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Terry Gilliams von Drogenexzessen getragene Momentaufnahme der frühen 70er auf Basis des berühmten Buchs von Hunter S. Thompson mit einem Johnny Depp in Bestform.
Als Hunter S. Thompson 1971 dem Rolling Stone für die vierte Jubiläumsausgabe die erste Hälfte seiner Las Vegas Odyssee überreichte, nutzte er für Story und Credits das Pseudonym Raoul Duke; zu Recht befürchtete er bei Veröffentlichung der drogengetränkten und politisch völlig unkorrekten Momentaufnahme der aussterbenden Hippie Generation negative Auswirkungen auf seine Arbeit als Korrespondent an der 1972er Präsidentschaftswahl. Später wurde die Geschichte unter seinem Namen als Buch veröffentlicht und Thompsons Stil als "Gonzo Journalismus" bekannt, der sich durch die subjektive Sichtweise des sich im Mittelpunkt befindenden Autors definierte. "Fear and Loathing" wurde zum feststehenden Ausdruck im Amerikanischen.
Bill Murray (Ghostbusters, Lost in Translation) hatte bereits 1980 versucht, seinen Freund Dr. Thompson neben Peter Boyle (Red Heat, Scooby-Doo 2) als sein Anwalt in Where the Buffalo Roam zu portraitieren, was aber aufgrund der schlechten Inszenierung völlig floppte. Einzig und allein Murrays weitestgehend gelungene Darstellung des Hauptcharakters könnte für eingefleischte Thompson-Fans interessant sein. Bei Fear and Loathing in Las Vegas hat sich allerdings Monty Python Ikone Terry Gilliam, der die Kinowelt mit Filmen wie Brazil, The Fisherking oder 12 Monkeys bereicherte, buchstäblich dem Stoff gewidmet. Sein mehr künstlerischer und weniger kommerzieller Stil passt hervorragend zu Hollywoods bekanntesten Anti-Blockbuster-Star, Johnny Depp. Dieser bekennt sich selbst als Fan des Buches seit seiner Jugend und verbrachte einige Monate mit Thompson, um jede Kleinigkeit in Gestik und Mimik kopieren zu können, nutzte die aufbewahrten Klamotten, ließ sich den Kopf halb kahl scheren und konnte die originalen Manuskripte des Vegas Trips einsehen, um festzustellen, dass tatsächlich alles so passierte wie im Buch beschrieben, sogar noch extremer.
Der Film wird, á la Apocalypse Now, von Johnny Depps Voice-Overs begleitet, die die Dialoge ergänzen oder uns Einblicke in ein Gehirn voll mit Gras, Acid, Meskalin, Kokain und/oder Äther geben. Wem die Inhaltsangabe zu schwammig ist, dem sei gesagt, dass der Film hauptsächlich aus stimmungs- wie auch filmtechnisch genial umgesetzten absurden Situationen besteht und so kaum eine genauere Beschreibung zuläßt. Gerade das aber macht den Film aus, Johnny Depp und Benicio Del Toro (Snatch - Schweine und Diamanten, Traffic - Macht des Kartels) torkeln als klassische Antihelden, von psychedelischen und detailverliebten Bildern und genialem Soundtrack unterstützt, durch eine Aneinanderreihung von Quasi-Kurzgeschichten über Hotelzimmerverwüstungen, Trips durch die Vegas Entertainment Welt, den Nationalen Drogenkongress der Bezirksanwälte und diverse kleinkriminelle Verstrickungen. Witzig sind auch die mehr oder weniger langen Auftritte von Tobey Maguire (Spider-Man, Seabiscuit - Mit dem Willen zum Erfolg) als Anhalter, Christina Ricci (Sleepy Hollow, Monster) als Jesusfreak und Barbara Streisand Fan, Cameron Diaz (Gangs of New York, 3 Engel für Charlie) als TV Reporterin, Flea (Red Hot Chili Peppers) und Thompson selbst. Ein Film für die Sparte "Komödie mit künstlerischem Anspruch", den man sich am Besten mit ein paar Freunden und ein paar Bier anschaut. Dem englischkundigen Zuschauer sei auch die Originalversion empfohlen, da Thompson ohnehin schwer zu übersetzen ist und Johnny Depp auch in Sachen Stimmimitation hervorragende Arbeit leistet.
Dieses Jahr erwartet uns noch die Verfilmung des Thompson Romans The Rum Diary, wieder mit Johnny Depp und Benicio Del Toro (der auch Regie führt), sowie Nick Nolte (Hulk, Kap der Angst) und Josh Hartnett (Pearl Harbor, Black Hawk Down). Man darf gespannt sein! |