Das Drama über das schicksalhafte Zusammentreffen dreier Jugendfreunde ist Clint Eastwoods beste Arbeit seit Jahren und überzeugt durch eine intelligente Story sowie gute schauspielerische Leistungen.
In seiner 24. Regiearbeit geht der mittlerweile 76-jährige Clint Eastwood nach gewohnter Manier vor und nimmt sich viel Zeit um seine Geschichte zu erzählen. Allerdings hat man bei Mystic River nicht das Gefühl, dass er dabei unnötig herumtrödelt, sondern vielmehr jede Sekunde des Films effektiv nutzt. Entsprechend gelungen ist seine Verfilmung von Dennis Lehanes gleichnamigem Roman aus dem Jahre 2002, der von Brian Helgeland (L.A. Confidential) adaptiert wurde. Die Story über drei Jugendfreunde, die sich aus den Augen verloren haben und deren Wege sich durch ein Verbrechen wieder kreuzen, überzeugt durch Tiefgang und Intelligenz. Besonders Lob gebührt auch den drei blendend aufgelegten Darstellern, die den Film durch ihr perfektes Spiel zu einem intensiven Kinoerlebnis werden lassen.
Anders als in seinen bisher meisten Regieprojekten, verzichtet Clint Eastwood bei Mystic River darauf, selbst vor der Kamera zu stehen. In den Hauptrollen seines Dramas über Schicksal, Schuld und Rache sind dafür Sean Penn, Tim Robbins und Kevin Bacon zu sehen. Die drei Darsteller verkörpern drei Jugendfreunde, deren Wege sich nach der Entführung von Dave (Tim Robbins) trennten. Obwohl sie alle in ihrer Heimatstadt Bosten wohnen bleiben, haben sie so gut wie keinen Kontakt und kommen erst nach dem gewaltsamen Tod von Jimmys (Sean Penn) Tochter Katie wieder zusammen. Sean (Kevin Bacon) arbeitet bei der Mordkommission und wird zusammen mit seinem Partner mit den Ermittlungen in dem Fall betraut. Obwohl Dave zunächst unbeteiligt scheint, wird er im Verlauf des Films mehr und mehr in die Rolle des Hauptverdächtigen gerückt, da er in der Mordnacht blutüberströmt nach Hause kam.
Neben der Suche nach dem Mörder von Katie und dem Schmerz von Jimmy und seiner Frau Annabeth, wird in Mystic River Stück für Stück die Vergangenheit der drei Jungendfreunde belichtet. Dabei geht es vor allem um die Entführung von Dave, die eine zentrale Rolle im weiteren Leben der Drei einnahm. Zum einen natürlich für Dave, der die Entführung und den Missbrauch nie wirklich überwunden hat und sich stets damit konfrontiert sieht. Zum anderen stellen sich Jimmy und Sean stets die Frage, was passiert wäre, wenn sie dem Entführer und Peiniger zum Opfer gefallen wären. Jeder der beiden schlug einen anderen Lebensweg ein, um die Geschehnisse zu verarbeiten. Während Sean bei der Polizei landete, driftete Jimmy zunächst auf die andere Seite des Gesetzes und ging ins Gefängnis. Zahlreiche Tätowierungen sind ein Souvenir dieser Zeit, die ihn zu einem mittlerweile aufrechten, aber harten Hund machten.
Clint Eastwood wählte eine sehr clevere und spannende Erzählstruktur, bei der er das Publikum stets mehr wissen lässt als die Beteiligten im Film. Dieser Umstand ist vor allem im Hinblick auf die blutüberströmte Heimkehr von Dave in der Mordnacht von Bedeutung, da sich der Zuschauer schon viel früher als die Charaktere im Film mit der Schuldfähigkeit von Dave auseinandersetzen kann. Dieses Urteil ist umso schwerer zu fällen, je mehr Details über den Mord und die Vergangenheit ans Tageslicht gebracht werden. Die Auslösung dieses Rätsels hebt sich der Film selbstverständlich bis ganz zum Schluss auf und endet schließlich in einer Tragödie, die den vorangegangen Schicksalsschlägen die Krone aufsetzt.
Die dominierende Rolle in Mystic River fällt dem Charakter Jimmy zu, der von Sean Penn in wahrlich brillanter Weise auf die Leinwand gebracht wird. Sein Portrait des vom Schmerz und von Rachegelüsten angetriebenen Mannes, der mit sich selbst nicht im Reinen ist und jede Minute austicken könnte, ist wahrlich fesseln. Auch Tim Robbins kann in der Rolle des Dave restlos überzeugen und bringt seinen von besagtem Jungendtrauma geplagten Charakter perfekt auf die Leinwand. Auch Ermittler Sean alias Kevin Bacon überzeugt als geknickter Mann, dem der private Halt fehlt, da er vor kurzem von seiner Frau verlassen wurde. Auch die Ehefrauen von Jimmy und Dave (Laura Linney und Marcia Gay Harden) leisten in ihren Nebenrollen einen hervorragenden Job.
In Mystic River bleibt Clint Eastwood seinem Inszenierungsstil treu, weshalb sich wahrscheinlich nur Freunde seiner Filme mit dem Gedanken tragen werden, den Weg zur Kinokasse anzutreten. Jedoch sollten ihm alle, die nach seinen weniger gelungenen Projekten Blood Work und Space Cowboys den Glauben in ihn verloren haben, eine erneute Chance geben, da er diese mit Mystic River wahrlich verdient. Sein Drama über Schmerz, Rache, ungausgesprochene Geheimnisse und Verdächtigungen ist seine beste Arbeit seit Jahren und definitiv einen Gang ins Kino wert.