Leider schaffte es Regisseur D.J. Caruso nicht, das Potential der eigentlich gelungenen Story, auch nur im Ansatz auszuschöpfen. Auch die Darsteller, allen voran Oskarpreisträgerin Angelina Jolie, enttäuschen auf ganzer Linie. Deshalb ist Taking Lives ein eher unterdurchschnittlicher den unterhaltsamer Thriller.
Angelina Jolie auf der Jagd nach einem Killer, der die Identität seiner Opfer annimmt: Die Story, aus der Feder von Hillary Seitz (Insomnia - Schlaflos) und Jon Bokenkamp, klingt viel versprechend, und der Film ist mit Ethan Hawke, Kiefer Sutherland und eben besagter Angelina Jolie, zumindest von den Namen her, gut besetzt. Doch was Regisseur D.J. Carusc dann abliefert, hat mit einem guten Thriller nicht viel gemein.
Der Film beginnt mit einem ersten Mord, der Jahre vor der eigentlichen Handlung passierte, eigentlich ganz ansehnlich. In der Gegenwart angekommen, fängt man dann aber doch sehr schnell an, die Klasse des Streifens anzuzweifeln. Es werden erst einmal ein paar Charaktere in die Handlung geworfen, von denen man nichts weiter erfährt, als dass sie sich um den Fall einer ausgegrabenen Leiche kümmern sollen. Dabei wirkt der Auftritt von Illeana Scott, gespielt von Jolie, besonders lächerlich: Sie ist zunächst verschwunden, doch als der Polizeipräsident und der Polizist, der den Auftrag hatte die FBI-Profilerin vom Flughafen abzuholen, sich auf die Suche nach der Verschollenen machen, finden sie sie mitten in der Nacht in dem Grab der gefundenen Leiche liegend. Der Regisseur wollte damit wohl irgendwie darauf hinweisen, dass Scott übernatürliche Wahrnehmungen besitzt, worauf aber später nicht mehr eingegangen wird. Nach einem weiteren Mord taucht dann Ethan Hawke als angeblicher Zeuge der Tat auf.
Es folgt eine Reihe von Ermittlungen, die so schlecht und spannungsfrei inszeniert wurden, dass man nur aufpassen muss, beim Schlafen nicht den Popcorneimer umzuschmeißen. Denn jeder normale Mensch kennt zu diesem Zeitpunkt schon den Täter. Die Macher des Films scheint das nicht sonderlich zu stören, und sie versuchen weiter, den Zuschauer auf die falsche Fährte zu locken, was die Sache nur noch verschlimmert. Auch der Versuch mit einer billigen Verfolgungsjagd gegen Ende des Films etwas Action in die Handlung zu bringen, geht ordentlich in die Hose. Dem männlichen Zuschauer ist das aber inzwischen schon egal: Er wurde durch eine Liebesszene zwischen Hawke und Jolie, bei der man deren Brüste zu sehen bekommt, "zufrieden gestellt". Auf diese Weise wird der Verlust des Eintrittspreises wenigstens etwas erleichtert. Das Ende des Films ist jedoch wieder so schwach, dass selbst dieser Lichtblick verblasst.
Obwohl man bei ein paar Szenen etwas erschrickt, schafft es Taking Lives nie wirklich, Spannung aufzubauen. Die Darsteller wirken unsympathisch und die Handlung ist genau so vorhersehbar, wie das Michael Schumacher wieder Weltmeister wird. Der eigentliche Plot des Films, der Identitätswechsel des Täters, spielt leider nur eine Nebenrolle und wird zu stümperhaft ausgeführt. So versinkt Taking Lives in die Belanglosigkeit und wird wohl schnell vergessen. Wer einen wirklich guten Thriller sehen will, sollte sich doch lieber Sieben oder Identität anschauen!