Die Engländer haben eine berühmte Tradition schwarzen Humors. Von der Insel kommt nun ein weiterer Beweis dafür in die Kinos.
Er war ein Junge, sie war ein Mädchen, was soll man mehr noch sagen? Ein Tanzball an der Schule: er ist noch verunsichert und sein Herz flattert; sie bleibt erwartungsvoll und wirft ihm auffordernde und ermunternde Blicke zu, doch dann erscheint der Dicke, Hugh, der die Gelegenheit letztlich nutzt. 30 Jahre später sind Betty und Hugh verheiratet, Boris aber blieb auf immer einsam. Das Drama eines Lebens, die Tragödie einer Liebe, die nicht sein sollte.
Aber gleich zu Beginn wird der Zuschauer darauf vorbereitet, was ihn erwartet: eine feine britische Komödie. "1964, irgendwo in Wales" wird ergänzt durch die Information "Einem kleinen Land, links von England" - und beweist nicht nur Selbstironie, sondern einen ziemlich pointierten Humor, schön trocken und manchmal gar bissig. Selbst bei der Übersetzung schien man diese außerordentliche Zutat so pflegsam zu behandeln, wie nur irgend möglich. So wurde selbst beim deutschen Titel ein sogenannter in-joke untergebracht: der Originaltitel Plots With a View lautet hierzulande Grabgeflüster und ist nicht nur durch phonetische Ähnlichkeit mit Grasgeflüster verwandt, sondern auch durch die gemeinsame Hauptdarstellerin und einem gleichartigen Humor. Dem Untertitel "Liebe versetzt Särge" kann man immer noch ein nettes Wortspiel abgewinnen.
Handelt es sich also bloß um eine Komödie? Komik dient dem Film bloß als Stilmittel und vermittelt eine gewisse Lebensästhetik, die der Maxime folgt, man solle nicht alles zu ernst nehmen. Andererseits persifliert damit der Regisseur Nick Hurran auch das Leben kleiner Gemeinden und versteckt in Parodien und Hyperbeln solide Satire. So tritt der wohl größte Star des Films und begnadete Schauspieler Christopher Walken als Bestatter Frank Featherbed in Erscheinung. Absolvent einer angesehenen Schule auf dem Gebiet der Bestattung versucht er in der walisischen 7000-Seelen-Gemeinde die Kunst seines Gewerbes mit moderner Methodik des Marketings und Betriebswesens zu verknüpfen. Mit vollem Ernst und geschäftlichen Kalkül bietet er Rabatte von 50% auf Zweitbegräbnisse, lässt eine Kundin, die zeitlebens heimlicher Star-Trek-Fan war, im Spock-Outfit in einer Sargkapsel gen Himmel fahren (womit diesem Film gar eine Parodie auf Der Zorn des Khan gelingt) und wettert gegen die eher aufs Konventionelle bedachte Konkurrenz Boris Plots.
Im Vordergrund der Erzählung stehen Betty und Boris, die in den letzten 30 Jahren völlig unberührt voneinander ihr Leben gelebt haben. Betty wurde nicht von Boris zum Tanzen aufgefordert, sondern von Hugh - nun lebt sie mit ihm, der jetzt ihr Ehemann ist, zusammen. Und mit dessen Mutter. Als Hausfrau geschunden lebt sie kein glückliches Leben. Boris auch nicht. Er hat nach dem Rückschlag 1964 seinen Traum als großartiger Tänzer aufgegeben. Nur ab und an legt er in seinem Bestattungsunternehmen eine Platte auf und tanzt einsam vor sich hin, in Träumen von einer schöneren Wirklichkeit verloren. Doch als Hughs Mutter eines morgens an Frühstücksflocken erstickt, treffen Betty und Boris ein zweites Mal aufeinander. Diesmal bleibt er nicht so töricht und ergreift die Gelegenheit. Betty aber ist eine gutherzige Frau: obwohl es ihr nicht gut geht, steht sie zu ihrer Ehe und wälzt sich selbst in ihrem und Boris Dilemma. Diesmal will Boris aber um sie kämpfen und erarbeitet einen ausgefeilten Plan, um ihr Herz für sich zu gewinnen: er wird sie umbringen.
Natürlich geschehen so allerlei kleinere Katastrophen bei dem Versuch Betty tot sein zu lassen, damit sie ihren Mann endlich verlassen kann. Die Versicherungssummen, die dann ihrem Hugh zustehen, beruhigen ihr Gewissen - das Ziel klar vor Augen bemüht sie sich. Doch dann eröffnet ihr beim Trauerzeremoniell ihr Mann seine Affäre zu seiner Sekretärin Meredith.
Obwohl bei diesem Film ein eher gemächliches Tempo gewählt wurde, erscheint er nicht langweilig und die komischen Sequenzen nicht turbulent, als käme es nur darauf an. Auch wenn die vier Bestattungen auf komische Weise an den Film Vier Hochzeiten und ein Todesfall erinnern, hat Nick Hurran hier etwas Eigenes geschaffen. Sicherlich steht der Film in der Tradition so viel anderer, doch die Mischung aus Liebesgeschichte, gemäßigtem Tempo und erfrischender Komik wissen doch sehr zu gefallen. Und so bleibt's dabei: er war ein Junge, sie war ein Mädchen, was soll man mehr noch sagen?