Die Brücke am Kwai Poster

Film-Seite zu Die Brücke am Kwai
PDF zu Die Brücke am Kwai

Die Brücke am Kwai

(The Bridge on the River Kwai, 1957)

Durchschnittliche Redaktionswertung

100%



Inhalt

Während des zweiten Weltkrieges, ein japanisches Kriegsgefangenenlager im asiatischen Dschungel: Die inhaftierten britischen Soldaten erhalten den Auftrag zum Bau einer Transportbrücke unter der Leitung ihres sturköpfigen Col. Nicholson. In der ihm zugeteilten Aufgabe findet Nicholson seinen Weg aus der sinnlosen Kriegshölle; er will die Brücke am Kwai nicht nur erbauen, er will sie auch besser machen als von den Japanern ursprünglich geplant. Während sich die Unternehmung zu einem psychologischen Duell zwischen Nicholson und seinem japanischen Pendant Col. Sato auswächst, planen alliierte Truppen die Zerstörung des taktisch entscheidenden Bauwerkes.

Kritik

von Julian Reischl

Wertung Kritik

100%

Ganz großer Klassiker des Kriegsfilms: Vielschichtige Konflikte in exotischen Settings und unter vielfach lebensbedrohlichen Umständen, eingearbeitet in einen nervenzerfetzenden Spannungsbogen, getragen von wenigstens einem Schauspielgenie und inszeniert von einem der größten Regisseure aller Zeiten. Die zugrundeliegende wahre Begebenheit verleiht dem Film um den Zwangsarbeiter-Bau einer für den Feind kriegswichtigen Brücke zusätzliche Authentizität. Pflichtfilm für Filmfans.

Bild aus Die Brücke am Kwai Während des Zweiten Weltkriegs benutzte die Japanische Besatzungsmacht im südostasiatischen Raum Kriegsgefangene für brutale Arbeitseinsätze. Das britische Bataillon von Col. Nicholson zum Beispiel findet sich nach der Gefangennahme in einem japanischen Lager tief im Dschungel Thailands wieder. Dort sollen die Kriegsgefangenen eine Brücke über den Fluss Kwai bauen, damit eine Eisenbahnlinie, mit der die Japaner Thailand mit Burma verbinden wollen, Truppen und Rohstoffe für das Kaiserreich transportieren kann.

Col. Nicholson, ein steifer britischer Soldat alter Schule, verweigert jedoch strikt die körperliche Arbeit für ihn sowie seine Offiziere. Nach der Zweiten Genfer Konvention von 1929 dürfen Offiziere nämlich nicht zur Arbeit gezwungen werden, was dem japanischen Lagerkommandant Saito jedoch ganz und gar nicht schmeckt. Schon am ersten Abend ist dieser Krieg der Willensstärke zwischen ihm und dem englischen Offizier entbrannt, und Saito will keinesfalls nachgeben.

Während die englischen Kriegsgefangenen zur Arbeit an der Brücke verdonnert werden und Col. Nicholson für seine Insubordination in brutale Einzelhaft wandert, gelingt dem Amerikaner Commander Shears, einem der Überlebenden der letzten Gruppe von Gefangenen in diesem Lager, die Flucht. Seine Reise bringt ihn, langsam aber sicher, in westlich besetzte Gebiete, wo er die Alliierten über die Arbeit an der Brücke informiert.

Doch während Shears noch lange nicht bei den Alliierten angekommen ist, stellt sich im Lager schon heraus, dass die Brücke zum Wunschtermin der japanischen Besatzer keinesfalls fertig werden wird. Col. Nicholson und seine Offiziere sind hin- und hergerissen zwischen den vielfältigen Möglichkeiten, den Bau der Brücke an vielen kleinen Stellen durchgehend zu sabotieren und so die Fertigstellung verhindern zu können, und der Option, den Japanern zu zeigen, was englische Bauingenieure so draufhaben. Er entscheidet sich für die zweite Lösung, nicht zuletzt, damit seine Leute nicht erschossen werden, wenn sie den Termin nicht halten, und sucht das Gespräch mit Saito.

Der willigt ein, und schon bald beginnt der Bau einer ordentlichen Brücke über den Kwai, mit neuen Freiheiten für die englischen Gefangenen, frischem Schwung und der Hoffnung für Saito, dass der Termin gehalten werden kann, was ihm ein verpflichtendes Harakiri ersparen wird.

Währenddessen haben die Alliierten über Shears von dem Gefangenenlager und dem Brückenbau erfahren und planen nun eine kleine Expedition an die Baustelle, um im Schatten der Nacht die Brücke zu sabotieren. Als die Brücke gerade noch rechtzeitig fertig wird, und der erste mit Soldaten und Waffen beladene Zug nur noch wenige Minuten weit weg ist, entdeckt Col. Nicholson die Sabotage und versucht, von der Leistung der englischen Baukunst geblendet, diese zu verhindern.

Ganz klar zählt Die Brücke am Kwai zu den beeindruckendsten Kriegsfilmen aller Zeiten, ausgezeichnet mit 7 Oscars findet er sich auch auf praktisch allen Must-See-Filmlisten der letzten 50 Jahre. Neben der dramatischen Entwicklung des inneren Konfliktes des Col. Nicholson, der trotz seines hohen Ranges und seiner militärischen Erfahrung nicht vor dem Stockholm-Syndrom gefeit ist, beleuchtet der Film jedoch auch eine wahre Geschichte: Der Bau der Brücke fand in ähnlicher Form (und unter weit schlimmeren Zuständen) tatsächlich statt, die Geschichte wurde 1954 von Pierre Boulle als Roman veröffentlicht.

Auch die Entstehungsgeschichte des Film ist überaus abenteuerlich: Ursprünglich sollten Humphrey Bogart und Carey Grant spielen, ersterer den Shears, letzterer den Nicholson, auch Laurence Olivier war für Nicholson im Gespräch, bevor die Wahl auf Alec Guinness fiel. Die gepfiffene Version des Colonel-Bogey-Marschs, bis heute ein Ohrwurm und oft zitiert (zum Beispiel in Spaceballs), war ein Kompromiss: Regisseur David Lean wollte die Gefangenen den Bogey-Marsch singen lassen, und zwar die im Zweiten Weltkrieg populäre Verballhornung mit dem Text "Hitler has only got one ball", was Produzent Sam Spiegel aber zu derbe fand. Man einigte sich daher auf die vielsagende, gepfiffene Variante.

Auch klappte die Sprengung der Brücke nicht auf den ersten Versuch, was bei derart monumentalen Dreharbeiten katastrophale Auswirkungen haben kann. Ebenso suchte man wochenlang fieberhaft nach wichtigen gefilmten Szenen, die offenbar verschollen waren: Sie standen in ihrer Versandkiste vierzehn Tage lang in der glühenden Hitze des Flughafens von Kairo, konnten aber noch entwickelt und verwendet werden. Als kleine Anspielung auf die britische Baukunst dürfte auch gelten, dass die Brücke am Kwai der Eisenbahnbrücke über den Firth of Forth (Baujahr 1890) sehr ähnlich sieht.

Für wahre Cineasten sind solche Entstehungsgeschichten die Butter auf dem täglich Brot und der Treibstoff für ihre Begeisterung. Doch auch weniger affine Filmgucker zollen der Brücke am Kwai den wohlverdienten Respekt, denn auch ohne die Kenntnis der wahren Grundlage ist der Konflikt des Col. Nicholson ein absolut packendes, nur zu menschliches Drama, eingepackt in einen militärischen Thriller auf höchstem Niveau. Kein Wunder, dass dieser Film von diesem Jahrhundertregisseur niemanden kalt lässt.

Keine weitere Wertung


Weitere interessante Filme




Film vorschlagen
Pearl Harbor
Dt. Start: 07. Juni 2001
Vorschlag entfernen
Die vier Federn
Dt. Start: 21. Nov 2002
Vorschlag entfernen
The Great Raid
Dt. Start: nicht bekannt
Vorschlag entfernen
Lawrence von Arabien
Dt. Start: 15. März 1963
Vorschlag entfernen
Gesprengte Ketten
Dt. Start: 29. Aug 1963
Vorschlag entfernen

 

© 2014 MovieMaze.de