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Dem Himmel so fern

(Far From Heaven, 2002)

Dt.Start: 13. März 2003
DVD: 23. Oktober 2003
Premiere: 01. September 2002 (Venice Film Festival, Italien)
FSK: ab 6 Genre: Drama
Länge: 107 min Land: USA
Darsteller: Julianne Moore (Cathy Whitaker), Dennis Quaid (Frank Whitaker), Dennis Haysbert (Raymond Deagan), Patricia Clarkson (Eleanor Fine), Viola Davis (Sybil), James Rebhorn (Dr. Bowman), Bette Henritze (Mrs. Leacock), Michael Gaston (Stan Fine), Ryan Ward (David Whitaker), Lindsay Andretta (Janice Whitaker), Jordan Puryear (Sarah Deagan), Kyle Smith (Billy Hutchinson), Celia Weston (Mona Lauder), Barbara Garrick (Doreen), Olivia Birkelund (Nancy), Steven Ray Dallimore (Dick Dawson), Malika Davis (Esther), Jason Franklin (Fotograf), Gregory Marlow (Reginald Carter), C.C. Loveheart (Marlene)
Regie: Todd Haynes
Drehbuch: Todd Haynes


Inhalt

Hartford, Connecticut, 1957. Frank und Cathy Whitaker führen gemeinsam mit ihren beiden Kindern ein scheinbar perfektes Leben. Doch die Idylle trügt, denn hinter den Kulissen der Familie geht es hoch her. Während sich Cathy immer mehr in den farbigen Gärtner Raymond verguckt, lebt Frank seine kürzlich entdeckte Homosexualität in einschlägigen Bars aus.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Dem Himmel so fern hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 87%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Martin Buchholz
Dem Himmel so fern hat eine Wertung von 87%
Es geht hoch her in den pretty 50s. Todd Haynes überzeugt und verzaubert mit seinem stilvollen Melodram.

Bild aus Dem Himmel so fern Am Anfang macht er uns schon ein wenig stutzig, der Titel. Wir lernen die Whitakers, unsere Protagonisten, kennen, und alles scheint so gar nicht Dem Himmel so fern zu sein. Denn die Whitakers führen ein perfektes, kleines Leben in einer perfekten, kleinen Welt. Frank Whitaker (Dennis Quaid) hat einen hochrangigen Job bei einer Elektrofirma, seine Frau Cathy (Julianne Moore) ist die perfekte Hausfrau und Mutter. Eine Reporterin der Lokalzeitung schreibt einen Artikel über Cathy, weil sie so vorbildlich ist und solche tollen Partys organisiert. Stolz verkündet Cathy, dass ihre Freundinnen sie "Mr. und Mrs. Magnatech" nennen, weil sie dem gleichnamigen, künstlichen Werbeehepaar, welches auf den Plakaten von Franks' Firma zu sehen ist, so ähnlich sind. "Mr. und Mrs. Magnatech" leben mit ihren beiden Kindern David und Janice zusammen. Der Junge interessiert sich für Football und die Eisenbahn, das Mädchen für das Ballett, beide sind höflich und guterzogen, perfekte Kinder natürlich. Bleiben noch die beiden farbigen Bediensteten zu erwähnen, nämlich die Haushälterin Sybil (Viola Davis) und der Gärtner Raymond Deagen (Dennis Haysbert), beide sehr nett und zuvorkommend. Leben tun diese perfekten Menschen in einer nicht minder perfekten Welt. 1957 war die Welt noch in Ordnung und Hartford, Connecticut, scheint in der Tat der Himmel auf Erden zu sein. Das Haus der Whitakers ist perfekt gepflegt, selten schön wirkt der Herbst; der Indian Summer mit seinen goldgelben Blättern säumt die Strassen, die Cathy mit ihrem Caravan, dem perfekten Familienvehikel, entlang fährt.

Doch, wie sollte es anders sein, es ziehen Wolken auf über dieser perfekten Welt. Zuerst ganz subtil; Cathy muss Frank von der Polizeistation abholen, es habe eine "Verwechselung" gegeben. Dann sehen wir, wie Frank eine Schwulenbar betritt. Schließlich macht Cathy den Fehler und bringt Frank etwas zu Essen ins Büro und findet ihn dort, während er einen anderen Mann küsst. Und auch wenn ein Psychiater zunächst sagt, dass "man so was heilen könne", die heile Welt der Whitakers beginnt zu wanken, und als Cathy dann auch noch Trost bei dem farbigen Gärtner sucht, ist von "Mr. und Mrs. Magnatech" nicht mehr viel übrig.

Dem Himmel so fern ist ein ruhiger Film. Die Handlung entwickelt sich zwar dramatisch, aber langsam. Der Film nimmt sich Zeit, um Charaktere und Atmosphäre zu etablieren. Man möchte fast sagen, sein Erzähltempo passt sich der Geschwindigkeit des damaligen Lebens an, wenn solche Standardisierungen, solche Klischees dem Film nicht so unrecht tun würden. Denn die Welt von damals ist in Dem Himmel so fern zwar sowohl vor wie auch hinter der Kamera stilecht in Szene gesetzt, klischeehaft wirkt das ganze nie. Es ist im Prinzip kein Film über die 50er, es ist ein 50er Jahre Film, der, aus Versehen möchte man sagen, 50 Jahre später gemacht wurde, auch wenn er von der inhaltlichen Brisanz seine alten Kollegen schon übertrifft. Aber der Reihe nach. Das Besondere an Dem Himmel so fern ist die Akribie, mit der er die 50er zum Leben erweckt. Die Ausstattung ist perfekt; von den Locations, über die Kostüme bis zu solchen Details wie den Autos und der Werbung ist alles bis ins Letzte durchgestylt. Das wirklich Außergewöhnliche ist jedoch, dass der Film auch aus filmtechnischer Sicht wie ein Film der 50er funktioniert. Alles wirkt leicht arrangiert und künstlich, ein Eindruck, den man auch bei den damaligen Studioaufnahmen hatte. Wirklich toll, und in diesem Zusammenhang auch besonders erwähnenswert ist die zurecht Oscar nominierte Kamera von Edward Lachman. Nicht nur, dass sich ein leichter Technicolor-Touch durch den gesamten Film zieht, auch die bewusst dramatisierende Beleuchtung und die langen Kamerafahrten, die Szenen sowohl etablieren wie auch inhaltliche Bezüge herstellen, sind Original 50er Jahre. Gleiches gilt für den Score von Elmer Bernstein, der in einem Maße den Inhalt des Filmes unterstreicht, wie man es in modernen Filmen nur noch selten erlebt.

Von der ersten Minute an fühlen wir uns in einem großen, amerikanischen Melodram der 50er, Douglas Sirk lässt grüßen. So gibt Regisseur Todd Haynes, der mit seinen 42 Jahren die gute, alte Zeit übrigens tatsächlich nur aus dem Kino kennt, ohne Umschweife zu, dass ihn Filme wie Imitation of Life oder der wundervolle All that Heaven allows inspiriert haben. Dem Himmel so fern huldigt diesen Filme und dieser Zeit, das wirklich Großartige ist aber, dass er dies ohne den geringsten (Unter-)Ton der Ironie tut. Ein Film, der einem beim Betrachten von Dem Himmel so fern vielleicht unweigerlich ins Gedächtnis gerufen wird, ist American Beauty. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass beide Filme nur oberflächliche Gemeinsamkeiten haben, beide schildern natürlich die familiäre Fassade und die verborgenen Probleme, die dahinter stecken. Jedoch wäre gerade der Sarkasmus von American Beauty, der unzweifelhaft dessen Reiz ausmacht, ein Todesurteil für Dem Himmel so fern, der hier ganz andere, offenere Akzente setzt. Denn auch wenn das Schicksal der Charaktere ähnlich dramatisch ist wie von das der Burnhams in American Beauty, so leben die Whitakers doch halt in den 50ern, einer viel unschuldigeren Zeit, mit ganz anderen Moralsvorstellungen. Ein Beispiel: Cathy hat sich zwar in Raymond verguckt, sie hat jedoch keinerlei sexuelles Interesse an ihm, auch wenn das nur zu verständlich wäre, denn das Sexualleben mit Frank steht auch bei Null. Aber Cathy sucht jemanden mit einer starken Schulter, jemanden der ihr zuhört, wenn sie von ihren Problemen mit Frank erzählt. Was zwischen Raymond und Cathy passiert, würde in modernen Filmen wohl nicht mal als Romanze durchgehen, in Dem Himmel so fern lässt es einem jedoch das Herz höher schlagen. In diesem Rahmen gehört das wunderbare Drehbuch mit seinen präzisen Dialogen, das Regisseur Todd Haynes selbst geschrieben hat, unbedingt positiv erwähnt. Es ist leicht, sich augenzwinkernd über eine vergangene Epoche, deren Menschen und deren Filme lustig zu machen. Eine so offene und ehrliche Reminiszenz, ein solches Denkmal zu schaffen, da gehört einiges zu. Das fantastische Ensemble tut zudem sein übriges. Alle spielen ihre Charaktere mit viel Überzeugung und verleihen ihnen ein gewisses Maß an Würde, obwohl sie doch zum Teil recht antiquierte Einstellungen verkörpern müssen. Aber auch hier schafft der Film es, nicht ins Stereotype abzudriften, die Darstellungen sind allesamt sehr real, es werden Charaktere kreiert, um die wir uns wirklich sorgen.

Und so sind nicht nur die Charaktere Dem Himmel so fern, wir sind es aus filmischer Sicht wohl auch, denn von solchen gefühlvollen Filmen wie Dem Himmel so fern sind wir heutzutage in der Regel so weit entfernt, wie die Whitakers am Ende von ihrem künstlichen Ideal, den Magnatechs.



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Dt. Start: 16. Dez 2004
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