Endlich ist die Trilogie vollständig! Alle, die fieberhaft darauf gewartet haben, dürfen sich nun auf einen wirklich gelungenen Abschluss der großartigen Buchverfilmung freuen.
Jedes Jahr geschieht es zur Vorweihnachtszeit, dass Hollywood die Kinos mit Megaproduktionen heimsucht. Schließlich ist es genau die Zeit, da der Sommer vorbei ist und man sich vom Stress des Weihnachtseinkaufs erholend, auch mal gerne einen schönen Film gönnt. In den letzten zwei Jahren durfte man miterleben, wie zwei der meistbeachteten Literaturverfilmungen jedes Mal einen regelrechten Hype auslösten. Im November sah man sich die Abenteuer des Harry Potter an, im Dezember hieß es dann, die Gemeinschaft um den Herr der Ringe auf ihrem gefährlichen Weg zu verfolgen.
Dieses Jahr ist allerdings eines anders: der kleine Magier und seine Abenteuer an der Hogwarts-Schule erscheinen diesmal nicht im Kino. Stattdessen warteten die Wachowski-Brüder mit der äußerst enttäuschenden Fortsetzung von Matrix: Revolutions auf. Die vernichtenden Kritiken schufen dementsprechend geringe Resonanz. So muss diesmal die Jacksonsche Literaturverfilmung es kompensatorisch schaffen, die Kinogelüste des Publikums gleich doppelt zu befriedigen.
Bei einem monumentalen Werk, wie es Der Herr der Ringe zweifellos ist, ist eine solche Aufgabe sicher nicht einfach zu bewältigen. Jeder hat schon einmal von dem grandiosen Werk gehört, doch nicht jeder hat es gelesen. So teilt sich, wie bei Harry Potter übrigens auch, die Welt in zwei Gruppen: die Kenner und die Nicht-Kenner. Letztere wiederum besteht zu einem großen Anteil aus Kenner-Werden-Wollende. Eine ideale Voraussetzung, um einen Film zum Erfolg zu führen. Dennoch liegt gerade hier die große Schwierigkeit. Peter Jackson musste es schaffen, ein umfangreiches Werk, das von vielen geliebt wird, so an die Leinwand zu adaptieren, dass Fans sich daran erfreuen würden, während diejenigen, die es so kennen lernen wollen, die faszinierende Welt des J. R. R. Tolkien erleben und -viel wichtiger noch- den Zugang finden.
Bei einer solch zweischneidigen Angelegenheit ist es eigentlich bereits vorab klar, dass dies nicht zu 100% zu bewerkstelligen ist. So kam es auch 2002: Der Herr der Ringe - Die zwei Türme faszinierte die Fans durch eine äußerst dichte Atmosphäre, die das Flair des Buches aufleben ließ, langweilte jedoch die Nicht-Kenner durch eine teilweise recht langatmige Erzählweise, bei der oft auch bestimmte Hintergründe im Unklaren blieben. Der erste Teil, Der Herr der Ringe - Die Gefährten, hatte mit ähnlichen Problemen zu kämpfen: Kenner fanden es zu ungetreu umgesetzt und teilweise langweilig, weil sehr gut bekannte Charaktere eingehend vor- und dargestellt wurden, während der Nicht-Kenner sich daran erfreute, einen Einstieg in die mitreißende Erzählung gefunden zu haben.
Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs schafft es allerdings, die Trilogie zu einem würdigen und auch beide Gruppen zufrieden stellenden Ende zu führen. Das Erzähltempo wirkt durch die aufrecht gehaltene Spannung recht schnell, die Ereignisse überschlagen sich teilweise, dennoch bleibt stets -auch für den Nicht-Kenner- der Überblick gewahrt, die zahlreichen roten Fäden, die noch die ersten beiden Teile durchzogen, laufen zu zwei parallel ablaufenden Plots zusammen und diese dann wiederum zu einem einzigen Finale. Der Nicht-Kenner erfreut sich daran, endlich die meisten Zusammenhänge zu verstehen und nimmt sich vor, die Bücher endlich mal zu lesen, während der Fan die gute Umsetzung der Romanvorlage genießt.
Dennoch findet man auch beim dritten Teil einige Schwachstellen. Was den Fachmann angeht, so ist sicherlich das großzügige Auslassen gewisser Buchelemente zu monieren. Angesichts der Fülle des Films (immerhin über 200 Minuten alleine für den dritten Teil) sind gewisse Abstriche durchaus verständlich und tolerabel, dennoch geschieht einiges an Verfälschung (Stichwort Auenland), was eher "hollywoodesker" (sofern man davon sprechen kann) Natur ist. Das ist eher unangebracht, fast schon frevelhaft und dürfte so manchen Fan ein wenig enttäuschen - zumal es keinen triftigen Grund gibt, derart vorzugehen.
Sehr viel schwieriger tut man sich auch als Zuschauer beim Ende. Kaum ist das Hauptgeschehen vorüber, folgt der Schluss - das Übliche eben. Es gibt zahlreiche Szenen, in denen noch einmal alle involvierten Charaktere in irgendeiner Weise dargestellt werden. So wie im Buch eigentlich auch. Allerdings wirkt es im Film sehr lang und irritiert Kenner wie Nicht-Kenner gleichermaßen, gerade auch die schnulzigen Parts. Hier hätte durchaus gekürzt werden können, vor allem angesichts der Tatsache, dass einige gute Endstellen geboten werden nur um dann doch von weiteren Szenen gefolgt zu werden. So zieht sich das "Ende" etwa eine halbe Stunde hin, als hätte die Produktion sich nicht auf ein Ende einigen können, das gut genug ist, ein solch umfangreiches Oeuvre stilvoll abzurunden. Schade eigentlich.
Nichtsdestotrotz bleibt der dritte Teil die wohl beste Wahl für den Nicht-Kenner. Spannend und überaus unterhaltsam führt der Film geradewegs zum Ziel. So stellt sich wohl für den Nicht-Kenner folgende Lieblingsreihenfolge ein: Teil 3, dann 1 und schließlich 2. Der Fan hingegen zieht wohl eher erst Teil 2, dicht gefolgt von 3 und letztlich 1 vor. Dennoch kann man sich einig sein: keiner, der sich den dritten Teil Die Rückkehr des Königs ansieht, wird wirklich enttäuscht sein.
Diese Review wurde erstellt mit der Unterstützung des werten Kollegen Volker Regnery.