Neun Jahre nachdem Lloyd Christmas und Harry Dunne unsere Lachmuskeln trainierten, erschien die für erfolgreiche Filme offenbar obligate Fortsetzung in Form eines Prequels. In dieser Vorgeschichte erleben wir, wie Lloyd und Harry zum ersten Mal aufeinander trafen (und dies im wörtlichen Sinne) und durch allerlei Turbulenzen um einen geldgierigen Schuldirektor zu dicken Freunden wurden. Allerdings fehlen dem Film genau die drei Dinge, welche das Original so erfolgreich machten: Jim Carrey, Jeff Daniels und die Gebrüder Farrelly hinterm Steuer. So muss man sich im Falle von Dumm und Dümmerer leider mit einer typischen Teenie-Komödie ohne Charme und eher wenigen wirklich gelungenen Gags begnügen.
Es scheint in Hollywood ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, welches besagt, dass ein erfolgreicher Film nicht ohne Fortsetzung bleiben darf. So kommt es früher oder später immer wieder dazu, dass das Streben nach Gewinn den Wunsch nach Kreativität verdrängt und dem geneigten Filmfan haufenweise Neuauflagen seiner Lieblingsfilme vorgesetzt werden. Warum sollte dies also im Fall von Dumm und Dümmer - dem Komödien-Hit aus dem Jahre 1994 - anders sein? Leider hatten aber weder die damaligen Macher (Peter & Bobby Farrelly), noch die Hauptdarsteller (Jim Carrey & Jeff Daniels) Interesse an einer Fortsetzung, weshalb man sich schlussendlich gezwungen sah, aus der Fortsetzung ein Prequel zu machen. 2003 war es dann endlich soweit und die jugendlichen aber ebenso hirnlosen Versionen von Lloyd Christmas und Harry Dunne wurden auf das Kinopublikum losgelassen.
Es ist 1969 und ein kleiner Junge namens Harry Dunne (Derek Richardson) erblickt das Licht der Welt. Schnell stellt sich heraus, dass er nicht mit einem sonderlich hohen IQ gesegnet ist, weshalb er in den heimischen vier Wänden und von der eigenen Mutter unterrichtet wird. Der dadurch entstehende Mangel an gleichaltrigen Freunden führt den kleinen Harry schnell zu einem imaginären Freund, weswegen er im zarten Alter von 17 Jahren doch noch in die normale Highschool wechseln soll. Die Rechnung geht auf, denn schon am ersten Tag begegnet er dem in der Schule wohnenden und ähnlich mental talentierten Lloyd Christmas (Eric Christian Olsen): Es ist Freundschaft auf den ersten Blick! Von nun an steht dem normalen Schulalltag eigentlich nichts mehr im Wege, wäre da nicht der geldgierige Schuldirektor Collins (Eugene Levy), denn dieser will eine Prämie einkassieren und missbraucht die beiden Deppen kurzerhand, um eine dafür notwendige Klasse für spezielle Bedürfnisse ins Leben zu rufen. Jessica (Rachel Nichols), eine Reporterin der Schülerzeitung, riecht jedoch den Braten und rekrutiert ihrerseits Lloyd und Harry, um Beweise für die Verhaftung von Direktor Collins zu sammeln.
Wie eine solche Geschichte zu Ende geht, können sich die meisten wohl auch ohne weitere Hilfsmittel ausrechnen und dies ist auch schon eines der größten Probleme des Filmes: Wo man im Original noch von witzigen Ideen überrascht wurde, herrscht hier absolute Vorhersehbarkeit. Dieser Umstand zieht sich bis zum Ende hin durch, weswegen die Drehbuchautoren sich diesen Vorwurf ganz klar gefallen lassen müssen. Wenigstens passt dieser Umstand zur Inszenierung, welche - abgesehen von zwei oder drei netten Einfällen - nur als Standardkost bezeichnet werden kann, so als hätte Regisseur Troy Miller hier im Malen nach Zahlen-Stil agiert. Auch den Charme des Vorgängers sucht man in Dumm und Dümmerer vergebens und so bleiben nur noch die Gags, sowie die neuen Hauptdarsteller, um den Film auf ein gutes Niveau zu heben.
Dies gelingt leider nur teilweise, denn auch wenn Eric Christian Olsen (Bierfest, Fired Up, Plan B für die Liebe) beinahe perfekt Jim Carrey kopiert und aufgrund seiner vorherigen Rollen - in welchen er bereits immer wieder seine Carrey-Momente hatte - als perfekte Wahl für diese Rolle angesehen werden kann, so ist es doch oftmals etwas zu viel des Guten. Auch sein Pendant Derek Richardson (Girls United Again, Hostel) ist in diesem Punkt schuldig im Sinne der Anklage, denn teilweise wirkt es schon sehr verkrampft, wie er unbedingt genau so wirken will, wie es damals Jeff Daniels seinerseits in der Rolle des Harry Dunne tat. Etwas mehr Eigenständigkeit und Lockerheit hätte diesen Makel sicherlich aus der Welt schaffen können, doch offenbar wollte man damit den Bezug zum Original verdeutlichen, was nicht unbedingt die alleinige Schuld der beiden Akteure sein muss. Glücklicherweise nimmt sich der Film selbst dabei aber kein bisschen ernst, und so können die beiden Hauptdarsteller hin und wieder doch noch etwas befreiter agieren. In diesen Momenten können dann sogar die meisten Gags zünden und den Zweck dieser Komödie doch noch erfüllen. Eugene Levy (alle bisherigen sieben American Pie-Filme, Cool & Fool, Im Dutzend billiger 2 - Zwei Väter drehen durch!) bleibt leider drehbuchbedingt hinter seinen Möglichkeiten zurück, macht aber das Beste aus seiner dünnen Rolle, und Rachel Nichols (P2, G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra) wird ebenfalls nicht sonderlich gefordert. Für alle Transformers-Fans ist außerdem noch Shia LaBeouf (Disturbia, Eagle Eye - Ausser Kontrolle) mit faszinierender Haarpracht in einer größeren Nebenrolle zu sehen.
Wenn Lloyd seinem Vater mit Ketchup geschriebene Nachrichten hinterlässt und Harry ein komplettes Badezimmer mit geschmolzener Schokolade beschmiert, bleibt kein Auge trocken und man merkt, welch großes Gag-Potential in den Geschichten um die beiden liebenswürdigen Trottel eigentlich stecken würde. Nur schade dass dazwischen zu viele flache Gags zu finden sind, welche in den eins-zu-eins aus Dumm und Dümmer kopierten Witzen ihren traurigen Höhepunkt finden: Das wäre nicht nötig gewesen! Deswegen kann man zwar noch lange nicht von einem Totalausfall reden, doch seinem Vorgänger kann Dumm und Dümmerer auf keinen Fall das Wasser reichen und landet somit gesamthaft gesehen knapp unterhalb durchschnittlicher Teenie-Komödien. Bleibt nur noch die Frage, wer eigentlich dieser Präsident Slushie war...