Will - Folge deinem Traum ist in erster Linie ein Fußballmärchen. Der Traum eines kleinen Jungen, einmal das Finale des größten Fußballvereinspokals der Welt zu sehen, strotzt auf den ersten Blick nur so vor Klischees. Lässt man diese allerdings außen vor und gibt dem Film eine faire Chance, wird man mit einem Feelgoodmovie und ganz viel Fußballromantik belohnt.
So viele Sportfilme es auch gibt, ist der Fußball hier immer noch unterrepräsentiert. Dies kommt vermutlich nicht zuletzt durch die geringe Popularität in den USA. Großbritannien jedoch beschäftigt sich auch in aufwendigen Produktionen immer wieder mit der "schönsten Nebensache der Welt" - ob nun in Goal und seinen Fortsetzungen die Karriere eines einzelnen Spielers oder in Filmen wie Hooligans und The Football Factory die Fankultur beleuchtet wird. Im deutschen Kino setzt man eher auf kindgerechte Unterhaltung im Stile der Wilden-Kerle-Filmreihe.
Will - Folge deinem Traum hingegen ist, auch wenn die Geschichte es vermuten lässt, kein klassischer Kinderfilm. Bis auf wenige Ausnahmen wird auf Humor zum Brüllen verzichtet. Im Vordergrund steht die Liebe zum Fußball - oder besser gesagt zum FC Liverpool - eines kleinen Jungen. Bereits in den ersten Bildern wird klar, dass Will das Leben im Waisenhaus nur durch das Zeichnen von Fußballsituationen aushält. Natürlich ist auch sein ganzes Zimmer in den Farben der "Reds" getaucht.
Das Verhältnis zu seinem Vater wird nur angedeutet, da dieser bereits nach kurzer Filmzeit verstirbt. So liegt der Fokus von Anfang an auf dem Finale in Istanbul, das Liverpool 2005 nach einem 0:3-Rückstand in einem grandiosen Spiel nach Elfmeterschießen noch für sich entscheiden konnte. Das Spiel an sich spielt für den Film eine untergeordnete Rolle, sodass keine der Spielszenen im Film zu sehen ist. Entscheidend ist die Reise des kleinen Jungen, der mithilfe seiner Freunde die Karten ergattert und aus dem Waisenhaus fliehen kann.
Da sein Vater kurz vor seinem Tod eine Wette platziert und gewonnen hat, hat Will genug Geld, um quer durch Europa zu reisen. Auf seiner Tour lernt er nicht nur andere Liverpool-Fans kennen, sondern auch Alek, der seine ganz eigene Vergangenheit mit dem runden Leder hat. Natürlich bleibt auch in England sein Verschwinden nicht unbemerkt, doch anstatt sich zu sorgen, fiebert das ganze Land mit dem Jungen mit, der alles riskiert, um das große Spiel sehen zu können.
Perry Eggleton macht in seinem Spielfilmdebüt in der Rolle des Will eine außerordentlich gute Figur. Er spielt den Jungen, der zwischen Fußballbegeisterung und der Verarbeitung des Todes seines Vaters schwankt, sehr glaubwürdig. Damian Lewis bekommt als Vater zwar eher wenig Screentime, löst dies aber ordentlich. Auch Bob Hoskins kann als Wettanbieter und gleichzeitiger Freund des Vaters überzeugen. Einzig Kristian Kiehling wirkt in der Rolle des Alek ein wenig unbeholfen. Was auch daran liegen mag, dass seine Hintergrundgeschichte im Film derart konstruiert und deplatziert wirkt, dass wohl niemand sie vermisst hätte. Ein richtiger Fußballfilm wäre natürlich nichts ohne den Auftritt von echten Stars, und so geben sich die Liverpool-Größen Jamie Carragher und Steven Gerrard die Ehre, den Film für alle Fans der "Reds" zu einem Pflichtprogramm zu machen.
Leider lässt der Film verschiedene Klischees, allen voran die Vorgeschichte von Alek, um seiner Rolle mehr Dramatik zu verleihen, nicht aus. Ob nun die kriminellen Jugendlichen in Frankreich, Schwarzmarkttickets oder die Suche der Polizei nach Will - so gut die Reise des kleinen Will auch läuft, es geht natürlich schief, was schief gehen kann. Was dazu führt, dass sich der Film, gerade im Mittelteil, etwas zieht, jedoch nie so weit, dass richtige Langeweile aufkommt. Dennoch wird gerade nicht-fußball-affinen Zuschauern das Ganze etwas zu gekünstelt wirken. Wer allerdings selbst glühender Fan ist und sich gerne an die eigene fußballbesessene Kindheit erinnert, wird mit Will - Folge deinem Traum wunderbar unterhalten und sich zudem freuen, dass dem Genre des Fußballfilms mal wieder ein würdiger Vertreter geschenkt wurde.