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The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit

(The Hours, 2002)

Durchschnittliche Redaktionswertung

85%



Inhalt

Ende der 40er Jahre plant die schwangere Hausfrau Laura Brown eine Party für ihren Ehemann. Anfang des neuen Jahrtausends macht Clarissa Vaughn selbiges für ihren an AIDS erkrankten Freund. Beide Frauen haben ein Faible für Virginia Woolf und deren Werke. Doch dies sind nicht die einzigen Parallelen zwischen den zwei Geschichten.

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The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit

Kritik

von Janis El-Bira

Wertung Kritik

85%

Das Leben als eine Odyssee des Schmerzes, die den Lebenden dazu zwingt, sie zu lieben, oder zu sterben: Drei Frauenfiguren, eine von ihnen die Schriftstellerin Virginia Woolf, stehen in Stephen Daldrys neuem Film am Scheitelpunkt dieser Wahl.

Bild aus The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit "A woman's whole life in one day. Just one day. And in that day, her whole life." (Nicole Kidman als Virginia Woolf in The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit)

Es ist das kurze Bild eines Flusses, mit dem Stephen Daldrys neuer Film öffnet. In der Poesie, Literatur, Malerei und Filmkunst haben Flüsse eine beträchtliche Anzahl symbolhafter Bedeutungen: Zu allermeist ist es jedoch die des Lebens an sich. In The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit wird der Fluss aber durch den gleich zu Beginn des Films stattfindenden Suizid der Hauptfigur in ihm auch zu einem Bild des Todes und dessen unentwirrbarer Verbundenheit mit dem Leben. Es scheint, als ließe sich der gesamte Film durch die Eigenschaften eines Flusses beschreiben: Irgendwo entspringt er, wird freudig geboren, bahnt sich dann seinen Weg und mündet schließlich in irgendeinem Gewässer, einem Meer. Der Fluss stirbt, aber seine augenfälligste äußere Form, das Wasser, hört nicht auf zu existieren - bloß das Fließen, die Windungen, das Fortbewegen wird nun eingebettet in die große Masse Meer. Die Flüsse der drei Frauenfiguren aus The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit sind versiecht und doch fließen ihre Wässer gemeinsam in einem gewaltigen Ozean, der ihnen nie der Platz für sie zu sein scheint, und dem sie doch nicht entkommen können. Eine Wahl wird ihnen nicht gelassen - sie existieren entweder in ihrem Kosmos, oder entscheiden sich, zu sterben. Und wenn sie sich zu leben entschließen, was können ihre Gründe sein, und welche Schuld lasten sie damit auf sich?

The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit ist in vielerlei Hinsicht der bewegendste und tapferste amerikanische Film des vergangenen Jahres. Bewegend, weil ihm so viel quälende Gefangenschaft und Brecht'sche Auswege, die nicht genutzt werden, innewohnen; tapfer, weil es ein äußerlich so erzklassischer Hollywood-Starfilm ist, dass es ungemein wagemutig erscheint, daraus einen derart rein emotional bestimmten und von Sehnsüchten getriebenen Film zu schaffen. Er ist eine Elegie, in seiner Leidenschaftlichkeit ja gar fast eine Ode auf das Leiden am Menschsein, voller Gefühlsgewalt, Todesstreben und Verlustgefühlen. In einem bestechend ruhigen Bildrhythmus entfaltet Daldry einen hypnotischen Strudel des Schmerzes, an dessen Ausgang der Tod steht. Oder schlimmer noch: Der verweigerte Tod; die Unmöglichkeit, zu sterben. Daldrys Charaktere leiden und wenn sie den erlösenden Gang in die Dunkelheit nicht antreten, so sind in der Regel nicht sie selbst der Grund dafür. The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit wirkt manchmal ein wenig wie Bergman - jedoch ohne den Hass, die abstoßend auftretenden Figuren und mit der Hinzufügung einer einzigen, bei Bergman ausbleibenden, Lösungsdimension jenseits des Sterbens: Dem Akzeptieren; dem getrübt lächelnden Hinnehmen des Leidens; der Liebe für das Leben, für das, was es trotz allem sein kann.

Der zeitlich früheste der drei Handlungsstränge von The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit spielt in den 20er-Jahren und betrachtet das Leben von Virginia und Leonard Woolf, deren Beziehung so tragisch und doch schon darin poetisch zu sein scheint: Es ist Leiden, das Virginias Arbeiten definiert. Ihr eigenes Leiden, kanalisiert in die Bücher, die sie schreibt - die einzige Möglichkeit für sie, sich in den Rahmen von Kunst und Poesie und nicht in denen von Krankheit und Behandlung zu artikulieren. Doch bei Virginia Woolf sind diese Elemente ihres Lebens nicht trennbar, und so erscheint es fast lächerlich, wenn ihre Schwester zu ihren Kindern in einer Szene sagt, dass Virginia sich sehr glücklich schätzen müsse, da sie schließlich zwei Leben führe: Das ihrer selbst und das ihrer Bücher. Virginia Woolf führt keine zwei Leben. Es ist nicht so, dass das, was in ihren Büchern stünde, "abgeschaltet" werden könnte, wenn sie die Feder aus der Hand legt und das Tintenfass schließt. Vielmehr führt sie ein einziges Leben, das sich auf zwei Ebenen ausdrückt: Eine ist das Hören von imaginären Stimmen und das Durchleben von "Blackouts"; die andere ist die des Paraphrasierens und Übertragens von Abschnitten ihrer Zustände auf das Distanzierte, nämlich auf die Figuren ihrer Bücher. Nicole Kidmans Interpretation dieser Rolle brachte ihr nicht zu Unrecht einen Oscar ein: Äußerlich fragil und gleichzeitig mit von einer von der Krankheit nur vage überdeckten Aggression tritt Kidman als Woolf auf; bringt Perspektiven ihrer Figur oft mehr allein durch ein bestimmtes Neigen ihres Kopfes, als denn durch Worte hervor. In Kidmans Augen spiegeln sich endlose Eindrücke, die durch den Wahnsinn wie mit einem dünnen Schleier umhüllt scheinen. All ihr Kampf, ihre Schmerzen und die schier unbegrenzte Finsternis ihres Daseins mag manchem wie eine Typisierung der gequälten Dichterseele vorkommen, ist aber letztlich nur eine um das Bewusstsein um die Trostlosigkeit erweiterte, explizit ausgedrückte und überhöhte Form der Gefühlswelten der beiden anderen Hauptcharaktere des Films.

Laura Brown, prägender Charakter der "zweiten" Episode, ist eine typische Hausfrau in den amerikanischen "suburbs" der frühen 50er-Jahre: Eine geduldige Mutter eines Kindes und schwanger mit dem nächsten, mit einem sie liebenden Mann, einigen Freunden, und einem ruhigen, scheinbar ausgeglichenen Leben. Doch irgendetwas wohnt in Laura Brown - irgendetwas, dessen Ursprung weder wir, die Zuschauer, noch der Film selber uns näher bringen will. Die rothaarige, unscheinbare Frau, die Virginia Woolfs "Mrs. Dalloway" liest, lebt in einer mit aller Macht unterjochten Traurigkeit; vielleicht evoziert durch die sie überkommende Leere ihres Lebens, die Angst davor, einmal mit allem und doch ohne Glück dazustehen. Als ihr liebenswerter Mann ihr und ihrem kleinen Sohn einmal beim Abendessen erzählt, wie schüchtern und einsam Laura war, als er sie während des Krieges kennen lernte, trifft es uns, dass sich doch eigentlich seitdem nichts geändert hat - allenfalls die Umstände, in denen diese Schüchternheit, Einsamkeit und Trostlosigkeit jetzt von Neuem vegetiert wird. Der Zustand der "Liebe" zu ihrem Ehemann wird symbolisiert durch eine Torte, deren Backen nicht gelingen will. Als ihr kleiner Sohn Laura fragt, warum sie "Daddy" zum Geburtstag eine Torte backen, antwortet sie nur, dass sie dies täten, um ihm zu zeigen, dass sie ihn lieben. "Otherwise he wouldn't know we love him?", fragt der Junge. Lauras schlichtes "Yes" sagt mehr über sie und ihre Ehe, als es viele, viele Dialoge könnten. Laura Brown, deren Figur ein wenig an Julianne Moores zweite große Rolle des letzten Jahres, in Todd Haynes' Meisterwerk Dem Himmel so fern erinnert, begibt sich auf eine leise, quasi bewegungslose Suche nach einem Funken Glück, doch dieses löst sich schnell in panische Angst vor dem Verlust auf, wenn sie erfährt, dass ihre Freundin Kitty ins Krankenhaus muss, ohne zu wissen, was wirklich auf sie zukommen wird. Es sei alles Routine heißt es. Doch was ist schon sicher? Allein die Furcht vor der möglichen Unabwendbarkeit des Todes ihrer Freundin reicht für Laura Brown, sich an den Rand des Selbstmords zu bewegen. Doch wenn ihre Hand über ihren gewölbten Bauch fährt, wird der Rand breiter, und sie entdeckt die Schuld, die ihr frei gewähltes Sterben nach sich ziehen würde. Wenn sie das Leben wählt, begibt sie sich wieder hinein in die Spirale der Trostlosigkeit, weil ihr keine Wahl bleibt. Sie bleibt nicht für sich selbst am Leben, sondern für ihr ungeborenes Kind, und wird dadurch zu einer ähnlich depressiven, in sich selbst eingesperrten Figur, wie die beiden Charaktere der gegenwärtigen Episode von The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

New York, 2001: Die Redakteurin Clarissa Vaughan plant ein ausschweifendes Fest zu Ehren ihres AIDS-kranken Freundes, des Dichters Richard, der für sein Lebenswerk mit einem bedeutenden Preis ausgezeichnet werden soll. Doch das Planen dieser Feier gestaltet sich als schwierig, wenn sie in ihren Gesprächen mit Richard erfährt, wie wenig er davon überzeugt ist, dass er diesen Preis wegen seiner Arbeit, als denn vielmehr wegen seines Überlebens erhält. "Mrs. Dalloway" nennt Richard seine ehemalige Geliebte, und spielt damit darauf an, wie sie ihr Leben auf ihn und nicht auf sie selbst fixiert hat, und wie sie versucht, die "Trivialität" ihres eigenen Seins durch Festrausche zu übertünchen. "Mrs. Dalloway, always giving parties to cover the silence", sagt er ihr in einem nicht vorwurfsfreien Tonfall. Schnell wird erkennbar, dass beide nur füreinander leben, und das in einer fast grotesken, vermeintlichen Abhängigkeitssituation: Richard, um sie nicht der Leere ihres "normalen" Lebens auszuliefern; Clarissa, weil sie in der Fürsorge für Richard versucht, ihren Lebensinhalt zu sehen, und Glück zu finden. "People stay alive for each other", meint Clarissa mit einer Stimme, die bei diesem Satz nicht fern einer gewissen Verzweiflung ob Richards schonungsloser Ehrlichkeit im Umgang mit den essentiellen Fragen ihrer beiden Leben ist. Ein Satz aus dem Wahrheit und zugleich eine endlose Traurigkeit spricht. Wie wenig erfüllt muss ein Leben sein, das um seiner selbst Willen nicht mehr gelebt werden braucht? Wenn Richard dann beginnt, Clarissa auf seinen Tod vorzubereiten, wird auch dem Zuschauer schnell deutlich, dass damit auch das "Schicksal der Mrs. Dalloway gelöst werden muss", wie Virginia Woolf in einer Szene beim Schreiben ihres berühmten Werkes vor sich hinflüstert. Die Lösung dieses Schicksal kommt mit einer überwältigenden, wenn auch bitteren Katharsis im auftreten einer unerwarteten Figur gen Ende des Films: Lebe! Lebe des Lebens wegen und versuche irgendwie, es hinzunehmen!

The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit ist ein ungemein verdichteter Film, was ihn zu einer Abfolge absoluter Essenzen und damit zu keinem einfachen Film für das breitere Publikum werden lässt. Regisseur Daldry und Drehbuchautor David Hare, der den mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten, gleichnamigen Roman von Michael Cunningham vorzüglich adaptierte, stützen sich hierbei auf das ureigenste Stilmittel der Virginia Woolf - den so genannten "stream of consciousness", bei dem jede äußere Handlung verdrängt wird durch die Konditionen der Gefühle. In The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit gibt es kein wirkliches "Warum?" oder ein "Wie?", sondern das Handeln der Figuren wird allein bestimmt durch die (Irr)Wege des menschlichen Geistes. Er ist ein Klagelied tiefster Depressionen, dem es auf beeindruckende und ungemein mitnehmende Weise gelingt, reine und unabgewandelte Befindlichkeit voller Leidenschaft und Lyrik auf die Leinwand zu bannen. Das Resultat von The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit ist sicherlich keine Virginia-Woolf-Biographie und auch kein Film, der einen Entwurf von drei Generationen mit unterschiedlichen Frauenbildern kreieren will, sondern vielleicht etwas inzwischen viel selteneres: Pure Emotion.

Keine weitere Wertung


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