Mit seiner zweiten Regiearbeit hat Kurt Wimmer bewiesen, dass er ein Auge für gelungene Action-Szenen hat. Doch nicht nur das, denn Equilibrium überzeugt durch seine tiefgründige Story, welche zwar nicht ganz neu ist, aber dennoch sehr gut in Szene gesetzt wurde. Damit nicht genug, liefert Christian Bale auch hier wieder eine grandiose Leistung ab und trägt den Film nahezu alleine auf seinen einzelkämpferischen Schultern. Alles in Allem haben wir es hier mit einem mehr als sehenswerten Film zu tun!
Nach dem dritten Weltkrieg ist der Menschheit klar, dass man einen Vierten kaum überleben wird und so beschliesst "Vater", der Diktator der Zukunft, die Eliminierung jeglicher Gefühle. Jeder Bürger muss jeden Tag den Emotionsunterdrücker Prozium schlucken; Kunst oder Vergnügen sind verboten. Wer dagegen verstösst, wird von so genannten Klerikern mitleidlos eliminiert. Als Oberkleriker John Preston eines Tages selbst das Prozium absetzt, kommt der bislang so eiskalte Killer ins Grübeln und gerät so selbst ins Fadenkreuz des von ihm bisher beschützten, herzlosen Regimes. Was folgt, ist zwar ein altbekanntes "Einer-Gegen-Alle"-Schema, jedoch wird es hier in einer derart dichten Atmosphäre serviert und mit visuellen Leckerbissen bestückt, dass es eine wahre Freude ist!
Ähnlichkeiten zu Matrix oder Minority Report sind nicht von der Hand zu weisen. Und dass die Handlung an Klassiker wie Fahrenheit 451 erinnert, bestreitet auch niemand. Trotzdem ist Equilibrium ein wahrer Leckerbissen! Schon in der Anfangsszene wird einem klar, dass man hier etwas Besonderes sieht: der Kleriker John Preston - wie immer grandios gespielt von Christian Bale (bekannt aus Batman Begins) nimmt an einer Reinigungsaktion gegen einen Rebellen-Unterschlupf teil. Während dieser Anfangssequenz erhalten wir einen ersten, kleinen Eindruck davon, was diese Kleriker für Fähigkeiten haben: John erledigt den Kern des Unterschlupfs im Alleingang. Dies können Kleriker aber nur aufgrund einer neuen Kampfsportart genannt Gunkata, bei welcher Pistolen als Verlängerungen der Arme fungieren und der Kämpfer es dabei schafft den statistisch wahrscheinlichsten Flugbahnen der gegnerischen Kugeln auszuweichen. Gleichzeitig wird mit den eigenen Waffen versucht einen geometrisch grösst-möglichen Raum abzudecken. Allein schon die Szenen, welche diese Technik beinhalten, machen den Film sehr sehenswert!
Auf darstellerischer Ebene handelt es sich hier nahezu um eine One-Man-Show, welche Christian Bale mit seiner Darbietung des Ober-Klerikers problemlos zu meistern vermag. Er schafft es in jeder Szene seine Zweifel und innere Zerrissenheit zu visualisieren. Doch auch alle anderen Darsteller - allen voran überraschenderweise Taye Diggs als "Partner" von John Preston - liefern eine gute bis sehr gute Leistung ab, was dazu führt, dass die ganze Geschichte sehr glaubhaft und realistisch erscheint.
Die Filmmusik ist auch hervorragend eingesetzt, und vor allem die Action-Szenen sind sehr gut mit Up-Tempo-Nummern untermalt worden. Ansonsten wird hier durch den Score eine ähnliche Stimmung, wie in Minority Report - wobei auch gleich die Farbgebung des gesamten Films hiervon übernommen wurde - ausgestrahlt, was sehr passend ist.
Kurt Wimmer hat hier nicht nur eine solide, sondern sogar umwerfende Leistung abgeliefert: er spielt mit Schnitten, Beleuchtungen und Winkeln, dass es eine wahre Freude ist! Vor allem gefällt, dass Szenen mit schnellen Schnitten nicht die Logik zerstört haben, wie es bei vielen anderen, neueren Filmen der Fall ist. Man darf gespannt sein, ob er nach dem Totalausfall Ultraviolet wieder zu seiner alten "Equilibrium-Form" zurückfinden wird.
Equilibrium ist ein tolles Action-Sci-Fi-Martial-Arts-Spektakel, das sich keinesfalls hinter Blockbustern, wie Matrix zu verstecken braucht. Es wird einem alles geboten: von der interessanten Handlung über die sehr guten schauspielerischen Leistungen bis hin zur atemberaubenden Action. Wer diesen Film nicht gesehen hat, ist selber schuld!