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Sofia Coppolas zweiter Spielfilm nach The Virgin Suicides erzählt die Geschichte zweier verlorener Seelen, die im fernen Japan zueinander finden. Lost in Translation umgeht die typischen Merkmale einer Romanze, zeigt verträumte Aufnahmen des nächtlichen Japans und schafft es sowohl witzig als auch traurig zugleich zu sein. Das kleine Meisterwerk wurde mit zahlreichen Filmpreisen überschüttet und gewann sogar den Oscar für das "Beste Originaldrehbuch".
Das Projekt, das Drehbuchautorin und Schauspielerin Sofia Coppola realisieren wollte, stand zunächst unter keinem guten Stern. So fehlte nicht nur das Budget von vier Millionen US-Dollar, das jedoch schließlich doch noch zusammengebracht werden konnte, sondern auch Bill Murray, der Coppola zwar zugesagt, aber keinen Vertrag unterschrieben hatte. Doch Murray hielt sein Versprechen und traf am ersten Drehtag, dem 29. September des Jahres 2002, in Japan ein. - Zum Glück, denn ohne seine herausragende Darstellerleistung hätte die Tragikomödie wahrscheinlich deutlich an Qualität eingebüßt.
Bob Harris (Bill Murray) war früher ein gefragter Actionstar, doch heute ist er ein einsamer Mann, der kaum noch Aufträge erhält und dessen Ehe nur noch so dahinplätschert. In Tokio möchte man ihn dennoch für eine Whiskey-Werbung engagieren, denn seine Bekanntheit hat der gealterte Schauspieler nicht verloren. In der Bar seines Hotels trifft Bob auf Charlotte (Scarlett Johansson), die junge Ehefrau des Starfotographen John (Giovanni Ribisi), die sich ebenso wie er einsam fühlt, da ihr Mann nur noch Augen für seinen Beruf hat. Zusammen tauchen die beiden Amerikaner in die fremde Welt Japans ein und sprechen über ihr Leben.
Die Handlung von Lost in Translation ist nicht unbedingt komplex oder wendungsreich. Eine Stärke liegt aber dafür in Coppolas origineller Idee, eine romantische Tragikomödie ganz ohne Klischees zu inszenieren. So wird hier eben kein typisches Traumpaar gezeigt, dessen Liebe unmöglich ist, weil sich die beiden in unterschiedlichen Beziehungen befinden. Vielmehr liegt der Schwerpunkt auf der Charakterisierung zweier Menschen, die gemeinsam über ihr Leben philosophieren, ähnliche Probleme haben und sich einfach auf Anhieb verstehen. Zwischen Bob und Charlotte gibt es eine außergewöhnliche Seelenverwandtschaft, denn ihre Verbundenheit wird bereits beim ersten Treffen deutlich, bei welchem sie sich nicht einmal einander vorstellen brauchen. Die ungewöhnliche Beziehung, die Coppola zeigt, verzaubert den Zuschauer und macht den Film hochinteressant. Dabei macht die Regisseurin nie den Fehler, irgendeine Bettszene oder dergleichen zu zeigen, denn das hätte den Film und seine Atmosphäre komplett zerstört.
Einen weiteren Pluspunkt kann Coppola mit ihrer Art der Inszenierung erlangen, da sie mehr Wert auf Improvisation als auf bereits festgelegte Dialoge und Schauplätze setzt. Somit wirken nicht nur die Gespräche von Charlotte und Bob viel realer und schöner, sondern auch viele Momentaufnahmen. Beispiele gibt es viele, wie die Szenen in der U-Bahn, die heimlich gedreht wurden, Bobs Karaokeshow und sogar der bekannte Abschiedskuss, den Murray und Johansson spontan in das Skript mit einarbeiten wollten.
Lost in Translation hatte nie den Anspruch eines der größten Filmereignisse überhaupt zu werden. Vielleicht gelingt gerade deshalb ein hervorragender Film, der mit Bill Murray und Scarlett Johansson zwei wunderbare Hauptdarsteller zu bieten hat und es schafft, sich von den üblichen Mainstreamfilmen abzugrenzen. Ein großartiger Soundtrack sowie wunderschöne Aufnahmen der mit Licht erfüllten Stadt Tokio begleiten eine romantische Tragikomödie, die man sich auf jeden Fall - am besten zu zweit - anschauen sollte. |