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Bei den Brüdern Joel und Ethan Coen darf man immer Großes erwarten, doch mit "The Big Lebowski" haben sie sich selbst übertroffen. Wie jedes ihrer Werke ist auch dieses anders als die anderen, doch die typischen Coen-Elemente sind vorhanden und dieses Mal ist der Film mit seiner ausgefeilten, witzigen und mit überragenden Schauspielern umgesetzten Geschichte sogar problemlos mit dem breiten Publikum kompatibel.
Es gibt einige Filme, die partout in keine Genre-Schublade passen wollen. Das ist bei The Big Lebowski nicht der Fall. Die Schublade heißt Coen Brothers. Die Brüder Joel (Regie) und Ethan (Produktion) wirbeln seit Mitte der 80er im Filmgeschäft mächtig Staub auf und brachten uns Perlen wie Fargo - Blutiger Schnee, Barton Fink, The Man Who Wasn't There, O Brother, Where Art Thou?, Miller's Crossing, Blood Simple oder aktuell Ladykillers und Ein (Un)möglicher Härtefall. Ihre Werke haben mit der Detailreichheit in Story und Ausstattung und den schrulligen Haupt- und noch schrulligeren Nebencharakteren wahrlich eine eigene Schublade verdient; The Big Lebowski käme ansonsten höchstens eine Beschreibung á la "Rabenschwarze Komödie" am nächsten. Allerdings fällt man nicht vor Lachen von der Couch, sondern ertappt sich selbst bei einem permanenten Grinsen und der ständigen Frage im Kopf: Wie kommt jemand auf so was?
Jeff Lebowski, der sich selbst "Dude" nennt, ist arbeitslos, faul und irgendwo in den 60ern stehen geblieben. Seine einzige wirkliche Beschäftigung ist das Bowlen mit den ebenso eigenwilligen Zeitgenossen Donny und Walter. Walter ist ein leicht reizbarer Vietnam-Veteran und hat sich wegen seiner Ex-Frau dem jüdischen Glauben angeschlossen. Donny dackelt seinen Bowling-Partnern hinterher und hat eigentlich gar keinen Plan. Dudes Alltagsroutine gerät eines Abends ins Wanken, weil zwei Schlägertypen mit dem Verlangen der Schuldeneintreibung bei ihm eindringen. Als sie merken, dass es sich um eine Namenverwechselung handelt, urinieren sie auch noch auf seinen Lieblingsteppich. Der Dude macht sich auf, um sich von seinem in einer Villa residierenden Namensvetter, dem "Big Lebowski", den Teppich ersetzen zu lassen, was auch mehr oder weniger klappt. Als dessen etliche Jahre jüngere Ehefrau, das Sex-Sternchen Bunny, zwecks Lösegeldforderung entführt wird, holt der "Big Lebowski" den Dude zur Hilfe. Doch einmal in die Geschichte reingezogen, kommt es wesentlich dicker für den Dude, denn es sind noch einige andere Figuren darin verwickelt: die exzentrische Maude Lebowski und ihr irrer Lebensgefährte, eine Gruppe Nihilisten, der Porno-Produzent Jackie Treehorn und seine Handlanger, ein Privatschnüffler und ein Autodieb; dass der Dickkopf Walter sich einmischt, macht die ganze Sache nicht leichter.
Die Liste weiterer aberwitziger Kurzauftritte coen-istischer Nebenfiguren ist lang. Doch allein die Hauptcharaktere machen den Film schon zu einem Vergnügen. Jeff Bridges spielt den Althippie Dude erschreckend überzeugend, so schmierig hat man ihn seit König der Fischer wohl nicht mehr gesehen. Bridges ist mit über 50 Filmen ein alter Hase im Geschäft, in den letzten Jahren machte er vor allem mit Seabiscuit - Mit dem Willen zum Erfolg, K-Pax: Alles ist möglich und Arlington Road wieder auf sich aufmerksam. Aber auch in seinen älteren Filmen wie Rufmord - Jenseits der Moral, Blown Away, The Fabulous Baker Boys, Thunderbolt and Lightfoot, Fat City, Starman oder Against All Odds wusste Bridges zu überzeugen und konnte schon einige Oscar-Nominierungen einfahren. Aber die Rolle des Dude scheint ihm auf den Leib geschrieben, er schlörrt sich kiffend und White Russian schlürfend durch den Film, ständig überfordert mit der Situation. Schrecklicherweise stammte Dudes Garderobe größtenteils aus Bridges Kleiderschrank.
An Bridges Seite glänzen neben der großartigen Julianne Moore (The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit, Hannibal, Boogie Nights) als überdrehte Feministin vor allem die Coen-Kletten Steve Buscemi als Donny, John Goodman als Walter und John Turturro als überheblicher Bowling-Macho Jesus Quintana. Es gibt kaum ein Coen Brothers Werk, wo nicht wenigstens einer von ihnen auftaucht. Besonders John Goodman spielt den ständig aufbrausenden Hitzkopf Walter, der den Dude mit unsinnigen Ideen und falschen Vermutungen zur Verzweiflung treibt, mehr als genial. Auch Flea und David Thewlis liefern originelle Kurzauftritte ab, besonders aber fällt das wandlungsfähige Arbeitstier der aktuellen Hollywood Oberliga Philip Seymour Hoffman, der ständig im Kino präsent ist (kleiner Auszug: ... Und dann kam Polly, Unterwegs nach Cold Mountain, 25 Stunden, Roter Drache, Punch-Drunk Love), als Lebowskis verklemmte rechte Hand Brandt auf.
The Big Lebowski ist sicherlich einer der für das breite Publikum verträglicheren aber deswegen nicht schlechteren Coen Brothers Filme. Wo andere Filme ihre Story wegen witziger Einzelsituation vernachlässigen oder die Story dem Filmspaß zu sehr im Weg steht, gelingt den Coens wieder mal eine perfekte Symbiose aller wichtigen Elemente für beste Unterhaltung. Sollte jeder mal gesehen haben! |