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Takeshi Kitano überrascht diesmal mit einer untypischen, farbenfrohen Inszenierung dreier Liebesgeschichten und schuf damit ein Meisterwerk der Filmkunst, das keiner verpassen sollte.
Japans Kultregisseur Takeshi Kitano ließ sich für seinen zehnten Film vom traditionellen japanischen Bunraku Puppentheater inspirieren. Bei den Aufführungen dieser Theaterstücke sieht man meist metergroße ca. 10 Kilo schwere hölzerne Figuren agieren, welche jeweils drei Puppenspieler (die im Hintergrund zu sehen sind) bewegen.
Die Geschichte des Films ist in drei einzelne Teile zerlegt: In der ersten Episode geht es um das glückliche Liebespaar Matsumoto und Sawako! Die Beiden haben sogar schon Heiratspläne, doch aufgrund der Einmischung und dem Druck seiner Eltern, entschließt er sich, die Tochter seines Chefs zu heiraten um sich selbst eine finanziell gesicherte Zukunft zu garantieren. Kurz vor der Hochzeit begeht Sawako einen Selbstmordversuch, den sie zwar überlebt, der aber nicht ohne Folgen bleibt: Sie hat ihr Gedächtnis verloren. Als Matsumoto dies erfährt, lässt er die Hochzeit abblasen um Sawako an Orte zu führen, an denen beide glückliche Zeiten erlebt hatten. Geschichte Nr. 2 erzählt von einem alternden Yakuza-Boss, der in seiner Jugend schwer als Fabrikarbeiter schuften musste. Seine Freundin brachte ihm in den Pausen immer etwas zum Essen mit in den Park. Als die Beiden sich trennen, prophezeit sie ihm, dass sie jeden Samstag auf ihn im Park mit einem Mittagessen warten würde. Jetzt, gut 30 Jahre später spürt der vereinsamte Yakuza-Boss wieder das Verlangen in den Park zu gehen. Die letzte Episode befasst sich mit dem Fankult: Nukui ist der wohl größte Fan des Teenpopstars Haruna. Als diese bei einem Autounfall schwere Verletzungen davonträgt und nicht will, dass sie je ein Fan so sieht, fasst Nukui einen folgenschweren Entschluss um seiner Liebe Nahe zu sein.
In diesen drei Storys zeigt Kitano (der neben der Regie auch das Drehbuch geschrieben hat) auf eindrucksvolle Art und Weise wunderbar traurige Geschichten einzelner Liebespaare, die auch immer wieder in kleinen Anspielungen verknüpft werden (z. B. Der Handyklingelton von Matsumoto oder die Weitergabe des Mittagessens an Nuriko). Alle drei Varianten der Ewigen Liebe ohne Zukunft sind sehr interessant und gut durchdacht, vor allem aber gefällt mir wie intensiv die Figuren kreiert wurden. So baut man eine gewisse Sympathie zu den einzelnen Charakteren auf, die allerdings hauptsächlich auf das Mitleid zu den einzelnen Paaren beruht. Die Enden der drei Geschichten sind sehr gelungen und ich kann Kitanos Kommentar ("Dolls ist in vielerlei Hinsicht noch viel grausamer und brutaler als Brother.") im Bezug darauf nur zustimmen, da diese tragischen Momente, seelisch viel schlimmer zu verarbeiten sind, als die Grausamkeiten in seinen bisherigen Filmen.
Bei den technischen Aspekten der Inszenierung kann man eigentlich nur von einer Meisterleistung sprechen. Der Film hat sehr einfallsreiche und optisch brillante Kameraeinstellungen zu bieten: Wenn Sawako hinter dem Auto mit dem Blaseball spielt oder Matsumoto mit seiner Liebsten durch die farbenfrohen vier Jahreszeiten in Japan läuft, da kann das Herz eines jeden Kinofans nur höher schlagen, denn solche wundervollen und wunderschönen Einstellungen bekamen wir schon lange nicht mehr auf der Leinwand zu sehen. Ebenfalls als sehr genial kann man auch den Schnitt bezeichnen, da Kitano bei den ständigen Wechseln, ob nun von Geschichte zu Geschichte oder von Jahreszeit zu Jahreszeit, ein perfektes Timing bewiesen hat! Die musikalische Untermalung kann sich mehr als nur sehen lassen, denn sie verstärkt die tristen und traurigen Geschichten dermaßen, dass man nach und nach selbst in diese trübe Stimmung hinein versinkt. Ebenfalls möchte ich noch die entworfenen Kostüme von Japans Modeschöpfer Yohji Yamamoto in den Vordergrund heben, da diese ein wahres Fest für die Augen sind. Selten sah man solch visuell beeindruckende Kleidungsstücke, die auch jeweils perfekt der Szenerie angepasst wurden.
Die Darsteller spielen alle sehr groß auf! Besonders gefiel mir die ausdrucksstarke Miho Kanno, welche fast ohne jegliche Dialogszene und nur durch ihre Mimik zu überzeugen weiß. Ob nun Hidetoshi Nishijima (Matsumoto), Tatsuya Mihashi (Yakuza-Boss), Chieko Matsupara (Frau im Park) oder Ktsutomu Takeshige (Nukui): Sie alle sind perfekt in ihren Rollen besetzt und auch die japanische Pop-Sängerin Kyoko Fukada (am ehesten bekannst aus Ringu 2) beweist, dass sie nicht nur Singen kann.
Für mich persönlich ist Dolls mit der größte Film den ich je sehen durfte! Durch die grandiose Inszenierung, der guten Darstellerleistungen und aufgrund des gelungenen Drehbuchs, gelang es Takeshi Kitano einen der wohl mitfühlensten, stimmungsvollsten und visuell perfektesten Filme aller Zeiten zu schaffen. |