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Swimming Pool

(Swimming Pool, 2003)

Dt.Start: 14. August 2003
DVD: 05. März 2008
Premiere: 18. Mai 2003 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 12 Genre: Thriller
Länge: 103 min Land: Frankreich, UK
Darsteller: Charlotte Rampling (Sarah Morton), Ludivine Sagnier (Julie), Charles Dance (John Bosload), Marc Fayolle (Marcel), Jean-Marie Lamour (Franck), Mireille Mosse (Marcels Tochter), Michel Fau (erster Mann), Jean-Claude Lecas (zweiter Mann), Emilie Gavois Kahn (Kellnerin im Café), Erarde Forestali (alter Mann), Lauren Farrow (Julia), Sebastian Harcombe (Terry Long), Frances Cuka (Frau in der U-Bahn), Keith Yeates (Sarahs Vater), Tricia Aileen (Bosloads Sekretärin), Glen Davies (Barkeeper)
Regie: François Ozon
Drehbuch: François Ozon, Emmanuèle Bernheim


Inhalt

Die englische Mystery-Bestsellerautorin Sarah Morton reist in den Süden von Frankreich, wo sie über den Sommer im Hause ihrers Verlegers verweilt, um dort Inspiration für ihren nächsten Roman zu finden. Dort angekommen, trifft die Autorin auf dessen Tochter, deren ablenkende Anwesenheit Sarah in der Tat eine unerwartete Inspiration finden lässt.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Swimming Pool hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 86%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Martin Buchholz
Swimming Pool hat eine Wertung von 86%
Regisseur François Ozon, der uns zuletzt mit 8 Frauen faszinierte, präsentiert uns hier erneut ein äußerst gelungenes Kammerspiel, das gleichermaßen mysteriös wie sexy ist.

Bild aus Swimming Pool François Ozon, der Teufelskerl; da überrascht er uns letztes Jahr mit 8 Frauen, mixt gleich mehrere Genres, lässt die größten Darstellerinnen Frankreichs aufmarschieren, kreiert so einen der spannendsten, innovativsten und unterhaltsamsten Filme des ganzen Jahres, und schon ein Jahr danach präsentiert es uns seinen neuen Film, der sich hinter seinem erfolgreichen Vorgänger nicht zu verstecken braucht, im Gegenteil, mit Swimming Pool bleibt Ozon auf ähnlich hohem Niveau.

Im Zentrum der Handlung steht Sarah Morton (Charlotte Rampling). Sie ist Krimiautorin aus London und leidet unter einer Schreibblockade. Ihr Verleger John Bosload (Charles Dance) rät ihr, eine Zeitlang Urlaub auf seinem Landsitz in Frankreich zu machen. Sarah akzeptiert und schon nach kurzer Zeit hat sie sich an das sonnige Klima gewöhnt, genießt das ruhige Leben und auch die Worte fließen wieder. Doch dann taucht überraschend Johns hübsche Tochter Julie (Ludivine Sagnier) auf und zerstört mit ihrem jugendlichen Schwung das Idyll für Sarah. Doch trotz einiger Startschwierigkeiten freunden sich die beiden immer mehr an, nicht zuletzt weil Sarah merkt, dass Julie ihr mit ihrem freien Lebenswandel mehr als genug Stoff für ihr neues Buch bietet.

Zu Beginn geht es in Swimming Pool noch ganz gemächlich zu. Der erste Teil spielt in einem sehr tristen London, wo es andauernd regnet und es wahrlich nicht verwunderlich ist, dass Sarah keine Inspiration findet. Dann kommt der erste Sprung des Films, der Sarah und uns nach Frankreich, in das Ferienhaus bringt. Und wie Sarah sind auch wir als Zuschauer zuerst skeptisch ob der neuen, fremden Umgebung. Aber je mehr das Haus und die Umgebung erkundet werden, desto mehr beginnt Sarah sich wohl zu fühlen. Und bis die nächste Stufe des Films in Form von Julies Erscheinen einsetzt, vergeht schon eine Zeitlang, denn François Ozon lässt sich Zeit, geht mit ruhigen Kameraeinstellungen und sanfter Musik zu Werke. Umso krasser wirkt Julie zunächst auf uns, scheint sie doch diese Idylle zu zerstören. Denn idyllisch ist in der Tat nicht mehr viel, mit Sarah und Julie treffen zwei Welten aufeinander. Sarah ist Engländerin; Julie aus Frankreich. Sarah ist alt, prüde und konservativ; Julie jung, offen und lebensfroh. Sarah lebt alleine; Julie wechselt ihre Partner fast täglich. Logisch, dass bei diesem Aufeinandertreffen zweier grundverschiedener Lebensstile Streit vorprogrammiert ist. Dieses Hin und Her zwischen den beiden sehen wir uns eine Zeitlang an, doch schon bald beginnt Sarah, Interesse an Julie zu gewinnen. Sie findet ihr Tagebuch, merkt das Julies Leben nicht so monoton ist, wie es zunächst auf sie wirkt und fängt an, sich mit ihr anzufreunden. Wie weit diese Freundschaft gehen wird, wie sie sich entwickelt, das möchte ich an dieser Stelle gar nicht verraten, man muss selbst erfahren, auf welch geniale Weise François Ozon die Handlung weiterspinnt, wie er Realität und Fiktion verschmelzen lässt.

Nun ein Wort zu den Darstellerinnen: Ich sage bewusst Darstellerrinnen, denn zwar spielt mit Charles Dance auch ein bekannter männlicher Darsteller mit, aber wie schon bei 8 Frauen konzentriert sich François Ozon wieder auf die Damen. Und das kann er sich durchaus leisten, denn ein überzeugenderes Hauptdarstellerinnenduo habe ich selten gesehen. Mit Charlotte Rampling hat er die perfekte Engländerin gecastet. Diese feinen Nuancen, mit der sie Sarahs anfängliches Unwohlsein, ihre Skepsis darstellt, ist große Klasse. Und wenn Sarah später "auftaut" dürfen wir schlichtweg perfekte Schauspielerei bewundern. Nicht minder beeindruckend ist aber Ludivine Sagnier. Und das nicht nur, weil sie sich so sexy in der Sonne räkeln darf. Denn gut auszusehen ist nur ein Teil ihrer Rolle, darüber hinaus stellt sie Julie, an der wir gerade im späteren Verlaufe des Films immer weitere, neue Seiten entdecken, sehr beeindruckend dar. Julie ist ein sehr komplexer Charakter, der nicht einfach auf die Leinwand zu bannen ist, aber was Ludivine Sagnier hier abliefert ist einfach nur toll. Sie war ja auch eine der 8 Frauen und viele waren der Ansicht, dass sie dort etwas zu kurz gekommen ist. Dafür darf sie nun in Swimming Pool eindrucksvoll beweisen, dass sie eine der ganz großen französischen Nachwuchsdarstellerinnen ist.

Dass François Ozon einer der ganz großen französischen Nachwuchsregisseure ist, ist ja eigentlich kein Geheimnis mehr. Mit Swimming Pool stellt er sein Talent einmal mehr unter Beweis. Wie schon bei 8 Frauen konzentriert er auch hier die Handlung wieder auf relativ kleinen Raum. Und wieder gelingt es ihm, dass die Location niemals langweilig wirkt. Jede Einstellung, jeder Kameraschwenk wirkt absolut perfekt inszeniert. Wie auch die beiden Hauptdarstellerinnen ihren Charakteren bis zuletzt neue Seiten verleihen, so zeigt uns Ozon auch bis zuletzt neue Facetten des Landhauses. Bleibt noch zu erwähnen, dass Swimming Pool im Prinzip eine einzige Reminiszenz an den französische Klassiker La Piscine aus dem Jahre 1969 mit Alain Delon und Romy Schneider ist. Zwar ist Swimming Pool kein direktes Remake, weil die Handlung in einigen Punkten signifikant abweicht, darüber hinaus haben die beiden Filme aber doch gewisse Gemeinsamkeiten, gerade auch auf filmischer Ebene. So erinnern nicht wenige Kameraeinstellungen an den indirekten Vorgänger aus den 60ern, wie etwa die vielen Spiegelmotive oder auch das häufig eingesetzte Framing, bei dem die Charaktere innerhalb des Bildes noch in eine Art Rahmen gesetzt werden, zum Beispiel ein offenes Fenster.

Zudem haben beide Filme natürlich noch eine zentrale Gemeinsamkeit, auf die ich bis jetzt bewusst nicht eingegangen bin, nämlich den Swimmingpool an sich. Nicht nur, dass er immer wieder in den (Bild-) Vordergrund gestellt, ja förmlich gedrängt wird, er hat auch eine inhaltliche Funktion. Zum einen ist er eine Art Spiegel für Julies und Sarahs Beziehung. Während Sarah den Pool als "bakterienverseuchte große Badewanne" abtut, ist er für Julie eine Art Refugium, er ist ihr Terrain, in dem sie vor äußeren Einflüssen, auch von Sarahs Seite sicher ist. Und auch am Ende wird dem Pool noch eine besondere Rolle zuteil werden.

Dieses Ende wird sicherlich nicht jedermann gleichermaßen zufrieden stellen, meiner Meinung nach ist die Auflösung jedoch genial und schließt den Film sehr passend ab. Alles in allem ist Swimming Pool ein Filmerlebnis der Extraklasse, gleichermaßen spannend wie sexy, in das man getrost eintauchen kann.



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