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Quentin Tarantinos dritte Regiearbeit über einen illegalen Geldtransfer mit zu vielen Teilnehmern besticht wie auch Pulp Fiction durch hervorragende Besetzung und Inszenierung.
Nach dem Überraschungserfolg von Reservoir Dogs - Wilde Hunde und DEM Film der 90er, Pulp Fiction, war Quentin Tarantino zu einem beachteten und gefragten Regisseur aufgestiegen. Seine Arbeiten als Produzent (Killing Zoe), Schauspieler (From Dusk Till Dawn, Desperado) und Drehbuchautor (From Dusk Till Dawn, True Romance, Natural Born Killers) untermauerten den Status und drei Jahre nach Pulp Fiction kam mit Jackie Brown endlich die lang erwartete dritte Regiearbeit (die Episode von Four Rooms mal außer Acht gelassen).
Der Film basiert auf Elmore Leonards Roman "Rum Punch" und erzählt die Geschichte einer schwarzen Stewardess, die aufgrund einer Anklage wegen Geld- und Drogenschmuggels in Zusammenarbeit mit den Cops ihren Auftraggeber auffliegen lassen will, um so der Verurteilung zu entgehen. Tatsächlich hatte Tarantino überlesen, dass die Figur der Jackie Brown in "Rum Punch" weiß ist. Doch das Drehbuch war schon in Arbeit und Tarantino hatte für die Rolle der Jackie Brown eine seiner Lieblingsschauspielerinnen, Pam Grier, vorgesehen. Pam Grier war in den 70ern durch Filme wie die Jack Hill Streifen Foxy Brown und The Big Doll House als Star des Blaxploitation Kinos bekannt geworden, quasi als das weibliche Gegenstück zu Shaft alias Richard Roundtree (Sieben, Shaft 2000). Tarantino beginnt den Film mit einer Hommage in Form einer minutenlangen, Jackie folgenden, Kamerafahrt. Auch der geniale Soundtrack ist größtenteils als Referenz zu sehen, besonders natürlich der von Pam Grier gesungene Song "Longtime Woman".
Passenderweise wird Jackies Auftraggeber Ordell Robbie von einem der erfolgreichsten neuzeitlichen schwarzen Schauspieler verkörpert, Samuel L(eroy) Jackson (Stirb Langsam: Jetzt erst recht). Mit fusseligem Pferdeschwanz, geflochtenem Kinnbärtchen und ultra-lässigen Klamotten übertrifft er Screwdriver-schlürfend sogar noch die Coolness von Jules, seinem Charakter in Pulp Fiction. Und die anderen Hauptrollen sind nicht weniger hochkarätig besetzt: Ordells beschränkter Komplize Louis wird von Über-Darsteller Robert DeNiro gespielt, über dessen Qualitäten und Filme wohl nichts mehr geschrieben werden muss. Beachgirl Melanie, Ordells ständig kiffendes Mädchen für alles, wird von Bridget Fonda (A Simple Plan, Singles) sprichwörtlich verkörpert und rekelt sich die meiste Zeit auf der Couch rum, bis ihre Rolle ein nicht unwitzig plötzliches Ende nimmt. Neben den bodenständigen Rollen von Altmeister Robert Forster (Mulholland Drive - Straße der Finsternis, Ich, Beide & Sie) als Kautionsvermittler Max Cherry und Michael Bowen (Magnolia, Iron Eagle) als Dargus fällt besonders positiv überraschend Michael Keaton auf, der dem Cop Ray Nicolette (gleicher Charakter wie in Out of Sight) eine witzige und zugleich ernsthafte Art verpasst. Keaton war seit seinen Erfolgstagen mit Beetlejuice oder Batman etwas untergegangen. Außerdem dabei: Chris Oberplaupermaul Tucker (Rush Hour, Das Fünfte Element) als Beaumont Livingston und Kurz-Auftritt-King Tom 'Tiny' Lister Jr. als Max Cherrys Partner Winston.
Die Story ist komplex und unterhaltend; man muss allerdings dranbleiben, sonst entgeht einem leicht, was Jackie in dem dreifach verschachteltem Coup tatsächlich plant. Diesen erzählt Tarantino als Quasi-Showdown nicht linear, sondern aus der Sicht der verschiedenen Beteiligten mit entsprechenden Zeitsprüngen. Nicht weniger genial ist der Rest des Films inszeniert, von abwechslungsreicher Kameraarbeit und stimmungstragenden Sets mit charismatischer Beleuchtung bis hin zu den typischen Tarantino-Style Dialogen, die sich wie gewohnt nicht unbedingt um die Story drehen. Bei fast zweieinhalb Stunden Spielzeit und verzwickter Geschichte keine leichte Kost, sondern intelligentes Kino mit (schwarzem) Humor und großartigen Schauspielern. |