|
Hervorragend inszeniertes Drama mit Kevin Spacey als engagiertem Todesstrafengegner, der selbst in der Todeszelle landet.
Kann man es als Ironie des Schicksals bezeichnen, dass ein engagierter Todesstrafengegner selbst in der Todeszelle landet? Auf den ersten Blick ja, oder doch vielleicht nein? Bevor wir uns an dieser Stelle philosophischen Gedankenspielchen hingeben, schlagen ich die Brücke zu Professor David Gale (Kevin Spacey), dem genau das oben beschriebene Szenario widerfahren ist. Er wurde für schuldig befunden, seine Kollegin und Freundin Constance Harraway (Laura Linney) vergewaltigt und auf grausame Weise ermordet zu haben. Regisseur Alan Parker beginnt mit der Erzählung der Geschichte von Drehbuchautor Charles Randolph wenige Tage vor dem Hinrichtungstermin von David Gale. Dieser will an seinen letzten drei Lebtagen ein exklusives Interview geben und lädt dazu die Reporterin Bitsey Bloom (Kate Winslet) zu sich ins Gefängnis ein. Im Rahmen der Gespräche, deren Inhalte in Rückblenden erzählt werden, berichtet er über sein Leben und die schicksalhaften Ereignisse, die sich vor dem Tod seiner Kollegin zutrugen.
Professor Gale beteuert Bitsey Bloom gegenüber stets seine Unschuld und will sie durch seine Geschichte von dieser Behauptung überzeugen. Bitsey hingegen ist felsenfest von seiner Schuld überzeugt, hört sich aber geduldig seine Ausführungen an. Er schildert ihr in drei Tagen eine wohl beispiellose Lebenstragödie über seinen Abstieg vom beliebten und gefeierten Philosophieprofessors zum Alkoholiker und verurteilten Vergewaltiger. Durch diese unglaubliche Geschichte und seine ständigen Unschuldsbeteuerungen, versucht er, die routinierte Reporterin auf seine Seite zu ziehen und sie für das Auffinden der Wahrheit zu instrumentalisieren. Schließlich hat er mit dieser Taktik Erfolg und schafft es obendrein, durch den äußerst knapp vor seinem Hinrichtungstermin gewählten Interviewtermin, Bitsey auch emotional für sich zu gewinnen.
Alan Parker legte bei der Inszenierung von Das Leben des David Gale größten Wert darauf, die Geschichte so glaubwürdig und schlüssig wie möglich darzustellen. Angesichts dieses heiklen Themas und des von zahlreichen Wendungen durchsetzen Drehbuchs keine leichte Aufgabe, die der Regisseur von Evita und Die Asche meiner Mutter aber hervorragend meisterte. Zum einen weil er seinen Film nicht als propagandistischen Feldzug gegen die Todesstrafe benutzt und zum anderen weil er es allein der Geschichte überlässt, beim Publikum Betroffenheit auszulösen, ohne dabei mit Hilfe von filmischen Tricks auf die Tränendrüse zu drücken. Generell inszenierte er den ganzen Film recht bodenständig und konventionell, wodurch er die Geschichte und die Charakteren in den Fordergrund rückte.
Hauptdarsteller Kevin Spacey sorgt durch seine gute schauspielerische Leistung für die enorme Überzeugungskraft des Charakters David Gale und natürlich auch für die des gesamten Films. Mit gewohnter Präzision mimt er einen Mann, der einerseits mit seinem Leben abgeschlossen hat, aber anderseits mit dem Interview in letzter Sekunde, doch noch den rettenden Strohhalm herbeisehnen will. Auch in den Rückblenden, in denen David Gales Leben durch Eheprobleme, Alkohol und Verleumdung mehr und mehr aus den Fugen gerät, gibt sich Kevin Spacey keine Blöße.
Nun ist doch an der Zeit die Anfangsfrage wieder aufzugreifen, da sich mir im Laufe des Textes eine Antwort offenbart hat. In meinen Augen kann die Antwort im Falle des David Gale nur ja lauten, da er die Todesstrafe mit seiner Organisation "Death Watch" an ihrer Endgültigkeit angreift. Es geht ihm folglich dabei um unschuldig Verurteilte, die zu Unrecht gerichtet werden. Wenn also seine Behauptung, unschuldig zu sein, tatsächlich der Wahrheit entsprechen würde, dann wäre seine Situation wohl ein glasklarer Fall von Ironie des Schicksals. Ob dem tatsächlich so ist, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Wer sich jetzt entschlossen hat, die Wahrheit über David Gale selbst herauszufinden, der wird seine Entscheidung dank der intelligenten und durchweg spannenden Geschichte mit einem überraschendem Ende garantiert nicht bereuen. |