Der überdimensionale Sonntag-Abend-Fernsehfilm leidet sehr unter der zu verschwommenen Trennung von Fiktion und Realität.
Die Ankündigung von Baltic Storm liest sich schon recht spannend: Am 28. September 1994 versank die Fähre M/S Estonia in den Fluten der Ostsee. 852 Menschen verloren dabei ihr Leben. Noch heute, neun Jahre danach, sind die Hintergründe des Untergangs nicht aufgeklärt und liegen die Toten noch immer auf dem Grund der Ostsee. [...] Baltic Storm setzt dort ein, wo die Fragen beginnen.
Verschwörungstheorien sind groß in Mode (man denke nur mal an den 11. September) und gerade deshalb ist man wohl so sensibilisiert, wenn es darum geht, dass Menschen, Regierungen oder andere "höhere Mächte" für Katastrophen verantwortlich sein sollen bzw. diese sogar ausgelöst haben sollen. Daher wird auch der "Aha-Effekt" in dem Aufklärungsfilm über den Untergang der M/S Estonia stark geschmälert, denn man ist sich zu keinem Zeitpunkt sicher, was denn nun Fiktion und was harte Realität ist. Oftmals scheint es so, als ob die Macher absichtlich versuchen, das Ganze etwas schwammig darzustellen, um sich nicht gegenüber den beschuldigten Regierungen verantworten zu müssen. Das Baltic Storm von der schwedischen Regierung mit einem Vorführungsverbot belegt wurde, wundert dennoch kaum, denn man beschuldigt ohne Umschweife die Regierungen der beteiligten Staaten Estland, Finnland, Schweden und natürlich Russland und die USA in aller Härte.
Aus der Thematik einen Kinofilm zu machen war wohl - im Nachhinein betrachtet - eine Fehlentscheidung, denn Baltic Storm wirkt keineswegs wie ein echter Leinwandfilm (wie es JFK - John F. Kennedy - Tatort Dallas oder andere Polit-Thriller tun), sondern vielmehr als Sat1-Sonntagabend-Spielfilm. Einzig die Schauspieler zeigen ihr Können und beweisen des Öfteren, dass der Film durchaus Potential hätte, aber leider verpuffen diese Lichtblicke zu schnell, als dass man Baltic Storm daran aufhängen könnte. Übrig bleibt nur eine weitere Verschwörungstheorie, die sich im Fernsehen besser gemacht hätte, als im Kino.