Der langsam und ruhig beginnende Film kann erst nach 45 Minuten überzeugen. Ab diesem Zeitpunkt aber zieht er den Zuschauer in seinen Bann und läßt ihn bis zum Abspann nicht mehr los.
Ein Pferd, das die Motivation und den Erfolg eines ganzen Volkes widerspiegelt - das ist Seabiscuit. So oder zumindest so ähnlich dachten sich das wohl auch Laura Hillenbrand, die Autorin der Bestseller-Romanvorlage Seabiscuit, An American Legend, und Produzent Gary Ross, der die Rechte an dem Buch unbedingt haben wollte. Dass dieser Satz für uns ein wenig merkwürdig oder übertrieben klingt, mag wohl an dem bitteren Geschmack des Patriotismus liegen, der seit amerikanischen Filmen wie Der Patriot wie ein rotes Tuch für uns Europäer ist. Natürlich kommt auch bei Seabiscuit - Mit dem Willen zum Erfolg der amerikanische Gedanke nicht zu kurz, aber dennoch wirkt der Film sympathisch.
Die ersten 45 Minuten des Filmes werden jedoch leider genau mit diesem Patriotismus verschwendet, denn es wird die Geschichte der Wirtschaftskrise in den 30er Jahren erzählt und das nicht zu knapp: von der Industrialisierung bis hin zu dem langsamen Aufstieg sieben Jahre später. Das Alles war natürlich nur durch den Einsatz der großen amerikanischen Helden möglich und so weiter und so sofort... Hier hatte ich schon fast meinen Verriss vor Augen, doch dann begann der eigentliche Film und endlich kam auch mal das Pferd ins Spiel.
Obwohl ich von Pferderennen ja nicht allzu viel halte, war ich doch gespannt und wurde nicht enttäuscht. Seabiscuit - Mit dem Willen zum Erfolg ist eine fantastische Geschichte über ein Pferd, welches - allen Vorurteilen zum Trotz - seinen Weg macht. Ein kleines Pferd mit seinem großen Jockey Red Pollard (Tobey Maguire) erobern die Herzen und gewinnen Rennen um Rennen. Das der Erfolg des Pferdes immer wieder mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Amerikas verglichen wird, wirkt zwar bei jeder Einblendung etwas an den Haaren herbeigezogen, aber darüber kann man getrost hinwegsehen (man vergisst diese Szenen sowieso nach 3 Minuten). Die schauspielerischen Leistung aller Beteiligter ist durchweg gut bis sehr gut, vor allem Tobey Maguire und Chris Cooper zeigen sich in außergewöhnlicher Manier und können begeistern.
Die von Laura Hillenbrand zusammengetragene Geschichte - ja, Seabiscuit gab es wirklich - schafft es nach anfänglichen Startschwierigkeiten den Zuschauer schnell in seinen Bann zu ziehen. Von Rennen zu Rennen fiebert man mehr und mehr mit dem kleinen sympathischen Pferd, welches sich seine Schwächen nicht eingestehen will und dem bisher erfolglosen Jockey, der in diesem Pferd einen Freund fürs Leben gefunden hat, mit. Als dann die Verletzungen über das Traumduo hereinbrechen, konnte man im Kino fast die Schluchzer hören; so sehr konnte selten ein Film bewegen und das obwohl genau das doch die Kunst der Filme ist: Den Zuschauer zu faszinieren und zu bewegen.
Seabiscuit - Mit dem Willen zum Erfolg ist die gelungene Verfilmung einer schönen Geschichte, die fast in allen Belangen überzeugen kann. Sicherlich braucht der Film sehr lange bis er warmgelaufen ist, aber sobald das Pferd auf der Strecke ist, gibt es kein Halten mehr! Ich denke, dass mit Seabiscuit - Mit dem Willen zum Erfolg ein wunderbarer Film für jung und alt geschaffen wurde, der endlich auch mal wieder eine Message vermittelt ohne dabei aufdringlich zu wirken: "Mach' Deinen Weg, egal was die Anderen behaupten oder meinen".