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Drachenmädchen

(Drachenmädchen, 2012)

Durchschnittliche Redaktionswertung

65%



Inhalt

Das chinesische Kampfkloster "Shaolin Tagou" zählt mehr als 26.000 Schüler. Viele müssen sich erst daran gewöhnen, ihren Alltag nach den strengen Vorschriften zu leben. Während die neunjährige Xin Chenxi auf den ersten Platz bei den diesjährigen Meisterschaften hofft und die 15-jährige Chen Xi eine der besten Kämpferinnen der Welt werden will, fühlt sich die 17-jährige Huang dem Druck in der Schule nicht mehr gewachsen. Sie verlässt die verhasste Schule und will nie wieder zurückkehren.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

65%

Kung-Fu bedeutet übersetzt so viel wie "harte Arbeit". In den Kampfkunstschulen Chinas wird das überaus deutlich. Eine erfolgreich absolvierte Kung-Fu-Ausbildung gilt als Eintrittskarte für viele Berufe oder auch für eine Karriere als Schauspieler, wovon die meisten Schüler träumen. Für die Mehrheit wird das ein Traum bleiben. Die Protagonistinnen dieser Dokumentation sind junge Mädchen, die von morgens bis abends in der größten privaten Kung-Fu-Schule Chinas einen knallharten Drill über sich ergehen lassen, in der Hoffnung, eines Tages ein besseres Leben führen zu können. Drachenmädchen liefert einige interessante, teils auch irritierende Einblicke in diese Maschinerie, erweckt allerdings auch den Eindruck, vielerorts nur die Oberfläche angekratzt zu haben.

Bild aus Drachenmädchen Die asiatischen Kampfkünste, wie Kung-Fu, Karate, Tae-Kwon Do und viele andere, standen bei uns im Westen nicht immer so hoch im Kurs wie es heutzutage der Fall ist. Noch in den 1970ern waren Martial-Arts-Movies meist billigste Massenware aus Hong-Kong, in der Regel B- und C-Filme, die nur bei wenigen hartgesottenen Fans ein hohes Ansehen genossen. Das Image dieser Künste in der Gesellschaft war dementsprechend nicht viel besser. Allenfalls Judo, als olympische Disziplin, genoss einen guten Ruf. Wer zu dieser Zeit einer Kampfsportart nachging, wurde zudem nicht selten gleich als Schläger eingestuft.

Die Zeiten haben sich glücklicherweise geändert. Inzwischen genießen sogar viele der Streifen aus dieser Zeit, so wie Drunken Master, Die 36 Kammern der Shaolin oder Der Knochenbrecher, einen regelrechten Kultstatus. Kampfkunst-Ikonen wie Bruce Lee, Jackie Chan oder Jet Li haben viel zu diesem Imagewechsel beigetragen, jedoch auch solche Filme mit einem pädagogisch-philosophischen Inhalt wie die klassische Karate Kid-Trilogie aus den 1980ern. Was hierzulande aber dem Sport, der Freizeitbeschäftigung oder der inneren Vervollkommnung dient, ist in China eine überaus ernste Angelegenheit.

Die Dokumentation Drachenmädchen des Filmemachers Ingo Westmeier gewährt Einblicke in die größte private Kampfkunstschmiede Chinas, gleich neben einem altehrwürdigen Shaolin-Kloster, das als Aushängeschild dient. Bis zu 35.000 Kinder und Jugendliche trainieren dort unter knallharten Bedingungen. Mit Talent, viel Fleiß und Disziplin werden sie vielleicht eines Tages Topathleten sein. Falls sie durch das harte Training vorher nicht schon verschlissen sind. Die Creme de la Creme unter den Absolventen wird sich eines Tages in Eliteeinheiten von Polizei und Militär wiederfinden, in Shaolin-Shows die Welt bereisen und internationalen Ruhm erwerben können; und ganz wenige werden zu Filmstars aufsteigen - vielleicht sogar in Hollywood, wie ihre großen Idole.

Davon träumt beispielsweise auch die neunjährige Xin Chenxi, die sich bereits seit zwei Jahren dort aufhält und trainiert. Ihr Vater, der 1400 km entfernt lebt, arbeitet hart, um die umgerechnet 300 Euro zu verdienen, die die Schule im Jahr kostet. Der Unterricht beginnt um 5.40 Uhr. Um diese Zeit müssen die Kinder bereits auf dem Übungsplatz stehen. Frühstück gibt es später, danach wieder Training. Der ganze Tag ist rigoros durchgeplant. Private Zeit bleibt den Kindern bestenfalls in den zwei Stunden vor dem Einläuten der Nachtruhe, und die beginnt schon um 20.30 Uhr.

Einige Kinder klagen, dass es sehr wenig Freizeit gibt, vermissen ihre Eltern und geben zu, dass sie heimlich weinen. Andere geben sich stark, wollen nicht zeigen, dass sie unter den Entbehrungen und der Einsamkeit leiden. Und sie alle wollen keinesfalls versagen. Nicht nur wegen der Enttäuschung, die ihre Angehörigen und Lehrer dadurch erfahren würden. Ob noch Kinder oder als Erwachsene, das sind Menschen einer anderen Erziehung und Kultur. Versagen bedeutet Gesichtsverlust, und das heißt wiederum Schande.

Nicht das Kung-Fu an sich liegt aber im Fokus von Drachenmädchen, obwohl auch davon reichlich Impressionen eingefangen werden. Vielmehr sind es die menschlichen (kindlichen) Schicksale in einem System aus unbarmherzigem Drill, von dem letzten Endes nur eine Minderheit wirklich profitieren wird. Trotz der vielen persönlichen Statements der Kinder und Trainer oder auch ehemaliger Schüler, darunter solche, welche die Schule abgebrochen haben, scheint der Film jedoch letzten Endes an einigen Stellen nicht tief genug einzusteigen; mag auch sein, dass es aus speziellen Gründen nicht ging.

Westmeiers Film liefert mit Sicherheit interessante Einblicke. Dazu gehören sowohl imposante Massenaufnahme, die belegen, wie sehr in diesen Ausbildungsstätten auf Gleichschaltung Wert gelegt wird, als auch verstörende Momente, in denen kleine Mädchen ihre Narben vergleichen. Schließlich können auch stumpfe Übungswaffen Wunden schlagen. An einigen Stellen hätte man sich dennoch mehr gewünscht; wie die kommerziellen Zusammenhänge zwischen dem Kloster als "Außenwerbung" und der Kung-Fu-Schule aufzuzeigen. Ebenso die geraubte Kindheit der Protagonistinnen mehr in den Mittelpunkt zu Rücken oder das Mehrklassensystem, das innerhalb solcher Schulen existiert, abhängig von dem, was die Eltern zahlen können. Das haben zum Teil schon manche TV-Dokus mitunter besser gelöst.

Keine weitere Wertung


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