Guy Richies Film über zwei unglaublich unsympathische Charaktere, die auf einer einsamen Insel stranden, fällt auf ganzer Linie ins Wasser.
Das Prinzip, die Aussage, wenn man so etwas Stürmische Liebe - Swept Away denn attestieren möchte, ist schon klar: Zuerst ist Amber (Madonna) die Böse, mit unmöglichen Beschwerden und Forderungen traktiert sie Giuseppe (Adriano Giannini), der auf dem Boot als eine Art Kellner arbeitet und Ambers Befehle gezwungenermaßen unterwürfig entgegen nimmt . Als die beiden dann durch einen dummen Unfall auf der einsamen Insel landen, wendet sich das Blatt, Giuseppe wird der Böse. Er weiß auf der Insel zu überleben und kann Amber mal eine richtige Lektion erteilen. Jetzt muss sie unterwürfig um Nahrung betteln und seine komischen Befehle befolgen. Dennoch verlieben sich die beiden ineinander, eine wilde Romanze beginnt.
Und schon hier haben wir eines der Hauptprobleme des Films: Diese Romanze zwischen den beiden ist zu keinem Zeitpunkt glaubwürdig. Die beiden Charaktere sind grundverschieden, wir nehmen ihnen einfach nicht ab, dass sie sich wirklich ineinander verlieben. Dass sie auf der einsamen Insel miteinander schlafen: Ok. Aber dass sie auch nach ihrer Rettung noch aneinander hängen: nie im Leben! Insofern wirkt der ganze letzte Teil der Handlung, der Part nach ihrer Rettung, in dem Amber irgendwie mit ihren Gefühlen zu kämpfen beginnt, einfach nur lächerlich und aufgesetzt.
Doch den Todesstoß versetzen Stürmische Liebe - Swept Away letztendlich die Charaktere selbst. Dass Amber reich und arrogant ist und Giuseppe quält, meinetwegen. Dass Giuseppe die Chance zur Revanche nutzt, als sie sich ihm auf der Insel bietet, das geht auch noch Ok. Doch tun beide dies auf eine derart übertriebene und unsympathische Art, dass es wirklich nicht mehr schön ist. Das Ganze funktioniert natürlich nach dem Prinzip, dass wir als Zuschauer immer auf der Seite des Schwächeren sind. Am Anfang geht das auch noch auf. Wir fühlen mit dem armen Giuseppe, der ohne Grund von Amber gequält wird. Doch Amber tut dies auf eine Art und Weise, die wirklich derart übertrieben ist, dass sie beim Zuschauer keinerlei Sympathien mehr hat. Infolge dessen funktioniert dann der zweite Teil des Films natürlich nicht mehr. Eigentlich sollten wir nun auf Ambers Seite sein, ihr vergeben oder akzeptieren, dass sie ihre Lektion gelernt hat. Aber es klappt einfach nicht. Diese unsympathische Person, die sie im ersten Teil war, geht uns nicht mehr aus dem Gedächtnis, wir nehmen ihr ihren Sinneswandel einfach nicht ab. Doch es wird noch schlimmer. Denn Giuseppe verhält sich seinerseits mindestens genauso schlimm wie Amber am Anfang, so dass nun auch er bei uns ausgespielt hat. Somit haben wir ungefähr ab der Hälfte des Films überhaupt kein Identifikationspotential mit auch nur irgendeinem Charaktere, was natürlich in einem Medium, das zu einem großen Teil von dem emotionalen Bezug des Zuschauers zu den Charakteren lebt, gelinde gesagt ziemlich schlecht ist.
Des Weiteren gibt es noch kleinere Defizite, die zwar nicht so schwer wiegen, wie die oben beschriebenen, trotzdem zum Versagen des Films beitragen. So wirken beide Charaktere, vor allem aber Madonna, äußerst unattraktiv. Man muss sich wirklich fragen, ob Guy Richie Probleme damit hat, Frauen zu inszenieren, denn wie Madonna hier rüberkommt ist in der Tat etwas gequält. Und wo wir gerade bei Guy Richie sind. Seine Regie wirkt in Stürmische Liebe - Swept Away gelangweilt, ja uninspiriert. Von der Spritzigkeit, der Originalität, die seine vorherigen Filme Bube, Dame, König, grAS und Snatch - Schweine und Diamanten zu solchen Erfolgen machten, ist in Stürmische Liebe - Swept Away nicht mehr viel zu spüren.
Man muss aber fairerweise festhalten, dass nicht alles in Stürmische Liebe - Swept Away schlecht ist. Es gibt immer mal wieder Szenen, die gut rüberkommen, die witzig und abwechslungsreich sind. Ganz besonders im ersten Teil finden sich solche Szenen, und auch später auf der Insel gibt es stärkere Sequenzen, wie etwa als Giuseppe Amber auffordert zu singen und zu tanzen, und sich das Ganze dann zu einer kleinen Musical-Einlage entwickelt. Doch leider bleiben diese stärkeren Szenen klar in der Minderheit und können gerade in Anbetracht der Schwächen im Gesamtkontext wie etwa bei Handlung und Charakteren nicht viel retten. So bleibt Guy Richies dritter Film insgesamt eine Enttäuschung und hinter den Erwartungen, die man an einen so jungen, trendigen Regisseur durchaus haben kann, deutlich zurück.