Aus den unterschiedlichen Versionen des Märchens Hans und die Bohnenranke zusammengemischt, erzählt Jack and the Giants die abenteuerliche Geschichte der Befreiung einer Prinzessin aus den Fängen von Riesen und deren Wunsch, die Menschheit zu unterwerfen. Das Ergebnis ist ein vielseitiger und äußerst sympathischer Action-Märchenfilm, der seine Zuschauer des Öfteren ins Staunen versetzt. Mit seinen wunderschönen Ideen und dem rasanten Tempo, bietet er durchgängig gute Unterhaltung und wird insgesamt den Erwartungen gerecht.
Bryan Singers Filmographie ist zweifellos vielseitig: Nach seinem ersten erfolgreichen Spielfilm Die üblichen Verdächtigen von 1996, der auch gleich mit zwei Oscars ausgezeichnet wurde, folgten unter anderem Der Musterschüler, die durchaus gelungenen ersten beiden X-Men-Filme, Superman Returns und Operation Walküre. Nun bringt er mit Jack and the Giants ein gewaltiges Projekt, dessen Produktionskosten über 190 Millionen Dollar betragen haben sollen, in die Kinos. In den USA legte das 3D-Spektakel leider einen schwachen Start hin, der Erinnerungen an den desaströsen Flop John Carter wach werden ließ. Doch das amerikanische Desinteresse an Jack and the Giants lässt sich nur schwer nachvollziehen, denn Singer gelang ein wunderbares, actiongeladenes Märchen, das über die komplette Spielzeit rasante Unterhaltung bietet und einfach Spaß macht.
Die Geschichte basiert auf dem Märchen Hans und die Bohnenranke, von dem es zahlreiche Varianten gibt. Das Märchen eines britischen Autors, das im Original den Titel Jack and the Beanstalk trägt, scheint momentan in Mode zu sein: So floss es vor gar nicht allzu langer Zeit auch schon in den Shrek-Ableger Der gestiefelte Kater mit ein. Die für Jack and the Giants angepasste Version der Geschichte folgt in ihren Grundzügen klassischen Märchenkonventionen: Da gibt es den Jungen aus der Unterschicht, der die Prinzessin retten soll, den machtgierigen, intriganten Fiesling, gigantische Ungeheuer, bedrohte Königreiche und alles, was sonst noch dazu gehört. Die Geschichte ist dabei nicht immer frei von Logikfehlern. So darf man sich durchaus fragen, warum man die Welt der Riesen an wolkenlosen Tagen nicht von unten sieht oder was mit dem Wasser passiert, das aus einem Wasserfall von der schwebenden "Rieseninsel" fließt - um nur einige Beispiele zu nennen. Doch bei einem Märchen sind derartige Details keine großen Störfaktoren.
Die CGI-Technik ist nicht auf dem allerneuesten Stand, aber insgesamt sehr ordentlich. Aus der Reihe fällt dabei die durchgängig animierte Anfangssequenz, die aussieht, wie aus längst vergangenen Videospielzeiten. Entweder entstand diese viele Jahre zuvor oder die altbackene Grafik war beabsichtigt; in jedem Fall ist sie erst einmal abschreckend. Spätere Aufeinandertreffen mit den Riesen und vor allem die finale Schlacht sind jedoch echte Kinoerlebnisse und machen auch optisch einiges her. Zudem strotz der Film vor liebenswerten und originellen Ideen. Ob nun Ewan McGregor, der herrlich souverän einen eitlen Ritter spielt, als Würstchen im Schlafrock vor einem überdimensionierten Backofen liegt oder Riesen mit brennenden Bäumen nach Soldaten werfen - das Potenzial einer Geschichte mit bösen, martialischen Riesen und physisch unterlegenen Menschen wurde vorbildlich ausgenutzt. Desweiteren ist Jack and the Giants zweifellos einer der Filme, die durch den 3D-Effekt sehr gewinnen. Die 3D-Optik sieht insgesamt sehr gut aus und ist besonders in den Schlachten eindrucksvoll.
Jack and the Giants ist ein runder, faszinierender Film, der durchgehend spannend und actionreich unterhält. Dabei wurden einige schöne Ideen umgesetzt und bei all dem Effektspektakel die Geschichte nicht vernachlässigt. Somit ist er ein ganz klarer Tipp für das Kinojahr 2013.