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Mit vielen gelungenen Filmelementen mag Die Geistervilla zwar zu unterhalten, dennoch fehlt ihr das gewisse Etwas. Ein netter Familienfilm ist es geworden, aber sicher nichts für Horrorfans.
Eddie Murphy hatte lange Zeit schwer damit zu kämpfen, eigentlich keine vernünftige Rolle mehr spielen zu dürfen. Die einzig erfolgreichen Filme, in denen er sich verdingen konnte, waren Zeichentrickfilme wie etwa Shrek - Der tollkühne Held und Mulan, wo er tollpatschigen Charakteren seine Stimme verlieh. Das Publikum liebte ihn noch wegen seiner zahlreichen Rollen als lockerer und witziger Action-Held, meist als Polizist. So gehören zu seinen beliebtesten Filmen Beverly Hills Cop, 48 Stunden, Und wieder 48 Stunden und Metro. Auch wenn bei letzterem sein Image bereits schwer angenagt war. Mit weiteren Komödien wie Der Prinz von Zamunda und Boomerang war aus dem einstigen Crewmitglied der amerikanischen RTL-Samstag-Nacht-Vorlage Saturday Night Live (SNL) ein respektabler Comedystar geworden. Irgendwann aber kam die Zeit, da ihn plötzlich nur noch Angebote wie Dr. Dolittle und Der verrückte Professor samt Sequels erreichten. Sehr schnell wurde ein Film, in dem Eddie Murphy mitspielte, eher skeptisch betrachtet und als Zeichen von minderwertiger Komödie interpretiert.
Nun kommt also Die Geistervilla in die Kinos und der erste Eindruck verspricht einen netten kleinen Horrorfilm der alten Schule in moderner Aufmachung. Auch wenn das nicht immer begrüßenswert erscheint, kann das doch durchaus ein beglückendes Ergebnis liefern (wie etwa The Frighteners oder Blade bzw. -großzügig in der Definition alter Schule bemessen- Ring). Natürlicherweise stört zunächst das Siegel Buena Vista. Kann da tatsächlich ein vernünftiger Film zu sehen sein, wenn eine Firma dahinter steht, die vornehmlich für Kinder produziert? Bedenkt man, dass auch Kill Bill - Volume 1 dieses Emblem trägt, würde man sich wünschen, dass auch bei der Geistervilla die Kinder-Kompatibilität außen vor bleibt.
In der Tat mutet der Film zunächst etwas komödiantisch, nicht übertrieben, und baut eine sehr feine Spannung auf, an die nahtlos eine eher gemütliche, aber durchaus unheimliche Horror-Geschichte anschließen könnte. Diejenigen, die schon lange auf ein Comeback, einen neuen Karriere-Schub seitens Eddie Murphy warten, wähnen auch die Möglichkeit. So wie Jim Carrey es schaffte sich von seinem Image des absurden Comedy-Stars zu lösen, wirkt Murphy als erfolgreicher Businessman und Workaholic durchaus glaubwürdig. Der chaotische und oft auch lässig daherlaufende Cop, als den man ihn kennt, ist schnell vergessen. Eddie Murphy is back.
Diese positiven Eindrücke werden gestärkt durch ein gelungenes Dekor, passende Kamerafahrten und trickreiche Spezialeffekte. Während die Musikuntermalung für ein schauriges und Suspense geladenes Ambiente sorgt, verfeinert die anfangs undurchdringbare und mysteriöse Story die beklemmende Atmosphäre. Dadurch dass die Enthüllung der Umstände, in die Familie Evers geraten ist, durch die Charaktere selbst erfolgt, tappt der Zuschauer genauso im Dunkeln und erfährt nur peu à peu, worum sich genau die Geschichte dreht. Mit zunehmender Laufzeit wird die Situation bedrohlicher - aber auch der Film schlechter.
So kommt es, dass ziemlich schnell das Potenzial des Films dahinschwindet, ohne den Film wirklich zu vernichten. Es bleibt zwar recht unterhaltsam, doch gleichzeitig wird der Suspense graduell abgebaut, der Horror wandelt um in Abenteuer und Action und Eddie Murphy ist im Wesentlichen nur noch eine Comedy-Puppe, deren Handlungen in einem schnulzigen Wiederentdecken von Familienwerten kulminieren. Dieser Stilbruch ist insofern tragisch, als dass er so den Film in zwei Hälften teilt, die jeweils andere Hälften bräuchten; ganz abgesehen davon, dass beide Filme völlig anderen Ansprüchen entsprächen.
Eine wahre Freude ist der Film nicht, aber dennoch ein amüsanter Zeitvertreib für die kalten und dunklen Wintertage. Gerade für Familien scheint der Film aufgrund der zweiten Hälfte prädestiniert; Liebhaber soliden Horrors sollten sich zumindest nicht auf das Wagnis einlassen, sich einem schönen Szenario auszusetzen, das auf unwürdige Art und Weise zum Ende geführt wird. Kurzweilig und mit merkwürdigem Plot-Twist - sicher nicht jedermanns Sache, aber auch nicht unbedingt ein Fehler, wenn gerade nichts Besseres läuft.
Diese Review wurde erstellt mit der Unterstützung des werten Kollegen Volker Regnery. |