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Neid

(Envy, 2003)

Durchschnittliche Redaktionswertung

37%



Inhalt

Als Nick, der beste Freund und Nachbar von Tim, seine Erfindung verkauft und dadurch buchstäblich stinkreich wird, scheint die Freundschaft daran zu zerbrechen. Dies führt sogar soweit, dass der Tim beginnt vor Neid durchzudrehen.

Kritik

von Sylvre Strmann

Wertung Kritik

37%

Barry Levinson zeigt in dieser unwitzigen Komödie einen im Wesen düsteren Film, der sich nicht traut, tiefschürfend und anspruchsvoll zu sein, sondern vielmehr krampfhaft versucht, durch oberflächlichen Charme zu unterhalten. So erscheint Neid eher unwirklich und zielt in allen Kategorien daneben.

Bild aus Neid Hochmut, Zorn, Traurigkeit, Habgier, Völlerei und Wollust - und Neid. So lauten seit dem sechsten Jahrhundert die sieben Todsünden. Neid war damals als Todsünde neu, als Urempfindung des Menschen allerdings nicht. Und was den Menschen im den Tiefen seiner Seele berührt, hat schon immer den Stoff dargestellt, mit dem man Publikum gewinnen konnte. Man erinnere sich an Shakespeares Othello, in dem Eifersucht die Waffe und Neid der Motor von Iagos Intrigen sind. Man denke an Molières fantastische Komödie Der Bürger als Edelmann und seinem skurrilen Monsieur Jourdain, der zwar Geld wie Heu hat, aber ihm genau eines fehlt, was der Adel ihm voraushat: Stil und Klasse. Heutzutage sehen solche Geschichten schon ganz anders aus. Neid lautet der deutsche Titel des neuen Barry-Levinson-Films ganz schlicht. Letzterem kann man nicht nachsagen, er habe als Regisseur kein Talent. Davon zeugen Filmklassiker wie Diner, Good Morning, Vietnam, Rain Man, Sleepers und Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt. Doch das ist schon einige Jahre her.

In einem kleinen beschaulichen Mittelstandskaff irgendwo in den USA leben Tim Dingman (recht gut: Ben Stiller) und Nick Vanderpark (mittelmäßig: Jack Black), Arbeitskollegen, Nachbarn, beste Freunde. Tag für Tag fährt Nick gemeinsam mit seinem Buddy Tim zur Sandpapierfabrik, in der sie beide arbeiten, und erzählt ihm beständig von Ideen für neue Produkte, für die er ein gigantisches Marktpotenzial sieht. Nur zu oft muss Tim ihn auf den Boden der Tatsachen bringen. Nick ist ein Träumer. Tim ist fokussiert und weiß, was er will. Ein Schwimmbad, für seine Familie. Er ist fokussiert und wurde längst befördert, während Nick noch weiter träumt. Alles scheint gut.

Doch dann stellt sich eine der wahnwitzigen Ideen als Verkaufsschlager dar: der Vapoorizer. Einmal kurz mit einer Dose Vapoorizer auf Hundekot sprühen und schon verschwindet das Exkrement. Binnen kürzester Zeit wird Nick zum Multimillionär, mitsamt gigantischer Villa und dekadentem Lebensstil. Und das alles just vor Tims Nase, denn aus Liebe zu seinem besten Freund, den er nicht verlassen mag, bleibt Nick in seinem Viertel. Treudoof wie er ist, merkt er dabei nicht, dass er dabei in seinem Freund nur das grünäugige Monster erwacht, den blanken, zornigen Neid.

Tim, der damals die Chance verpasst hat, seinen Freund finanziell bei der Entwicklung der revolutionären Idee zu helfen, braucht sich nicht einmal selbst Vorwürfe zu machen, sorgt doch seine Frau täglich selbst dafür. Und die imposante Villa, deren Blick er kaum meiden kann, tut ihr Übriges. Reden mag er darüber nicht, doch zerfrisst ihn der Neid merklich von innen. Die Inszenierung dessen kann mit der guten Leistung von Stiller sicher als Stärke des Films gewertet werden.

Barry Levinson zeigte in vergangenen Filmen oftmals menschliche Empfindungen, die sich um politische oder soziale Themen kreisten. Komödie gehörte immer irgendwie dazu, niemals jedoch als zentrales Element. Neid möchte gerne eine unterhaltsame, platte Komödie sein und dennoch einen Anspruch erfüllen, darüber hinauszugehen, tiefgründige menschliche Empfindungen aufzuzeigen. Das misslingt aber. Der Plot avanciert nur zögerlich und konfrontiert den Zuschauer mit zahlreichen wirren Handlungen. So taucht etwa in der Mitte des Films Christopher Walken, der Altmeister skurriler Charaktere, als kuriose Mischung aus heruntergekommenem Kneipengesellen und Fäden ziehenden Superorganisator auf. Er mischt sich ins Leben von Tim, den mittlerweile der Neid so sehr zerfressen hat, dass er gar seinen Job verloren hat, und stürzt ihn in einen solch undurchdringbaren Tumult, wie es Bestandteil zahlreicher Komödien ohne größere Anspruchshaltung ist. Der weitere Verlauf scheint fast vorprogrammiert: irgendwie wird sich Tim schon rauswinden, dann kommt der Test für die Freundschaft, dann große Schwierigkeiten und am Ende wird alles gut.

Doch gerade dabei erlaubt sich Levinson einige Ungereimtheiten. Es wirkt als hätte sich der Plot zu sehr verwunden, zu einem filmischen Gordischen Knoten, der nur noch dadurch gelöst werden kann, indem man ihn mit brachialer Gewalt zerschlägt. Konsequent und linear-logisch ist die Auflösung der Schwulitäten, in die Tim bis dahin geraten ist, bestimmt nicht und stört so die Wahrnehmung gewaltig.

Witzig ist der Film kaum. Hier und da kann man schon mal lachen, doch die meisten Gags, die man einfach an ihrer typischen Konstruktion erkennt, wirken gerade deswegen nicht, weil Neid ein Film ist, der gerne als Komödie wirken möchte ohne dabei auf ein authentisches Profil des Neids verzichten zu wollen. An manchen Stellen ist der Film einfach zu düster, einfach zu melodramatisch, als dass man darüber wirklich lachen könnte. Es ist ein Film zwischen zwei Welten, etwas Unwirkliches, das die eine Ebene verlassen hat, aber die nächste Stufe nicht erreichen kann. So wie Monsieur Jourdain...

Keine weitere Wertung


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