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Leon - Der Profi

(Leon, 1994)

Durchschnittliche Redaktionswertung

96%



Inhalt

Als der korrupte Cop Norman Stansfield herausfindet, daß er von einem Mann, der eine große Menge Drogen für ihn aufbewahren sollte, übers Ohr gehauen wurde, löscht er dessen gesamte Familie aus. Einzig und allein die 12-jährige Tochter Mathilda entgeht dem Massaker, da sie sich zum fraglichen zeitpunkt nicht in der Wohnung befindet. Nachbar und Profikiller Léon nimmt sich dem hilfesuchenden Mädchen an und bringt ihr nach einigem Zögern die Kunst des Tötens bei.

Kritik

von Matthias Pasler

Wertung Kritik

96%

Actionthriller, Drama, Milieu- und Charakterfilm. Regisseur Luc Besson schuf mit der Geschichte vom Killer und dem Mädchen einen Genre-Mix, der bis heute einen Kultstatus innehat. Nicht ohne Grund, da das Werk auf vielen Ebenen berührt, mitreißt und auch polarisiert. Doch vor allem bleibt der Film dabei konsequent und atmosphärisch dicht.

Bild aus Leon - Der Profi Durch sämtliche Filme von Regisseur und Autor Luc Besson zieht sich deutlich eine immer wiederkehrende Thematik. Sie alle handeln von Außenseitern, Menschen am Rande der Gesellschaft, die eigentlich so gar nicht in unsere Welt zu passen scheinen. Vom Anzug tragenden Punk Fred (Subway) und der von der Regierung rekrutierten Mörderin Nikita bis hin zur historischen Johanna Von Orleans, jede dieser Figuren steht außerhalb des gesellschaftlichen Konstrukts ihrer Zeit, manchmal gewollt, aber meistens ohne eigenes Verschulden. Auch der Cleaner Léon bildet keine Ausnahme.

Dieser führt ein sinnentleertes Leben in der Großstadt New York und verdient sich sein Geld mit mehr oder weniger großen Mordaufträgen, die er von seinem väterlichen Freund Tony erhält. Léons Leben nimmt eine entscheidende Wende, als er die zwölfjährige Mathilda bei sich aufnimmt, deren Eltern von korrupten Drogenpolizisten getötet wurden. Das Mädchen möchte von ihm zum Profikiller, zum Cleaner, ausgebildet werden, um sich an den Mördern ihrer Familie zu rächen. Zwischen den beiden gleichen Seelen, beide ohne sozialen oder emotionalen Halt, entwickelt sich eine ganz besondere Beziehung.

Vor der Kamera glänzt hier eine Darstellerriege, die unterschiedlicher kaum sein könnte, dabei aber absolut überzeugend spielt. Jean Reno rückte mit dem Film erstmals in die Aufmerksamkeit Hollywoods und bekam in den folgenden Jahren auch hier Angebote. Die Hauptrolle des Killers wurde ihm von seinem Freund Luc Besson direkt auf den Leib geschrieben, nachdem er in Nikita bereits einen Berufskiller gespielt hatte. Und Renos Nähe zu der sehr ambivalenten Figur Léon ist stetig spürbar. Er schwankt immer wieder zwischen eiskalter Brutalität und kindlicher Naivität, zwischen schüchterner Verliebtheit und harter Berechnung. Reno gelingt es, hier vielleicht sogar besser als in anderen Filmen, durch sein Spiel die vielschichtige Figur absolut glaubwürdig zu machen.

Der unbestrittene Star des Films ist allerdings Natalie Portman, die während der Dreharbeiten erst ihren 13. Geburtstag feierte, in ihrer ersten Rolle. Ihre Figur Mathilda sagt einmal über sich selbst: "Ich bin schon längst erwachsen, ich werde nur noch älter.". Dieses junge Mädchen besitzt aufgrund ihrer tragischen Erlebnisse eine ungewöhnliche Reife, die sie stellenweise sogar gegenüber Léon überlegen erscheinen lässt, und Portman bringt diese vollkommen natürlich herüber. Diese Natürlichkeit ist es auch, die den Zuschauer immer wieder dazu bringt, die gezeigten Gefühle nachzuempfinden, ob nun den Schmerz oder das Lachen (Mathildas Schwips im Restaurant ringt wirklich jedem mindestens ein Schmunzeln ab).

Routinier Gary Oldman (JFK - Tatort Dallas, Bram Stoker's Dracula) spielt den drogensüchtigen New Yorker Cop Stansfield, der für den Mord an Mathildas Familie verantwortlich ist. Er ist psychotisch und bedrohlich, teilweise in seiner Darstellung stark überzeichnet, doch dabei auch umso beängstigender. Und auch Danny Aiello (Do the Right Thing) als Léons Freund und Auftraggeber verdient eine Erwähnung, da seine Figur schnell zum Ruhepol des Films wird.

Visuell und inszenatorisch besticht der Film vor allem durch das Milieu, in dem er spielt. Heruntergekommene Apartments und Zimmer in billigen Hotels, in denen Drogen gestreckt werden, zerbrechende Familien leben und ein Killer untertaucht. Besson zeichnet ein überzeugend realistisches Bild von der Welt Léons, einem Mikrokosmos parallel zu unserer Welt, in dem Gewalt und Kälte vorherrschen und das Schlafen ohne ein offenes Auge tödlich sein kann. Auch die teilweise sehr elektronische Musik von Bessons Stammkomponist Eric Serra unterstreicht diese Grundstimmung.

Das Hauptaugenmerk bleibt aber selbstverständlich die Beziehung zwischen Léon und Mathilda, deren Kontrolle allerdings immer in den Händen Mathildas liegt. Ursprünglich motiviert von Rache bringt sie Léon mit Nachdruck dazu, sich ihrer anzunehmen und sie zur Killerin auszubilden. Genau dieser Punkt ist es aber auch, der den Film mancher Ansicht nach streitbar macht. Eine Zwölfjährige hantiert mit Waffen und lernt in einer gewalttätigen Welt das Töten. Doch letztlich wächst sie darin eben nicht zur brutalen Mörderin heran, sondern lernt im Zusammenleben mit Léon vor allem Glück und Zuneigung kennen, wie sie es in ihrer Familie nie hatte, während Töten und Vergeltung zweifelhaft bleiben gegenüber einer normalen Erziehung. Somit führt der Film ganz einfach zum Erwachsenwerden und zur Reife, für das Mädchen und auch für den Killer.

Keine weitere Wertung


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