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Dass die Inszenierung und die Darstellerleistungen mehr als nur überzeugend sind steht außer Frage. Die Story jedoch weiß (obwohl es sich um eine wahre Begebenheit handelt) weniger zu gefallen, da die Charaktere und deren Verhaltensweisen eindeutig überzeichnet wurden und es die pseudophilosophischen Ansätze es nicht schaffen, die durchwachsene Geschichte zu überdecken.
Nach Das Experiment kommt aus den deutschen Landen wieder ein Film, der mit dem Stempel basierend auf wahren Ereignissen Zuschauer ins Kino locken will. Die Geschehnisse dieses Filmes lehnen sich nämlich an die Steglitzer Schülertragödie aus dem Jahre 1927 an. Jedoch stellt Regisseur Achim von Borries die wahren Fakten in den Hintergrund und verließ sich nur auf seine Inszenierung.
Die beiden Freunde Paul und der homosexuelle Günther kosten ihr Leben in vollen Zügen aus. In ihrem Übermut gründen sie einen Selbstmörderclub in dem sie festlegen, dass Liebe der einzige Grund wäre, zu Töten oder Selbstmord zu begehen. Des weiteren verpflichten sie sich zum Freitod, wenn sie meinen keine Liebe mehr empfinden zu können und außerdem alle mitzunehmen, die dafür verantwortlich sind. Der Tag scheint schnell zu kommen, denn Günthers Schwester Anne betrügt Paul mit dem Lover ihres Bruders.
Die Geschichte hört sich sehr interessant an und weckt auch schnell das Interesse des Zuschauers. Jedoch stellt man spätestens nach gut der Hälfte des Filmes fest, dass dieser keine größere Substanz hat und es sich nur um ein 08/15-Liebesdrama handelt. Dies versuchen die Machen mit vielen philosophisch angehauchten Dialogen zu kaschieren. Zwar sind die Gedichte und die Rededuelle mitunter sehr positiv aufzunehmen, da in manchen viel Wahrheit steckt, aber mit der eigentlichen Handlung des Filmes haben sie meist wenig zu tun und lenken mehr von den eigentlichen Geschehnissen ab, als dass sie dem Handlungsfluss dienen.
In Sachen Inszenierung konnte Achim von Borries hingegen punkten: Man merkt deutlich, welche Liebe er in die Ausstattung des Filmes investiert hat, da die Bauten, die Kostüme und die Szenerien immer gut gewählt wurden. Ein weiterer positiver Aspekt für das Gesamtbild des Films ist der Verzicht auf hektische Schnitte und der Einsatz von langen Szenen mit vielen Dialogen und schönen Bildern.
Ein gutes Händchen hatte man ebenso bei der Wahl der Darsteller. Good Bye, Lenin! Shooting-Star Daniel Brühl nimmt man den unerfahrenen, schüchternen Philosophen ohne Weiteres ab, aber August Diehl kann mit einer noch viel größeren Performance aufwarten. Der Typ besitzt in seiner Rolle einen unglaublichen Charme, den er gekonnt ausspielt. Mit der Femme Fatale Anna Maria Mühe hatte ich anfangs ein wenig Probleme, denn sie schaut irgendwie immer so treudoof in die Kamera, dass man ihr das Luder nicht so recht abkaufen wollte, was zu Beginn sicherlich aber auch der erste Eindruck ihres Charakters sein sollte.
Trotz gelungener, ruhiger Inszenierung, trotz liebevoller Details, trotz gut aufgelegter Schauspieler: Man wird mit der Geschichte des Filmes einfach nicht warm, vor allem da man sich auch nur am Rande mit den Ereignissen der Steglitzer Schülertragödie befasste und sich die Drehbuchautoren zu sehr auf eine Standardliebesgeschichte versteift haben. Wer darüber hinwegsehen kann, bekommt aber einen handwerklich souveränen Film geliefert. |