerikanischen Genreklischees wühlt.

Keine weitere Wertung


Weitere interessante Filme




Film vorschlagen
Hostel
Dt. Start: 27. Apr 2006
Vorschlag entfernen
Wrong Turn
Dt. Start: 28. Aug 2003
Vorschlag entfernen
Last House on the Left
Dt. Start: 14. Mai 2009
Vorschlag entfernen
Der verbotene Schlssel
Dt. Start: 18. Aug 2005
Vorschlag entfernen
Tdlicher Anruf
Dt. Start: 20. Mrz 2008
Vorschlag entfernen

 

© 2014 MovieMaze.de