Düsterer und brutaler Drogenthriller über zwei hartgesottene Polizisten (Jason Patric und Ray Liotta), die einen Mord an einem verdeckten Ermittler aufklären müssen.
Regisseur und Drehbuchautor Joe Carnahan eröffnet sein zweites Werk mit einer handkamera-gefilmten Verfolgungsjagd durch Gärten, Häuser, Parks und Straßen, die auf einem Spielplatz, mit einem toten Flüchtigen und einer schwer verwundeten Schwangeren endet. Erst während des Jagd wird klar, dass es sich bei dem Verfolgten um einen Drogendealer handelt, der von dem verdeckt arbeitenden Polizisten Nick Tellis (Jason Patrik) hochgenommen wurde. Da die Verletzung der Frau auf die Kappe von Tellis geht, wird er vom Dienst suspendiert und kann sich nach mehreren Jahren als verdeckter Ermittler in der Drogenszene Detroits, endlich mehr Zeit für seine Frau und sein Baby nehmen. 18 Monate später wird er wieder in den Polizeidienst zurückbeordert, um den rätselhaften Tod des Drogenfahnders Michael Calvess aufzuklären, der wie Tellis verdeckt in der Szene arbeitete. Zusammen mit Calvess ehemaligem Partner Henry Oak (Ray Liotta) begibt er sich auf die Suche nach dem Copkiller.
Die Atmosphäre von Narc ist schlicht und ergreifend abgefuckt und spiegelt ziemlich genau das wieder, was man sich landläufig unter Drogenfahndung in sozialen Brennpunkten vorstellt. Die Schauplätze des Films sind heruntergekommene Stadtviertel, schäbige Miethäuser und verlassene Lagerhallen, die einem schon beim bloßen Anblick ein mulmiges Gefühl bereiten. Die Polizisten müssen sich mit Abschaum und Gesindel auf niedrigstem Niveau abgeben und jeden Moment damit rechnen, dass irgendeinem durchgeknallten Junkie die Sicherungen durchbrennen. Die Arbeit in diesem Umfeld erfordert kantige und abgebrühte Männer mit Format, die sich mit Hingabe ihrem Job widmen und nicht über die lauernden Gefahren nachdenken. Männer wie Nick Tellis oder Henry Oaks.
In der Rolle des Nick Tellis erleben wir Jason Patrik (Sleepers), den man erst nach ganz genauem hinschauen erkennt. Er verkörpert einen relativ jungen Cop, der zusammen mit seiner Frau und dem gemeinsamen Baby ein "geregeltes" Familienleben führt. Dass er nach langer Zwangspause wieder zur Polizei zurückkehrt, zerstört die familiäre Harmonie und sorgt täglich für Streit. Doch Tellis lässt sich von seiner Frau nicht beirren und tut das, was gelernt hat und für was er bestimmt ist. Glücklicherweise beweißt Regisseur Joe Carnahan hier das nötige Fingerspitzengefühl, weshalb diese Szenen im Film weit nicht so klischeebehaftet wirken, wie hier dargestellt. Seinen Job erledigt Tellis sehr gewissenhaft und gründlich, was manchmal auch zur Folge hat, dass er gegen die Regeln verstößt und einen Verdächtigen etwas härter angeht. Die Arbeit begleitet ihn auf Schritt und Tritt, weshalb er teilweise auch Nächte im Revier oder mit Ermittlungen verbringt.
Henry Oaks ähnelt seinem Partner Nick Tellis in vielerlei Hinsicht, ist aber noch eine Spur brutaler und aggressiver. Er führt die Bestrafung der Verdächtigen am liebsten persönlich durch und drischt sie mit unter windelweich. Seit dem Tod seiner Frau, hat er die Hemmungen und Ängste abgelegt, die einen Cop mit Familie begleiten. Nun da er niemanden hat, der auf ihn wartet, kann er endlich 100% bringen und vollen Einsatz zeigen. Verkörpert wird Henry Oaks von Ray Liotta, den die meisten wohl noch aus dem Mafiaklassiker Goodfellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia kennen. Zusammen mit Nick Tellis bildet er ein unorthodoxes Duo, das zwar im Grunde das selbe Ziel verfolgt, aber manchmal nicht am gleichen Strang zieht. Die Arbeit der beiden wird zunehmend von gegenseitigem Misstrauen überschattet, was dazu führt, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht.
Mit seiner düsteren und trostlosen Inszenierung tritt Regisseur Joe Carnahan gar nicht den Versuch an, der Situation der beiden Hauptdarsteller etwas positives abzugewinnen. Ernüchternd, ja fast schon brutal, führt er vor Augen, was engagierte Polizeiarbeit an der Drogenfront bedeuten kann. Es ist schwer diese Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen, anderseits fehlt ohne familiäres Umfeld der Raum zum abschalten. Diese Gegensätze werden durch die beiden Hauptdarsteller verkörpert, die jeweils an einer anderen Art von Entfremdung leiden. Jason Patric und Ray Liotta gelang es, diese Probleme überzeugend auf die Leinwand zu projizieren, und liefern auch in allen anderen Belangen eine hervorragende Leistung. Aus diesen stimmigen Komponenten resultiert ein äußerst gelungener und schnörkelloser Drogenthriller für ein hartgesottenes Publikum mit starkem Gemüt.