Mit seinem Experiment, einen Film nahezu ohne erkennbaren Schnitt zu inszenieren, beweist sich Alfred Hitchcock einmal mehr als der Meister des Suspense. Eine gute Geschichte und ein hervorragend aufspielendes Ensemble machen den Rest um Cocktail für eine Leiche zu einem erstklassigen Kriminal-Drama.
Alfred Hitchcock gilt bis heute als der uneingeschränkte Meister des Suspense. Mit seinem ersten Farbfilm Cocktail für eine Leiche nahm sich Hitchcock die filmische Umsetzung eines rund zwanzig Jahre zuvor uraufgeführten Theaterstücks vor. Doch im Gegensatz zu den üblichen Verfilmungen von Theaterstücken ersann Hitchcock hier ein interessantes Experiment, das den Eindruck erweckt, als sei der Film in Echtzeit in einer einzigen Einstellung gedreht worden.
Zwar stellt sich die Frage nach dem Sinn, einen Film exakt wie ein Theaterstück aussehen zu lassen, allerdings kann man das Experiment dennoch als geglückt bezeichnen. Denn Hitchcock beweist, dass er die filmischen Mittel nicht voll ausschöpfen muss, um einen Film in Szene zu setzen, der eindeutig seine Handschrift trägt. Allein die Handlung, auf die man sich hier voll konzentrieren kann, beinhaltet sein übliches Maß an Suspense.
Auch wenn die Fragestellung, ob sich der perfekte Mord begehen lässt, unter anderem in Barbet Schroeders Mord nach Plan oder Richard Fleischers Der Zwang zum Bösen thematisiert werden, setzt sich die Handlung in Cocktail für eine Leiche durch ihr interessantes Konstrukt deutlich ab. Denn Hitchcock geht es bei der Frage nach dem perfekten Mord nicht um das Verschwindenlassen einer Leiche oder die Schaffung eines Alibis, ihm geht es schlicht um die Frage, wie sich die Schlinge letztlich doch um die Mörder zuzieht.
Um diese Frage spannend zu beantworten, war es notwendig, die Handlung von guten Darstellern tragen zu lassen. John Dall gibt hier als Mordinitiator Brendon einen herrlich arrogant-schleimigen Psychopathen ab, der sich vor anderen berühmten Hitchcock-Killern nicht zu verstecken braucht. Dall gibt dabei von Anfang an eine derart hassenswerte Figur ab, dass man es gar nicht erwarten kann, zu sehen, wie er letztlich scheitert.
Der von Farley Granger gespielte Mordpartner Philip gibt den perfekten Gegenpart zu dem rhetorisch geschickten vor Selbstbewusstsein überschäumenden Brendon. Granger spielt seine im Laufe der Spielzeit immer mehr zerbrechende Figur ebenfalls wirklich überzeugend.
Auch wenn der Film ganz klar den beiden Killern gehört, erweist sich der restliche Cast um den Kassenmagneten James Stewart, der später zusammen mit Hitchcock noch in Das Fenster zum Hof, Der Mann, der zu viel wusste und Vertigo zusammenarbeitete, als gut besetzt. Doch gegen die beiden erstklassig aufspielenden Killer hat nicht einmal ein Darsteller von der Qualität James Stewarts eine Chance, weshalb das Ensemble im Laufe der Spielzeit immer weiter in den Hintergrund der Betrachtung rückt.
Letztlich ist Cocktail für eine Leiche ein spannender Krimi, der sich in einem ungewöhnlichen Look präsentiert. Die Darsteller, allen voran Farley Granger und John Dall, machen ihre Sache ebenfalls gut, weshalb das Werk von Alfred Hitchcock mit Sicherheit zu den besten des Genres zu zählen ist.