Endlich wieder ein Western: Robert Duvall und Kevin Costner ziehen als heimatlose Viehtreiber über Wiesen und Weiden und geraten dabei mit einem bösartigen Landbesitzer in Konflikt.
Pferde, Kühe, weites Land. Das sind offensichtlich die Dinge, die Kevin Costner am meisten inspirieren. Dazu kommt noch eine gehörige Portion Freiheitsliebe, Freundschaft und eine Frau. Wie schon in seinem Erfolgsepos Der mit dem Wolf tanzt verschlägt es Costner bei seiner dritten Regiearbeit erneut in die unendlichen Weiten des Wilden Westens. Doch diesmal ist er nicht ganz auf sich allein gestellt und wird sogar von einem niedlichen Hündchen begleitet - statt von einem Wolf.
Mit friedlichen Absichten ziehen die heimatlosen Freegrazer Boss Spearman und Charlie Waite mit ihrer Kuhherde über Wiesen und Weiden. Dabei könnte man sich keinen besseren als Rauhbein Robert Duvall für die Figur des erfahrenen, weisen und abgehärteten Boss vorstellen. Er geht in seinem Cowboy-Dasein mit Souveränität und einer Selbstverständlichkeit auf, dass es eine wahre Freude ist, im beim Rinderhüten zuzusehen. In einer ungewohnt wortkargen Rolle mit mysteriöser Vergangenheit steht ihm Kevin Costner persönlich als Charlie zur Seite, der sich neben Duvall angenehm im Hintergrund hält.
Doch Open Range - Weites Land wäre kein echter Costner-Film, wenn da nicht eine holde Maid auf ihren Helden mit Hut und Pistole warten würde. Diese Dame ist die umwerfende Anette Bening, die trotz aller Hingabe für die Rolle völlig verschwendet ist. Außer fast unerträglichen, peinlich anrührenden Annäherungsszenen und klischeehaften Dialogen gibt es für sie keine Möglichkeit, ihr Können zu zeigen.
Sehr zäh ist auch das Tempo der Inszenierung. Beeindruckende Landschaften sind ja schön und gut. Dennoch kann man von einem Western erwarten, dass er nicht erst nach der Hälfte des Filmes Spannung aufbaut. Für die alles entscheidende und für einen echten Western obligatorische Schießerei wurde dafür lobenswerter Weise viel Zeit gelassen, was für die lange Anlaufphase ein wenig entschädigt. Wunderbar realistisch und nachvollziehbar ist nicht mit einem Schuß alles getan: In einem minutenlangen Kampf um Gerechtigkeit fiebert man mit den inzwischen liebgewonnenen Freegrazern und den Bewohnern des kleinen Örtchens Harmonville.
Doch am Höhepunkt des Filmes hätte der Wolfstänzer lieber einen schnellen Schlußstrich ziehen sollen. Man hat den Eindruck, dass Herr Costner seinem Ruf als Überlängenregisseur auf Biegen und Brechen treu bleiben wollte. So bleibt nach Ende des Filmes ein gemischtes Gefühl: Sehr schön ist zwar die Aussage über Freundschaft, Loyalität, Gerechtigkeit und Freiheit, doch leider schweift der Focus zu oft vom Wesentlichen ab. Manche Stellen sind viel zu langatmig erzählt und schwächen dadurch die Qualität der wirklich gut inszenierten Passagen ab. Hätte man sich auf einen reinen Western ohne Liebesgeschichte konzentriert, wäre Open Range - Weites Land ein schöner Film geworden. Doch so fehlt einfach der Fluß im weiten Land.