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De Palmas neuestes Werk, Femme Fatale, ist ein Thriller im Neo-Noir-Stil, der zwar mit einer eleganten Inszenierung und einem sehr guten Banderas aufwarten, aber aufgrund der schwachen Story nicht überzeugen kann.
Brian De Palma, der seit nunmehr zwei Jahren in Frankreich lebt, kommt bei Femme Fatale gleich doppelte Bedeutung zu: er fungiert sowohl als Regisseur als auch als Drehbuchautor. De Palma ist ein Meister des Suspense-Kinos, dem es auch deshalb über die Jahre hinweg gelang, eine große Fangemeinde um sich und seine Filme zu versammeln. De Palma verstand es in der Vergangenheit wie kaum ein Zweiter, durch geschickte Kamerapositionen, durch einen stimmig genauen Schnitt und durch perfektes Timing Spannung zu erzeugen, wobei er den Zuschauer nur allzu gerne und oft zum Voyeur werden ließ. Dieses Motiv nimmt De Palma, wie es eigentlich kaum anders zu erwarten war, bei seinem neuesten Werk, Femme Fatale, wieder auf. Er siedelt den Thriller, der sich nur vordergründig als Krimi entpuppt, im Neo-Noir-Genre an, und setzt damit vor allem auf visuelle Eleganz.
Schon in der Anfangsszene wird dies ganz deutlich: Die von Rebecca Romijn-Stamos durchaus passabel verkörperte Protagonistin schaut sich Billy Wilders Film-Noir-Klassiker Frau ohne Gewissen im Fernsehen an, und während die damalige Protagonistin, Wilders Femme Fatale, gespielt von Barbara Stanwyck, in dem Schwarz-Weiß-Film auftritt, spiegelt sich das farbige Ebenbild der Protagonistin auf dem Bildschirm des Fernsehers. Die Verbindung zum Noir-Genre und zur Femme Fatale, wie es der Titel bereits suggeriert, ist somit hergestellt. Mit diesem visuellen Kniff erspart sich De Palma eine lange Einführung des Charakters und kann die Handlung um einen Schmuckdiebstahl am lebenden Objekt entfalten.
Tatort ist die mehr als schicke Damentoilette beim Filmfestival in Cannes. Bei der Inszenierung dieser homoerotischen Diebstahlsszene und der damit verbunden kriminellen Organisation des Verbrechens zeigt De Palma, was er kann. Nichts scheint der Altmeister verlernt zu haben: geschickt gewählte Kameraperspektiven, hervorragend montierte Szenenabfolgen und vortreffliche Bildkompositionen. Vielleicht ein wenig zu lang bemüht er den lesbischen Diebstahl, bei der die Protagonistin der Begleitung eines Regisseurs die Oberbekleidung stiehlt - einziges Oberbekleidungsstück ist eine goldene, diamantenbesetzte Schlange, die bei der Verführungsszene geschickt durch ein Plagiat ausgetauscht wird. Doch der Diebstahl läuft nicht wie geplant, Lauras - so heißt die Diebin - Komplize wird vom Bodyguard der Bestohlenen angeschossen und Laura macht sich allein mit der Beute aus dem Staub.
Was sich bis hierhin als toll inszenierter Thriller bzw. Krimi zeigte, entpuppt sich danach als banales Verwechslungsfilmchen mit einer mehr als schwächelnden Story. De Palma bezieht sich hierbei auf seine goldenen, wohl auch letztlich vergangenen Zeiten, denn anders lässt sich das, was jetzt folgt, nicht erklären - er greift die Thematik der falschen Identität aus seinen vorherigen Filmen wieder auf, und so gelingt es Laura - sie wird von einem älteren französischen Ehepaar fälschlicherweise für deren Tochter gehalten - sich eine neue Identität zu verschaffen und so nach Amerika auszuwandern. Sie wird dort die Frau des amerikanischen Botschafters - zumindest scheint dies und das Folgende so.
Nach sieben Jahren kehrt sie an der Seite des Botschafters zurück und wird von einem Paparazzo wieder erkannt. Dies entpuppt sich als gefährlich für sie, denn die um die Beute geprellten Komplizen der Diebin werden hellhörig und wollen sich an ihr Gerechtigkeit für sich verschaffen. So bleibt Lily - so sieht ihre neue Identität namentlich aus - nichts anderes übrig als sich mit dem Paparazzo kurzzuschließen, bzw. ihn auszutricksen. Der Photograph, dem es gelang ein Photo von Lily zu schießen, will dieses Photo für viel Geld an die schillerndsten Blätter verkaufen. Die betrogenen Verbrecher sollen aber nichts von ihrer neuen Identität erfahren.
Stimmig ist dies alles inszeniert, visuell elegant, ein regelrechter Bilderrausch. De Palma arbeitet zeitweise sogar mit echten Split-Screens, was hier nur nicht überstilisiert wirkt, da dies hier lediglich das Mittel zum Zweck darstellt. Aber die Story... Belanglos wie kaum möglich, verliert sie sich nach dem Diebstahl in Banalität. Bisweilen mutet das Ganze beinahe wie ein Softporno an, wenn nämlich Lily versucht den von Antonio Banderas gut in Szene gesetzten Paparazzo zu verführen. Die Handlung plätschert nur so vor sich hin, De Palma scheint beinahe den Faden verloren zu haben, aber die Krönung ist das noch nicht. Aber um kein Spielverderber sein zu wollen, nur ein paar Andeutungen: Um dieser ach so überraschenden Wende in der Handlung bereits vorzeitig auf die Schliche zu kommen achte man auf die Uhrzeit wenn Laura/Lily in der Badewanne sitzt und auf die, wenn der Paparazzo verhört wird, oder aber auf den Anzug des nach sieben(!) Jahren aus der Haft entlassenen Komplizen. Nein, Femme Fatale kann nicht überzeugen, und für De Palma entpuppt sich sein durchaus ehrgeiziges neues Werk sprichwörtlich als verhängnisvolle Frau. |