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Magnolia

(Magnolia, 1999)

Dt.Start: 13. April 2000
DVD: 23. Januar 2001
Premiere: 08. Dezember 1999 (USA)
FSK: ab 16 Genre: Drama
Länge: 188 min Land: USA
Darsteller: Pat Healy (Sir Edmund William Godfrey), Tom Cruise (Frank T.J. Mackey), William H. Macy (Donnie "The Quiz Kid" Smith), Philip Baker Hall (Jimmy Gator), Julianne Moore (Linda Patridge), Melora Walters (Claudia Wilson), Philip Seymour Hoffman (Phil Parma), John C. Reilly (Jim Kurring), Jason Robards (Earl Patridge), Genevieve Zweig (Mrs. Godfrey), Melinda Dillon (Rose Gator), Mark Flannagan (Joseph Green), Neil Flynn (Stanley Berry), Rod McLachlan (Daniel Hill), Patton Oswalt (Delmer Darion), Brad Hunt (Craig Hansen), Chris O'Hara (Sydney Barringer), Alfred Molina (Solomon Solomon), Thomas Jane (junger Jimmy Gator)
Regie: Paul Thomas Anderson
Drehbuch: Paul Thomas Anderson


Inhalt

Der Film erzählt die Geschichten von neun verschiedenen Personen, deren Schicksale an einem verhängnisvollen Tag in San Fernando Valley alle irgendwie miteinander verwoben sind.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Magnolia hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 100%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Alexander Börste
Magnolia hat eine Wertung von 100%
Der Zufall... Eine Kraft im Universum, die nicht lenkbar, nicht greifbar ist, doch deren Ausmaße wohl schon ein jeder erfahren hat. Zufällig passiert dies, zufällig trifft man den, durch Zufall findet man sich in einer Situation wieder, von der man wenige Momente zuvor noch nichts ahnte. Einige nennen es Schicksal. In Paul Thomas Andersons Magnolia sind es gleich neun persönliche Schicksale, die miteinander verwoben sind. Alles nur Zufall? Oder ist es doch das Schicksal, das alles so lenkt, wie es will? Hochkarätig besetzt inszenierte Anderson ein tiefgründiges Meisterwerk über Menschen, die alle mehr miteinander zu tun haben, als man vermuten könnte.

Bild aus Magnolia Paul Thomas Anderson ist sicherlich eines der Ausnahmetalente Hollywoods. Bereits 1996, im Alter von 26 Jahren, machte er mit seinem Debüt Last Exit Reno auf sich aufmerksam. Zuletzt beeindruckte der Kalifornier mit dem Drama There Will Be Blood, das ihn nicht nur ein begeisterndes Presseecho bescherte, sondern auch weitere acht Oscarnominierungen einbrachte, von denen der Film schließlich zwei der begehrten Goldmänner gewinnen konnte. Kennzeichnend für seine Filme sind oft komplexe Handlungen und eine große Anzahl von Charakteren, so auch im 1999 erschienenen Drama Magnolia, welches unverdienterweise eher unbeachtet blieb.

Der Film erzählt die Geschichte von neun Menschen, deren Schicksale auf beeindruckende Art und Weise miteinander verbunden sind: Da wäre beispielsweise die verzweifelte Linda Patridge (Julianne Moore), deren todkranker Mann Earl (Jason Robards) im Sterben liegt. Zusammen mit dem Pfleger Phil Parma (Philip Seymour Hoffman) versucht sie, ihm das Sterben zu erleichtern. Dann wäre da noch Frank T.J. Mackey (Tom Cruise), ein heißblütiger Sexprediger, dessen Bedeutung in der Geschichte jedoch zunächst nicht einzuordnen ist. Oder was ist mit Donnie "The Quiz Kid" Smith (William H. Macy), dem ehemaligen Star der Sendung "What do Kids know?" vom Publikumsliebling Jimmy Gator (Philip Baker Hall)? Auch die Geschichten um die drogensüchtige Claudia Wilson (Melora Walters) und dem Polizisten Jim Kurring (John C. Reilly) sind im großen Geflecht der Handlungen eingewoben, die episodisch mit fortschreitender Laufzeit ein großes Ganzes ergeben.

Bereits die Eröffnungsszene des Filmes macht deutlich, wie wichtig der Faktor "Zufall" im Film ist. Alle Charaktere und ihre Handlungen haben irgendwie miteinander zu tun. Kein Handlungsstrang ist überflüssig, kein Charakter unwichtig, keine Szene unnütz. Dies schaffen nicht viele Werke und die, die es schaffen, sind zeitlose Meisterwerke. Ein solches philosophisches und tiefgründiges präsentiert uns Anderson, das vor Motiven und Andeutungen nicht zurückschreckt und dessen wahre Größe sich erst nach mehrmaligem Sehen offenbart. Immer wieder entdeckt man neue Details, sei es im Handeln der Charaktere oder der Betrachtung der Umgebung. Ebenso zeigt der Film, dass Tragödien vor keiner Gesellschaftsschicht halt machen. Egal ob drogenabhängige junge Frau oder strahlender TV-Star: Menschliche Dramen spielen sich in jeder Gesellschaftsschicht ab. Und oft haben diese mehr miteinander gemein als angenommen. Anderson behandelt Themen, wie Hass, Gier, Verzweiflung und Tod, die sich gerne hinter strahlendem Scheinwerferlicht verstecken. Oder eben hinter der nächsten Ladung Kokain. Doch immer wieder beginnt die Fassade zu bröckeln und es entlädt sich ein Sturm der Gefühle, der all die Lügen und Abgründe überwindet und die hässliche, aber ehrliche Fratze der Wahrheit offenbart. Dies sind dann die Momente, in denen die längst kaputten, aber verdrängten, Welten in neuem Licht erstrahlen und die Fassade einstürzt. Höhepunkte einer genialen Charakterzeichnung, exzellent ausgearbeitet vom Regisseur und Drehbuchautor und ebenso wunderbar gespielt von einer erstklassigen Darstellerriege.

Julianne Moore (Die Stadt der Blinden), Jason Robards (Philadelphia), Philip Seymour Hoffman (Glaubensfrage), Tom Cruise (Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat), Philip Baker Hall (Insider), William H. Macy (Final Call), John C. Reilly (The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit) und Melora Walters (Unterwegs nach Cold Mountain). Dies ist nicht etwa das Staraufgebot aufgeteilt auf zwei oder drei Filmen, sondern ein Auszug aus der beeindruckenden Besetzungsliste von Magnolia. Und jeder einzelne der Darsteller liefert eine grandiose Leistung ab. Egal, ob Julianne Moore als verzweifelte Linda Patridge, William H. Macy als gealteter und erfolgloser, einsamer Kinderstar oder Tom Cruise, der sich in seinen Szenen als Sexprediger wie in einer Art Trance zu befinden scheint. Die schauspielerischen Leistungen sind auf einem Topniveau. Cruise wurde 2000 sogar in der Kategorie "Bester Nebendarsteller" bei der Oscarverleihung nominiert, ging jedoch leer aus. Dafür gab es einen Golden Globe für die Rolle, ebenfalls als bester Nebendarsteller. Einmal mehr zeigt Cruise, dass hinter seiner kontroversen Person ein klasse Schauspieler steckt. In kleinen Auftritten sind außerdem Alfred Molina (Spider-Man 2) und Thomas Jane (Der Nebel) zu sehen.

Bereits die Laufzeit von drei Stunden ist für ein Drama ungewöhnlich hoch. Doch jede der genau 181 Minuten sind bei diesem Film von entscheidender Bedeutung. Jede Sekunde ist wichtig, um überhaupt so eine hohe Anzahl tiefgehender Charaktere zu zeichnen. Niemals wirkt der Film langatmig oder gar langweilig. Jede Szene hat ihre Bedeutung und ihre Berechtigung. Mit fortschreitender Laufzeit nimmt die geniale Charakterzeichnung Formen an und führt das Gewebe aus Haupt- und Nebenhandlungen zu einer großen Haupthandlung zusammen. Magnolia ist einer dieser Filme, der einen packt und nicht mehr loslässt. Ein überaus tiefgründiges, philosophisches und exzellent inszeniertes, geschriebenes und gespieltes Meisterwerk von Paul Thomas Anderson, der einmal mehr sein Talent unter Beweis stellte. Weniger als die Höchstwertung wäre beleidigend für einen Film, der zeitlos, kritisch und ehrlich zugleich ist.



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