"Igby" ist eine unterhaltsame und anrührende Komödie über einen Teenager, der seine Familie haßt und fern von zu Hause ein neues Leben beginnen will.
Igby. Eigenartiger Name, eigensinniger Typ. Eigentlich heißt Igby Jason, aber das ist nur ein kleiner Teil seiner Geschichte. Denn im Prinzip handelt die Coming-Of-Age Komödie von einem (vielleicht nicht ganz) normalen Teenager, der wie jeder andere so seine Probleme mit den Eltern, der Schule, dem Leben und der Welt hat. Und doch ist Igbys Geschichte etwas besonderes und deshalb wert, erzählt zu werden:
Die Eltern sind stinkreich, dafür komplett neurotisch. Mutter Mimi hat keine Geduld mehr mit ihrem schwererziehbaren Sprößling und macht ihre schlimmste Drohung wahr: Sie schickt Igby auf die Militärakademie. Sein Vater sagt dazu nichts, denn der wohnt seit Jahren in der Nervenheilanstalt, um sich vom Leben zu erholen. Der große Bruder ist da auch keine große Hilfe im Widerstand gegen die Obermacht, denn der ist ein wichtigtuender Republikaner, der eine erfolgreiche Karriere bereits am College in der Tasche hat. Kein Wunder, dass Igby von zu Hause abhauen will. Doch wo soll er hin? Ganz genau: zur Geliebten seines Patenonkels nach New York.
Igby ist der tragische Versuch eines 17-Jährigen, ein glücklicheres Leben fern der verhaßten Familie kennen zu lernen und erwachsen zu werden. Geistreiche Dialoge mit viel Wortwitz und überragende Leistungen jedes einzelnen Darstellers - und sei die Rolle noch so klein - machen Igby zum bittersüßen Vergnügen. Eine unangenehm biestige Susan Sarandon macht ihrem armen Sohn als Familienoberhaupt Mimi das Leben zur Hölle, Bill Pullman zeigt sich von seiner dramatischsten Seite, Ryan Phillippe ist in Sachen Coolness wieder einmal unschlagbar, Jeff Goldblum ist einfach unbeschreiblich und Claire Danes zelebriert das Anderssein. Aber vor allem darf sich Macaulay Culkin seinen kleinen Bruder zum Vorbild nehmen. Denn spätestens nach diesem Film steht fest, dass Kieran das Talent im Culkin-Clan geerbt hat.
Jetzt wäre der Film schon allein wegen seiner abgedrehten Figuren und deren hervorragender Besetzung sehr sehenswert. Doch Igby hat noch einen weiteren Trumpf im Ärmel: einen verdammt guten Soundtrack. Coldplay und Co. geben der Story das gewisse Etwas, denn stilistisch zielsicher eingesetzt kann so ein Liedchen einen enormen Effekt erzielen. Alles in Allem ist Igby ein gut gelungener Film, der ans Herz geht. Da kann man Regisseur Burr Steers zu seinem Debüt nur gratulieren.