In diesem erotischen Thriller gelingt Romantikerin Meg Ryan ein überzeugender Imagewechsel, der jedoch in der zunehmenden Spannungslosigkeit von Jane Campions Romanverfilmung untergeht. Die Regisseurin beschäftigt sich lieber in düsterer Atmosphäre und erotischen Bildern mit der weiblichen Psyche, anstatt das Publikum durch Spannung bei Laune zu halten.
Romantik-Spezialistin Meg Ryan (Kate & Leopold und Stadt der Engel) vollzieht für The Piano Regisseurin Jane Campion einen krassen Imagewechsel und präsentiert sich in dem düsteren und erotischen Thriller In the Cut als sexy New Yorker Englischlehrerin. An ihrer Seite erleben wir Mark Ruffalo (30 über Nacht) als mysteriösen Ermittler des Morddezernats, mit dem sie eine heiße, aber gefährliche, Affäre beginnt und damit ihre sexuellen Abgründe erforscht. Der Film basiert auf Susanna Moores gleichnamigen Roman aus dem Jahre 1995, der wegen seiner düsteren Intensität und seiner expliziten Sexualität kontrovers diskutiert wurde.
Die etwas schüchterne aber attraktive New Yorker Lehrerin Frannie Thorstin (Meg Ryan) trifft sich in einer zwielichtigen Bar mit einem Studenten, um über das aktuelle Aufsatzthema zu diskutieren. Als sie dort die Toilette aufsucht, wird sie Zeugin eines Blowjobs und schaut dem erotischen Schauspiel genüsslich zu. Dass man dabei das primäre Geschlechtsmerkmal des Mannes in Großaufnahme zu sehen bekommt, ist vor allem für ungeübte Betrachter von großer Bedeutung, da selbige sonst auf keinen Fall merken könnten, dass es sich hierbei um einen Blowjob handelt. Provokation hin oder her - diese Szene ist schlichtweg ein Griff ins cineastische Klo.
Wenige Tage später steht plötzlich Detective James Malloy (Mark Ruffalo) vor Frannies Tür und befragt sie zu einer Leiche, die in der Nachbarschaft gefunden wurde. Nachdem Frannie mehrere Details über die Ermordete mitgeteilt bekommt, realisiert sie, dass es sich dabei um die Frau aus der Bar handelt, die sie damals beim Blasen genüsslich beobachtete. Gleichzeitig fällt ihr auch eine Tätowierung auf James Unterarm auf, die der des Mannes aus der Bar verdächtig ähnlich sieht. Obwohl sie James daraufhin nicht wirklich über den Weg traut, lässt sie sich verführen und beginnt eine heiße Affäre mit ihm.
Regisseurin Jane Campion ging es bei In the Cut primär um die Analyse der weiblichen Psyche, die sie durch erotische Szenen und intime Dialoge zu ergründen versucht. Dabei geht jedoch die Spannung um die Suche nach dem kaltblütigen Killer verloren, die diesem Thriller wahrlich gut getan hätte. Man bekommt zwar mit James Malloy einen hervorragenden Hauptverdächtigen geliefert, der aber trotz einer guten Leistung von Mark Ruffalo nach einer gewissen Zeit abgenutzt ist. Fast schon lieblos werden daraufhin, in der Hoffnung die Spannung aufrecht zu erhalten, mit Frannies Studenten Cornelius Web, Frannies Ex-Freund John Graham (Kevin Bacon) und Malloy Kollegen Richard Rodriguez drei weitere Verdächtige in die Handlung hineingeworfen. Dies misslingt vollkommen und so plätschert der Film fortan unspannend vor sich hin und ergötzt sich an seiner düsteren und erotischen Atmosphäre.
Obwohl Meg Ryan in ihrer Rolle einen sehr guten Eindruck hinterlässt und gekonnt mit ihrer Schüchternheit und ihrem Sexappeal spielt, enttäuscht die Romanverfilmung In the Cut auf ganzer Linie. Die fehlende Spannung macht den Film zu einem zähen und nervenden Kinoerlebnis, das durch seine düstere Optik und seine heißen Szenen vergeblich zu begeistern versucht. Meg Ryans Image-Wechsel ist somit gelungen, hat nur leider in einem überaus dürftigen Film stattgefunden.