MovieMaze-Home
NewsFilmeChartsStarsTrailerWallpaperPosterForumSpecialsSuche
filmarchivaktuell im kinovier wochen vorschaucoming soonpodcastsuche

  
 

Film-Seite zu Wer die Nachtigall stört
PDF zu Wer die Nachtigall stört

Wer die Nachtigall stört

(To Kill a Mockingbird, 1962)

Dt.Start: 28. Juni 1963 Premiere: 25. Dezember 1962 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 129 min Land: USA
Darsteller: Gregory Peck (Atticus Finch), John Megna (Dill Harris), Frank Overton (Sheriff Heck Tate), Rosemary Murphy (Miss Maudie Atkinson), Ruth White (Mrs. Dubose), Brock Peters (Tom Robinson), Estelle Evans (Calpurnia), Paul Fix (Richter John Taylor), Collin Wilcox Paxton (Mayella Violet Ewell), James Anderson (Bob Ewell), Alice Ghostley (Stephanie Crawford), Robert Duvall (Arthur 'Boo' Radley), William Windom (Horace Gilmer), Crahan Denton (Walter Cunningham Sr.), Richard Hale (Mr. Nathan Radley)
Regie: Robert Mulligan
Drehbuch: Horton Foote


Inhalt

In Macomb, einem kleinen Städtchen im Süden der USA, verbringen die Geschwister Jean Louise und Jem Finch im Jahr 1932 den vielleicht aufregendsten Sommer ihres noch jungen Lebens. Während die lebhafte Jean Louise ihre ersten konfliktreichen Schultage meistern muss und zusammen mit ihrem Bruder und dem gemeinsamen Freund Dill die unheimliche Nachbarschaft erkundet, wird ihr Vater Atticus, seines Zeichens Rechtsanwalt, mit einem heiklen Fall betraut: Durch seine Verteidigung des schwarzen Tom Robinson, der der Vergewaltigung einer weißen Farmerstochter beschuldigt wird, zieht Atticus den Groll der Gemeinde auf sich und bringt sich selbst in Gefahr.
Shopping-Box
DVDs zu Wer die Nachtigall stört Amazon-Shop
zum Film
Merchandising zu Wer die Nachtigall stört Poster & Merchandise
zum Film
Wer die Nachtigall stört bei eBay Artikel bei eBay
zum Film
Wer die Nachtigall stört bei Billiger.de Preisvergleich
für den Film


Kritik

Wer die Nachtigall stört hat eine Wertung von 90%
In Robert Mulligans "To Kill a Mockingbird" von 1962 kämpft Gregory Peck als letzte Bastion der Gerechtigkeit für das Leben eines Schwarzen inmitten einer von Rassenhass geprägten Gesellschaft.

Manche Filme schaffen es eine derart prägnante Aussage selbst zu einem komplexen Themengebiet zu treffen, dass man selbst nicht mehr viel hinzuzufügen hat. Retrospektivisch größtenteils aus der Sicht der zur Handlungszeit sechsjährigen Jean Louise Finch (eine bezaubernde Mary Badham) erzählt, handelt es sich bei der filmischen Adaption des Pulitzerpreis-prämierten Romans Wer die Nachtigall stört von Harper Lee um das Thema Gerechtigkeit. Der kleine Wirbelwind, von den meisten einfach "Scout" genannt, lebt zusammen mit ihrem vier Jahre älteren Bruder Jem, dem gemeinsamen Vater Atticus (für diese Rolle mit dem Oscar ausgezeichnet: Gregory Peck) und der schwarzen Haushälterin Calpurnia in Macomb in Alabama. Viele der dortigen Einwohner verdienen ihr Brot als Farmer, doch die soziale Lage ist aufgrund der wirtschaftlichen Depression alles andere als rosig, um die Finanzen von Scouts Familie ist es dank der Anwaltstätigkeit des Vaters glücklicherweise nicht ganz so schlecht bestellt. Für Scout, Jem und ihren Freund Dill Harris ist die ganze Welt ein großes Abenteuer, überall gibt es neues zu erkunden und aufregende Dinge zu erleben, insbesondere fühlen sie sich von dem geheimnisumwitterten Arthur "Boo" Radley magisch angezogen, einem geistig zurückgebliebenen jungen Mann, der das Haus seines Vaters nie verlässt und über den die wildesten Gerüchte kursieren.

Das unbeschwerte Leben der Finchs ändert sich, als Atticus die Verteidigung von Tom Robinson (Brock Peters) übernimmt, eines Schwarzen, und sich in der Folge gegen eine Flut von Ressentiments und Anfeindungen seitens der Gemeinde erwehren muss. Im offensichtlich unschuldigen Robinson, der sich an der weißen Mayella Ewell vergangen haben soll, finden die Bürger von Macomb den geeigneten Sündenbock, auf den sie ihren Hass und Ärger über die allgemein schlechte Lebenssituation abladen können; einzig und allein Atticus steht ihnen hierbei noch im Weg. Die erste spontane Neugier der Kinder weicht schnell einem ehrlichen Interesse an dem Fall, der ihre naive Weltsicht und die vom Vater vermittelten Vorstellungen von Gerechtigkeit zum ersten Mal wirklich erschüttert, ist es doch für sie, zu deren Erziehung die schwarze Calpurnia einen maßgeblichen Beitrag leistet, kaum verständlich, was an einer unterschiedlichen Hautfarbe so verurteilenswert sein soll. Doch der Apfel fällt auch in diesem Fall nicht weit vom Stamm, und so beweist der Nachwuchs von Atticus im Kampf gegen ungerechtfertigte Vorurteile enorme Zivilcourage; in ihrer Schlüsselszene schafft es Scout gar durch geschickte Manipulation ihren Vater vor einer wütenden Meute zu retten und so schlimmeres abzuwenden.

Regisseur Robert Mulligan, dessen übrige Arbeiten wie z.B. Summer of '42 (1971) oder The Man in the Moon (1991) kaum die Aufmerksamkeit erhielten, die seinem vermutlich besten Film zuteil wurde, leistet insbesondere bei der Inszenierung der jungen Darsteller Mary Badham und Philip Alford (Jem Finch) erstaunliches. Sofort fühlt man sich als Zuschauer an die eigene Kindheit erinnert, als der naheliegende Wald noch die große weite Welt bedeutete und das heimliche Ausspionieren des Nachbarn den ultimativen Adrenalinkick versprach. Lob verdient hier auch die Kameraführung von Russell Harlan, der es durch äußerst clevere Aufnahmetechniken and Blickwinkel versteht, die Unternehmungen der Kinder mit einer Spannung aufzuladen, dass es beinahe schon einem Thriller gleichkommt. Einen recht ungewöhnlichen Bruch erfährt der recht dynamische Erzählrhythmus mit der nahezu halbstündigen Gerichtsverhandlung, die damit gut ein Viertel der Gesamtspielzeit ausmacht und bei der das Hauptaugenmerk zum ersten Mal komplett auf Atticus liegt und die Kinder kaum in Erscheinung treten. (Eine interessante Variante dieser Gerichtsverhandlung findet sich übrigens in Pleasantville (1998) von Gary Ross.)

Wer die Nachtigall stört zeigt uns die klassische Konfrontation eines selbstlosen und idealistischen Mannes mit einer fehlerhaften (Un-)Rechtsprechung, dessen Urteile weniger von der Wahrheit als von der allgemeinen Stimmung und Furcht abhängen. Ein Verständnis für Gerechtigkeit, das zeigt der Film ganz deutlich, ist hier keine Frage des Alters, sondern der inneren Einstellung und Aufgeschlossenheit, und wenn Bob Ewell, der Vater der vermeintlich vergewaltigten Mayella, Atticus Finch nach der Verhandlung verächtlich ins Gesicht spuckt, wird einem klar, dass es zwar immer wert sein muss auch entgegen aller Vorurteile für Gerechtigkeit zu kämpfen, dass für diese Mühen aber nicht immer Ruhm und Ehre zu erwarten sind, nur weil man auf der richtigen Seite steht.

Eine leicht ironische Ebene erhält Wer die Nachtigall stört durch die Tatsache, dass am Ende eine gewisse ausgleichende Gerechtigkeit durch jemanden erreicht wird, der für Scout und Jem lange so etwas wie der Tom Robinson der Gesellschaft war. Eine fremde Person, über die man außer den dubiosen Gerüchten selbst nichts weiß, vor der man sich aber ungerechtfertigterweise trotzdem fürchtet, weil das Unbekannte oft viel angsteinflößender ist als die tatsächliche und manchmal recht harmlose Wahrheit dahinter. Wer die Nachtigall stört steht so als ein wunderbares Plädoyer für die Überwindung der Angst als ein kleiner Beitrag für mehr Gerechtigkeit, der heute mindestens so angebracht ist wie vor 40 Jahren.

von Daniel Bund


Weitere interessante Filme




Film vorschlagen
Men of Honor
Dt. Start: 10. Mai 2001
Vorschlag entfernen
Die 12 Geschworenen
Dt. Start: 14. Aug 1957
Vorschlag entfernen
Manderlay
Dt. Start: 10. Nov 2005
Vorschlag entfernen
 

© 2010 MovieMaze.de