Sehenswertes Regiedebüt von George Clooney über das ungewöhnliche Doppelleben des Showmasters Chuck Barris.
Man stelle sich folgende Situation vor: Eine Trennwand wird zurück geschoben, zwei sich völlig fremde Menschen stehen sich gegenüber und eine Stimme ruft: "Und das ist Ihr Herzblatt!". Diese Stimme gehört Rudi Carell, der seine Kandidaten auf ein Blind Date mit dem Herzblatthubschrauber schickt. Um für Anstand und Sitte zu sorgen, wird das Paar sogar vom Showmaster persönlich begleitet. Der ist jedoch eigentlich Geheimagent bei der CIA, hat die Lizenz zum Töten und macht unterwegs hemmungslos davon Gebrauch. Rudi Carell - ein Profikiller. Schwer vorstellbar? Das dachte sich auch das amerikanische TV-Publikum Ende der 70er Jahre. Und doch könnte die unglaubliche Geschichte von Gameshow-Erfinder Chuck Barris wahr sein...
Sam Rockwell liefert als König der Unterhaltung und der Auftragsmorde eine grandiose Vorstellung. Nicht umsonst wurde er mit dem silbernen Bären für seine Leistung ausgezeichnet. In den 60er und 70er Jahren schrieb Chuck Barris mit seinen Erfindungen "The Dating Game", "The Gong Show" und "The Newlywed Game" Fernsehgeschichte. Sein Aufstieg vom Niemand zum beliebtesten Showmaster Amerikas wird von seinem Nebenjob bei der CIA jedoch überschattet. Dabei führt er nicht nur beruflich, sondern auch privat ein Doppelleben. Zu Hause wartet seine Dauerfreundin Penny, liebenswert gespielt von Drew Barrymore, geduldig auf ihn. Doch auf "Geschäftsreisen" vergnügt er sich lieber mit Femme Fatale Julia Roberts. Man begleitet Sam Rockwell durch das sehr bewegte Leben des Fernsehgenies: von einer eigentümlichen Jugend zu seinem Aufstieg in der Branche, über seine Zeit als gefeierter Star. Ein paar Morde später wird er von Selbstzweifeln und Existenzängsten geplagt und beschließt, sein Leben zu ändern.
George Clooney wußte ganz genau, warum er Sam Rockwell - und nur Sam Rockwell - für die Hauptrolle haben wollte. Denn Rockwell ist die ideale Besetzung für einen Mann, der Menschen hintergeht, öffentlich bloßstellt und sogar tötet, um selbst zu Geld und Ruhm zu gelangen. Und trotz all dem hat er die volle Sympathie des Publikums. Auch wenn Sam Rockwell bisher immer positiv aufgefallen ist, sei es in The Green Mile, 3 Engel für Charlie oder Safecrackers oder Diebe haben's schwer, nach Geständnisse - Confessions of a Dangerous Mind wird man sich seinen Namen endgültig merken.
Die äußerst ungewöhnliche Story basiert auf den "Confessions of a Dangerous Mind" des echten Chuck Barris und wurde hervorragend vom Genie des originellen Drehbuchs Charlie Kaufmann adaptiert. Wer Being John Malkovich und Adaption kreieren kann, verdient eine gewisse Erwartungshaltung, die er auch brav erfüllt. Man sieht eine Aneinanderreihung von Rückblenden und Szenen eines verwahrlost und nackt im Zimmer stehenden Mannes, begleitet von Originalkommentaren von Kollegen und Freunden des genialen Moderators. Viele Filmemacher wollten das interessante Drehbuch inszenieren. Aber nur einer hat hart genug gekämpft. Obwohl George Clooney ursprünglich gar nicht Regie führen wollte, hatte er von Anfang an eine Vision, wie man am besten an den Stoff rangehen sollte. Und so kam es, wie es kommen muß, wenn jemand vor Kreativität nur so strotzt: Clooney legte selbst Hand an. Und - was soll man sagen - dieser Mann kann einfach alles! Wenn man bedenkt, dass der ehemalige Kinderarzt mit Geständnisse - Confessions of a Dangerous Mind sein Regiedebüt feiert, kann man nur gratulieren. Man merkt, dass er wirklich was von seinem Kumpel Soderbergh gelernt hat.
Die Gameshowszenen wirken absolut 60ies, der Style schwankt zwischen Doris Day-Komödie und Der Dritte Mann, gespickt mit ein bißchen Dokumentation. Die authentische Darstellung der Fernsehshows wurde Clooney ja quasi in die Wiege gelegt. Schon früh machte er sich hinter den Kulissen zu schaffen, denn immerhin war sein Daddy Host der "Nick Clooney Show". Was für den knackigen George bisher nur Kindheitserinnerungen waren, kam ihm jetzt beim Dreh sehr zugute.
Doch wäre man nicht sehr enttäuscht, wenn der attraktive Star sein Talent ausschließlich hinter der Kamera einsetzen würde? Auf alle Fälle: ja! Zum Glück hat der liebe George selbst auch eine Rolle übernommen. Allerdings zeigt er sich diesmal von einer ganz anderen Seite: sein Gesicht versteckt er hinter einem gräßlichen Pornobalken und, was noch schlimmer ist, man bekommt es richtig mit der Angst zu tun, wenn er als eiskalter CIA-Spion über Leichen geht. Dafür hat er ein paar seiner besten Kumpels aus guten alten Ocean's Eleven-Zeiten vor die Kamera geholt, das gleicht den Verlust wieder aus.
Alles in allem ist Geständnisse - Confessions of a Dangerous Mind ein wunderbares Regiedebüt, das unterhaltsam, ungewöhnlich, interessant, spannend und hervorragend inszeniert und gespielt ist. Und falls sich jemand fragt, warum die junge Dame um Himmels Willen Bachelor Nummer 3 gewählt hat: keine Sorge, es gibt einen Grund dafür!